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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 15:51 Uhr

Gottorfs „Masterplan“ : So soll die Schlossinsel aussehen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Ostflügel von Gottorf bekommt einen modernen Anbau. Die Ausstellungen der Landesmuseem werden neu konzipiert.

Schloss Gottorf hat viel erlebt in seiner wechselvollen Geschichte. Aber das, was in absehbarer Zeit am Sitz der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen passieren wird, darf getrost als historisch bezeichnet werden. Mit dem „Masterplan 2025“ bekommt das Schleswiger Wahrzeichen innen wie außen ein neues Gesicht. „Die ganze Schlossinsel wird überplant“, sagt Guido Wendt, Geschäftsführer der Stiftung. Die Investitionssumme verdeutlicht die Dimension des Vorhabens: 29 Millionen Euro wird der Masterplan verschlingen. 20 Millionen hat das Land bereits in Aussicht gestellt. Wendt ist zuversichtlich, auch noch die restlichen neun Millionen zusammenzubekommen.

Viele Veränderungen: Die gesamte Schlossinsel wird rund um den Anbau neu gestaltet.
Viele Veränderungen: Die gesamte Schlossinsel wird rund um den Anbau neu gestaltet.
 

Eigentlich sollten die Pläne am 4. Oktober in der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses vorgestellt werden. Aber die Einladung war den Architekten des in Berlin und Zürich ansässigen Büros Holzer/Kobler zu kurzfristig, passte nicht in den Terminkalender. Nun werden sie in der Sitzung am 29. November zu Gast sein. Endgültige Ergebnisse würden die Architekten, die als Sieger aus einem Ideenwettbewerb hervorgegangen waren, dann aber noch nicht präsentieren, sagt Wendt. „Wir befinden uns noch im Abstimmungsprozess.“

Gespannt sein darf man aber dennoch auf die Reaktionen der Kommunalpolitiker. Streitpotenzial bietet vor allem der geplante moderne Anbau am Ostflügel des Schlosses. Nachdem unsere Zeitung im Juli im Kulturteil erstmals darüber berichtet hatte, hatten sich bereits einige Leser kritisch dazu geäußert. Der 2500 Quadratmeter große Anbau aus Beton und viel Glas soll nicht nur die Lücke am Schloss schließen, sondern zum neuen Zentrum der Museumsinsel werden – zwischen Hauptgebäude auf der einen sowie Kreuzstall, Reithalle und der Sammlung Horn auf der anderen Seite. Im Neubau wird der Eingangsbereich samt Ticketverkauf untergebracht werden. Er wird zudem einen klimatisierten Raum für kleinere Sonderausstellungen sowie ein Restaurant beherbergen. Hinzu kommt ein 600 Quadratmeter großer Innenhof unter einem Glasdach. Dort finden bei Veranstaltungen 350 Gäste Platz. „Das jetzige Hauptportal wird dann geschlossen“, sagt Wendt. Viele Besucher – das hätten Befragungen ergeben – fühlten sich orientierungslos, wenn sie das Schloss durch den tunnelartigen Eingang betreten.

Und warum hat man sich ausgerechnet für einen futuristisch anmutenden Anbau an das altehrwürdige Schloss entschieden? „Der Anbau muss sich klar von der Architektur des Schlosses unterscheiden. Das war auch die Bedingung des Denkmalschützers“, erklärt Wendt. Auch werde das Schloss architektonisch erstmals überhaupt als Museum erkennbar.

Im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechend werden auch die Veränderungen im Bestandsgebäude sein. Wände werden eingerissen, viele bisherige Sackgassen innerhalb des Gemäuers verschwinden. Stattdessen sollen die Besucher auf einem Rundgang durch die – entschlackten – Ausstellungen wandeln können. Die Landesgeschichte lasse sich auch mit weniger Exponaten spannend erzählen, findet Wendt. Professor Dr. Claus von Carnap-Bornheim, als Direktor der Stiftung für das Projekt „Masterplan 2025“ federführend, bringt es mit diesem Satz auf den Punkt: „Wenn wir nicht in absehbarer Zeit als verstaubt gelten wollen, müssen wir etwas tun.“

Und spätestens da kommen die jungen Besucher ins Spiel. Drei Viertel der jährlich fast 130  000 Gäste seien Familien mit Kindern, erläutert Wendt. „Aber was haben wir denn den Kindern und Jugendlichen zu bieten?“ Nicht zuletzt sollen Spielplätze den Familien künftig ein längeres Verweilen auf der Schlossinsel schmackhaft machen. Und auch die Wiederherstellung der historischen Wallanlage ist geplant. Auf ihr soll man das Schlossareal umwandern können. Die Parkplätze werden von der attraktiven Freifläche vor der Südfassade nach Osten in den etwas weniger sichtbaren Teil verlegt – dafür haben die Besucher dann einen kürzeren Weg zum künftigen Eingangsbereich.

Wenn alles gut geht, könnten die Arbeiten im Jahr 2020 beginnen. Die Eröffnung des neukonzipierten Schlosses sei für 2022 geplant, so Wendt. Der Geschäftsführer spricht von Aufbruchstimmung. „Die Mitarbeiter sind hochmotiviert.“ Dabei verlangt die Umsetzung gerade diesen einiges ab, nämlich eine noch viel engere Verzahnung von Archäologischem Landesmuseum und dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, die dann auch in den Ausstellungen zum Ausdruck kommen soll. „Wir müssen neu denken, ohne die jeweilige Identität aufzugeben“, sagt Wendt.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum runderneuerten Museum wird im nächsten Jahr mit der Eröffnung des sechs Millionen Euro teuren Zentralmagazins auf dem Hesterberg vollzogen sein. Dadurch, so Wendt, bekomme man endlich die Möglichkeit, all diejenigen Exponate unterzubringen, die derzeit die Dauerausstellungen im Schloss überfrachten.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 15:15 Uhr

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