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Schleswiger Nachrichten

31. August 2016 | 08:04 Uhr

Pastorenfrau aus Sörup : Spagat zwischen Sörup und New York

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Einsatz für die Armen: Eva Hanfstängl leistet als Finanzfachfrau bei „Brot für die Welt“ Überzeugungsarbeit rund um den Globus.

„Ich bin auch Pfarrfrau“, unterstreicht Eva Hanfstängl bei einem Gespräch im Söruper Pfarrhaus. „Und das bin ich gerne“, hebt die Ehefrau von Michael Hanfstängl, Pastor der Kirchengemeinde Sörup, nachdrücklich hervor. Aber sie ist eben nicht nur das. Sie blickt auch gern über den Angelner Tellerrand hinaus, und zwar als Finanzfachfrau. In dieser Rolle agiert Hanfstängl für die weltweit agierende Hilfsaktion der Evangelischen Kirche „Brot für die Welt“. Der Hunger in der Welt, die Unterdrückung vieler Menschen und Armut sind schon lange ihre Themen. Die Gründe der Armut erkennen und Alternativen aufzeigen – das will Eva Hanfstängl bereits seit ihrer frühen Jugend. Heute leistet sie dafür einen beachtlichen Spagat. Ihr Büro ist in Berlin, in Sichtweite der Regierenden, aber sie reist auch oft nach New York, wenn sie dort als Sprecherin internationaler Hilfsorganisationen vor UN-Gremien spricht.

Aufgewachsen ist Eva Hanfstängl in einer christlichen Familie mit vier Geschwistern, die Eltern beide Geographen. Die Definition dieses Begriffs war für den Vater gegenüber seinen Kindern einfach. „Geographen versuchen zu verstehen, warum die Welt so ist, wie sie ist.“ Klar, dass auch Tochter Eva die Welt verstehen wollte. Als sie zwölf Jahre alt war, stellten sich für sie die Weichen. Um Weihnachten blätterte sie bei ihrer Oma in einer Zeitschrift, in der ein üppig gefüllter Gabentisch abgebildet war und wenige Seiten weiter hungernde Kinder, erinnert sich Eva Hanfstängl. Diese beiden Bilder haben sie nie wieder losgelassen.

Sie studierte Wirtschaftsgeographie, Theologie und Germanistik. Noch vor dem zweiten Staatsexamen reiste sie nach Brasilien, um Antworten auf die Entstehung der Slums zu finden und wie man das Problem der Armut lösen kann. Unterstützung fand sie bei Franziskaner-Mönchen vor Ort. Ein Ordensmitglied gehörte zur Verwandtschaft von Eva Hanfstängl. Dort erhielt die Besucherin aus Deutschland den ersten dramatischen Einblick in die strukturellen Ungerechtigkeiten in den Armutsländern. Die Großgrundbesitzer vertrieben die kleinen Bauern von ihrem Land, das sie dringend zum Leben benötigten. Nach Abschluss der zweiten Staatsexamens ging die junge Frau als Lehrerin nach Afrika. Dort lernte sie Hunger und Armut auf dramatische Weise kennen. Wieder waren es die Franziskaner, die ihr eine Herberge gaben und sie auf das fruchtbare Land in den Tälern Kenias hinwiesen. Doch ein italienischer Industrieller hatte die fruchtbaren Flächen aufgekauft, um hier Sisal anzubauen. Die kenianischen Bauern waren in die kargen höheren Lagen vertrieben worden.

1985 startete Eva Hanfstängl für Misereor ein Projekt, um die geographischen und wirtschaftlichen Ursachen des Hungers in Afrika zu erforschen. Sie wurde zu einer gefragten Expertin. Inzwischen ist sie für „Brot für die Welt“ weltweit im Einsatz. Auf nationalen Fachtagungen, aber auch in internationalen Gremien hält sie Reden. Ihr Thema heute ist die Internationale Finanzpolitik und wie Entwicklung in den armen Ländern finanziert werden kann. Ob in Berliner Ministerien oder vor internationalen Gremien der UN und dem Internationalen Währungsfonds – Eva Hanfstängl, die Pastorenfrau aus Sörup, setzt sich für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte ein. „Finanzinstitutionen sollen Mittel für die Realwirtschaft bereit stellen“, ist eine ihrer Forderungen. Hinzu komme das Problem der Staatsverschuldung der armen Länder.

„Brot für die Welt“ ist Teil eines globalen Netzwerks von Hilfsorganisation, das mit mehr als 100 Organisationen zusammenarbeitet und zum Ziel hat, die Ungerechtigkeiten in der Welt einzudämmen. Ihre Aufgabe ist Überzeugungsarbeit und der politische Dialog mit Institutionen und der Politik. Dabei geht es um aktuelle Themen wie die Finanztransaktionssteuer, von der ein Teil in die Entwicklungshilfe fließen soll, aber auch die Regulierung der Schattenbanken. Wissenschaftlich wird sie dabei von einem internationalen Kreis von Experten und Professoren unterstützt.

„Sörup ist für mich ein Rückzugsgebiet, wo ich Kraft tanken kann.“ Da ist das Pfarrhaus, ihre Heimat, ihr Mann Michael, den sie bei seiner Arbeit als Pfarrer unterstützt. Ihr Arbeitgeber hat dafür gesorgt, dass Eva Hanfstängl einen Teil ihrer Arbeit dort erledigen kann. Die Informationstechnik und das Internet machen es möglich.

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