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Schleswiger Nachrichten

29. Juni 2016 | 20:17 Uhr

Schleswig : So soll es mit der „Heimat“ weitergehen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Lenkungskreis einigt sich auf Fahrplan für den Umbau des Bundeswehr-Mannschaftsheims zur Landestheater-Spielstätte .

Das Haus war wieder einmal fast voll besetzt, als der Witzeerzähler Fips Asmussen am Sonnabend in der „Heimat“ sein dreistündiges Programm abspulte. Dabei war der 78-Jährige erst vor anderthalb Jahren an derselben Stelle mit denselben Witzen, in derselben Weste und denselben Schuhen aufgetreten. Die Comedy-Abende in dem alten Bundeswehr-Mannschaftsheim sind inzwischen Selbstgänger und haben sich nach drei Jahren im Kulturleben der Stadt fest etabliert.

Inzwischen deutet immer mehr darauf hin, dass das auch über das kommende Jahr hinaus so bleibt. Als die Stadt Schleswig im Dezember über ihre Kommunalbetriebe das Gebäude für eine Million Euro vom Team Vivendi kaufte, sicherte sie sich damit nicht nur eine neue Spielstätte für das Landestheater, sondern bewahrte auch das „Heimat“-Varieté von Mario Hoff vor dem drohenden Aus.

Doch bis in dem Haus, das an vielen Stellen noch immer spröden Bundeswehr-Charme versprüht, klassisches Theater gespielt werden kann, ist noch einiges zu tun. Der Lenkungskreis aus Vertretern von Kommunalpolitik, Stadtverwaltung und Stadtwerken hat jetzt einen Fahrplan festgelegt, der teilweise noch von der Ratsversammlung abgesegnet werden muss. Der Umbau soll unter der Regie der Stadtwerke erfolgen. Sobald das Landestheater und Mario Hoff ihre genauen Anforderungen vorgelegt haben, sollen örtliche Architektenbüros mit den Planungen beginnen. „Das Jahr 2016 wird das Jahr der Planung“, sagt Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs. Im kommenden Jahr soll dann gebaut werden. Möglich, dass das Mannschaftsheim seine Gestalt dann auch von außen merklich verändert. So könnte ein Bühnenturm angebaut werden. Um die nötige Höhe für ansteigende Sitzreihen zu schaffen, wie Theater-Intendant Peter Grisebach sie sich wünscht, gibt es Überlegungen, das Dach anzuheben.

Auch über die Organisationsstruktur des „Kulturhauses“ – so der Arbeitstitel für die neu entstehende Einrichtung – hat der Lenkungskreis bereits gesprochen. Erste Überlegungen gehen in die Richtung, dass die Stadtwerke Eigentümer der Immobilie bleiben, während für den Betrieb eine Kulturhaus GmbH gegründet werden soll, die das Gebäude von den Stadtwerken anmietet. Diese neue Gesellschaft soll der Stadt Schleswig gehören, aber nicht Teil des Stadtwerke-Verbunds werden. Externe Berater müssen allerdings noch abklopfen, ob diese Konstruktion mit den Bedingungen vereinbar ist, unter denen die Stadt Fördermittel vom Land Schleswig-Holstein oder aus anderen öffentlichen Töpfen bekommen kann. Bislang ist dieser Teil der Finanzierung noch völlig unklar.

Auch die Rolle von Mario Hoff war Thema im Lenkungskreis. Er soll als Veranstaltungsmanager der wichtigste Angestellte der Kulturhaus GmbH werden. Neben dem Programm des Landestheaters und von Hoffs „Heimat“-Varieté soll das Kulturhaus auch Raum bieten für externe Nutzer – von Firmenfeiern bis zu kleinen Messen.

Dass Hoff für sein Konzept 150  000 Euro erhalten soll, wurde von den Teilnehmern des Lenkungskreises zwar nicht bestätigt – aber auch nicht dementiert. Die Zahlung wurde in der Runde kontrovers diskutiert. Die klare Mehrheit sprach sich jedoch dafür aus, dass die Stadt das Konzept für das „Heimat“-Varieté kaufen sollte. Die Überlegungen, die hinter diesem Geschäft stecken, erklärt Schoofs so: Wolle man das Kulturhaus auslasten, sei es geboten, neben dem Landestheater ein weiteres Standbein zu unterhalten. „Wenn wir Mario Hoffs Konzept nicht fortführen würden, müssten wir selbst ein neues Konzept entwickeln.“ Der Lenkungskreis will verhindern, dass Mario Hoff mit seiner Erfahrung und seinen Kontakten in eine Nachbarstadt zieht und dem Kulturhaus von dort aus Konkurrenz macht. Mit dieser Möglichkeit hatte er im vergangenen Jahr kokettiert, bevor die Stadtwerke das Gebäude gekauft hatten. Damals drohte der „Heimat“ das Aus, weil Team-Vivendi-Geschäftsführer Volker Schlüschen erklärt hatte, er könne das Gebäude nicht weiter unterhalten.

Die Stadt will Hoff nun vertraglich dauerhaft an Schleswig binden. Ob er seinem Varieté-Programm so lange treu bleibt wie Fips Asmussen seinen Witzen, die er seit 50 Jahren nur sehr behutsam variiert, weiß keiner. An diesem Freitag, 18. März, feiert die „Heimat“ ab 20 Uhr erst einmal mit einer großen Gala ihren dritten Geburtstag. Auf der Bühne stehen dann altbekannte Gäste wie „Emmi und Herr Willnowsky“ oder Terrél Woodbury und nach längerer Pause auch das Schleswiger Liedermacher-Duo „Vielsaitig“.

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erstellt am 14.Mär.2016 | 07:55 Uhr

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