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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 01:14 Uhr

Bundestags-Wahlkreis Flensburg-Schleswig : SPD-Kandidaten touren durch die Provinz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Knut Dethlefsen, Nicolas Jähring und Clemens Teschendorf wollen für die SPD in den Bundestag. In Rabenkirchen-Faulück stellten sie sich der Basis.

Die Stimmung im Saal der Gaststätte „Boddelhoch“ ist entspannt. Jedenfalls unter den Besuchern. 20 Genossen sind auf Einladung des SPD-Kreisverbandes gekommen, um die drei Kandidaten kennenzulernen, die Bundestags-Direktkandidat für die SPD im Wahlkreis Schleswig-Flensburg werden wollen. Knut Dethlefsen, Nicolas Jähring und Clemens Teschendorf sind nach Rabenkirchen-Faulück gekommen, um sich vorzustellen. Sie müssen einen guten Eindruck machen, denn letztlich kann es nur einen geben: Am 5. November entscheiden die wahlberechtigten Mitglieder in Tarp, wer für sie ins Rennen geht.

Der Druck ist groß, auch wenn das Interesse nicht gerade überwältigend zu sein scheint – an den insgesamt sechs Achtertischen sitzen in Grüppchen knapp 20 Zuhörer, die sich unterhalten. Sie haben Bier, Wasser oder Schorle bestellt, gelegentlich trägt die Kellnerin Teller herein. Es riecht nach Bratkartoffeln.

Als erster der Kandidaten ist Nicolas Jähring da: 32 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Kinder aus Flensburg, beschäftigt bei der dänischen Post und stark engagiert bei der Flüchtlingshilfe am Flensburger Bahnhof. Er trägt einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd ohne Krawatte – es macht den Eindruck, als trage er solche Kleidung nicht besonders häufig. Er ist eher zurückhaltend.

Knut Dethlefsen (47) dagegen wirkt raumfüllend, mit großen Gesten, betont zuvorkommend und locker mit dunklem Blazer und heller Hose. Er ist Ostasienreferent der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin und Wozhnsitz in Schleswig, leitete zuvor die Büros in der Stiftung in Shanghai, Ost-Jerusalem und Warschau. Es ist sein zweiter Versuch, SPD-Kandidat im diesem Wahlkreis zu werden, vor vier Jahren hatte er gegen Dirk Peddinghaus das Nachsehen.

Auf den letzten Drücker erscheint Clemens Teschendorf (42), Pressesprecher der Flensburger Stadtverwaltung und stellvertretender Bürgermeister in Steinbergkirche. Er bekennt sich auch durch die Farbe seines Hemdes zur SPD und ist der einzige, sich für den Auftritt in Rabenkirchen-Faulück für einen Schlips entschieden hat.

Der Kreisvorsitzende Ralf Wrobel hat an diesem Abend als Moderator nicht viel zu tun. Die Kandidaten halten sich brav an die vorgegebene Redezeit von zehn Minuten für die Vorstellung, es gibt keine persönlichen Angriffe auf die Konkurrenz, keine Zwischenbemerkungen, nicht einmal einen abschätzigen Gesichtsausdruck. Im Vergleich zum Wahlkampf in den USA ist dies eine Familienfeier – und selbst vor vier Jahren ging es in ähnlicher Situation bei den Genossen im Kreisgebiet erheblich verbissener zu.

Die politischen Einstellungen sind sozialdemokratisch – und somit fast deckungsgleich. Die Aussagen der drei Bewerber haben nichts Überraschendes, es geht um den Kampf gegen Kinder- und Altersarmut („Das darf nicht sein“), Chancengleichheit, Bildung für alle, eine bessere Infrastruktur, die Stärkung des ländlichen Raumes, den Wert des Tourismus und die Abneigung gegen die Gefahr von Rechts. Nur gelegentlich schimmern persönliche Einstellungen durch, die jenseits des sozialdemokratischen Mainstreams liegen.

„Ich weiß, wie es ist, hart für mein Geld zu arbeiten“, sagt Nicolas Jähring, der meint, es gebe schon mehr als genug Rechtsanwälte und Akademiker im Bundestag. Clemens Teschendorf stellt seine Kommunikationsstärke und seine Erfahrung in der Kommunalpolitik heraus und spricht sich für rot-rote Koalitionsgespräche aus, während Knut Dethlefsen fordert, Kapitaleinkommen zu besteuern, um die Handlungsfähigkeit des Staates zu gewährleisten.

Die Fragerunde beginnt zäh: Die beiden ersten Wortmeldungen richten sich an Ralf Wrobel: Er wird um Erklärungen zum Abstimmungsprozedere in Tarp befragt. Als das endlich geklärt ist, geht es um CETA, die Kommunikation mit der Basis, das Thema Privatisierung und schließlich um das gewünschte Arbeitsfeld in Berlin. Alle Kandidaten betonen zunächst brav, dass dies natürlich mit der Landesgruppe abzusprechen sei, dann bekennen Jähring (Arbeit und Soziales), Teschendorf (Infrastruktur, Verkehr und Tourismus) und Dethlefsen (Auswärtiger Ausschuss) Farbe.

Dethlefsen ist es auch, der den Übergang von der Fragerunde zu den Tischgesprächen für sich nutzt. Kaum hat Ralf Wrobel erklärt, dass die Gespräche mit den Kandidaten an den Tischen fortgesetzt würden, tritt Dethlefsen vor, bedankt sich für das Kommen, und das Interesse, wünscht einen schönen Abend und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass möglichst viele Genossen bei der Entscheidung in Tarp anwesend sein mögen.

Seine Verabschiedung ist nicht verfrüht, denn viele der Anwesenden beeilen sich, sofort zu zahlen und zu gehen. Es dauert angesichts der allgemeinen Unruhe eine ganze Weile, bis die Kandidaten eine kleine Runde zum Klönschnack gefunden haben. Verständlich, denn wer setzt sich schon gern zu Leuten, die in Aufbruchstimmung sind?

Ein Stimmungsbild ließ sich an diesem Abend kaum ablesen. Den drei Kandidaten steht bis zum 5. November noch viel Arbeit bevor, um sich bekannt zu machen, ihre Vorstellungen zu vermitteln und zu verdeutlichen, was sie von den anderen beiden unterscheidet. Letzteres ist in der Gaststätte „Boddelhoch“ bestenfalls ansatzweise gelungen.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 07:57 Uhr

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