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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 14:36 Uhr

Schleswiger Stadtmuseum : Sparen bei den Teddybären

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt will ihrem Museum einen Sparkurs verordnen. Die internationalen Foto-Ausstellungen sollen aber bleiben.

Die Debatte begann vor einem Jahr, als die CDU-Ratsfraktion bei den Haushaltsberatungen mit dem Antrag überraschte, die Stelle des scheidenden Stadtmuseums-Direktors Holger Rüdel vorerst nicht wieder zu besetzen. Zuerst solle die Verwaltung vorschlagen, wie das Museum seine Kosten senken könnte, forderten die Christdemokraten – und hatten Erfolg mit ihrem Antrag.

Von einem Einsparpotenzial in Höhe von 230  000 Euro war die Rede. CDU-Fraktionschef Holger Ley berief sich dabei auf den Landesrechnungshof. Seither tagte zu dem Thema in nichtöffentlicher Runde alle paar Monate eine „Lenkungsgruppe“ aus Vertretern der Ratsfraktionen und der Verwaltung.

Jetzt hat die Gruppe ihre Ergebnisse vorgelegt. Im Großen und Ganzen einvernehmlich, wie es heißt. 55  000 Euro im Jahr könne das Stadtmuseum in Zukunft einsparen, meinen die Teilnehmer. Die tragenden Säulen des Museums – Stadtgeschichte und internationale Foto-Ausstellungen – sollen dabei erhalten bleiben.

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei das Teddybär-Haus, das derzeit ohnehin wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist. Die Bären der Fahrdorfer Sammlerin Mechthild Reichstein sollen zwar weiter präsentiert werden, aber möglicherweise in abgespeckter Form. Die Einzelheiten sollen mit der Familie der inzwischen verstorbenen Sammlerin erst noch besprochen werden.

Zunächst einmal, so stellt es sich die Lenkungsgruppe vor, soll die Stelle einer ausscheidenden Mitarbeiterin im Aufsichtsdienst im kommenden Frühjahr nicht wieder neu besetzt werden. Das allein würde 35  000 Euro im Jahr sparen. Die Bären, die in der oberen Etage des Teddybärhauses hinter Panzerglas zu sehen sind, könnten auch ohne Aufsicht bleiben, heißt es in der Empfehlung der Lenkungsgruppe, über die der Kulturausschuss am 16. November (ab 16 Uhr im Rathaus) erstmals öffentlich beraten wird.

Das ist aber nur der erste Schritt. Eine weitere Überlegung: Möglicherweise ließe sich die Teddybär-Sammlung auch in die Ausstellungen im Hauptgebäude des Museums integrieren – zusammen mit der Spielzeugsammlung des Dannewerker Kinderarztes Joachim Gunkel, die sich dort bereits befindet. Weil dann auch die Sach- und Energiekosten für das Teddybärhaus wegfallen würden, summieren sich die Einsparungen auf 55  000 Euro. Das Gebäude ließe sich dann als Café vermieten. Der Haken: Das Teddybärhaus ist 2002 mit Fördermitteln des Landes Schleswig-Holstein instand gesetzt worden, und zwar unter der Bedingung, es bis 2027 für Museumszwecke zu nutzen. Ebenso lange läuft auch der Vertrag mit der Familie Reichstein. Mit dem Land müsse nun eine „Klärung wegen etwaiger Rückzahlung von Fördergeldern“ erfolgen, heißt es im Vorschlag der Lenkungsgruppe. Ob am Ende wirklich 55  000 Euro gespart werden, ist also offen.

Aber es gibt auch noch ein paar andere Spar-Überlegungen, für die allerdings noch keine konkreten Summen bekannt sind. So könnte die historische Druckerei, die sich in einem Nebengebäude des Museums befindet, aufgegeben werden. Veränderungen könnte es auch im so genannten Holm-Museum geben, bei dem es sich de facto um eine öffentliche Toilette handelt, in deren Vorraum Fotografien aus der Fischersiedlung zu sehen sind. Diese könnte aus dem Stadtmuseum ausgegliedert werden und aus Mitteln des „Legat Sonntag“ finanziert werden – einer Stiftung, mit der ein Hamburger Ehepaar einst bedürftige Schleswiger Fischer unterstützen wollte.

Helge Lehmkuhl, CDU-Vertreter in der Lenkungsgruppe, sieht sich in dem Vorgehen bestätigt, die Neubesetzung der Direktorenstelle vorläufig gestoppt zu haben. „Sonst wären wir nie so weit gekommen.“ Er hofft auf zusätzliche Einsparungen in den nächsten Jahren, wenn weitere Museumsmitarbeiter in den Ruhestand gehen.

SPD-Fraktionschef Stephan Dose hingegen meint, der Sperrvermerk für die Museumsleiter-Stelle sei „von Anfang an sinnlos gewesen“. Es sei klar, dass das Museum eine neue qualifizierte Leitung brauche, die bei der Umsetzung der Konzeption einzubinden sei. Der neue Museumschef soll, wie schon Holger Rüdel, zugleich den Fachdienst Kultur der Stadtverwaltung leiten.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 18:30 Uhr

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