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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 13:25 Uhr

Helios-Klinik Schleswig : Sieg vor Gericht – aber auch neuer Ärger

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Besetzung der Intensivstation: Helios-Führung gewinnt Prozess gegen Betriebsrat. Aber Pflegekräfte klagen über zu hohe Arbeitsbelastung.

Im Nachtdienst reicht ein Assistenzarzt auf der Intensivstation: Die Leitung des Schleswiger Helios-Krankenhauses hat sich in einem Rechtsstreit gegen den eigenen Betriebsrat durchgesetzt. „Wir freuen uns, dass unsere Auffassung bestätigt worden ist“, sagte Kliniksprecherin Inke Asmussen gestern am Tag nach dem Urteil des Flensburger Arbeitsgerichts.

Der Betriebsrat hatte sich auf eine Vereinbarung mit der Klinikleitung berufen, wonach in der Nachtschicht immer zwei Mediziner auf der Intensivstation im Dienst sein müssen. Die Arbeitnehmervertretung habe jedoch nicht nachweisen können, dass eine bindende Absprache tatsächlich existiert, urteilten die Richter. Demzufolge könne die Klinikleitung ganz alleine entscheiden, wie die Intensivstation personell besetzt wird.

Max Oberberg, Anwalt des Betriebsrates, sagte im Anschluss an den Prozess im NDR-Fernsehen: „Ich hoffe, dass nichts Schlimmes passiert.“ Der Status quo müsse im Sinne der Patienten, der Ärzte und der Pflegekräfte dringend geändert werden.

Seit Monaten versieht in den Nachtschichten nur ein Anästhesist den Dienst auf der Intensivstation. Sechs von den 18 Betten der Intensivstation und der Intermediate Care Station sind gesperrt. Insgesamt seien nachts im Hause aber sieben Ärzte tätig, erklärte Kliniksprecherin Asmussen. „Es ist immer gesichert, dass alle Patienten so versorgt werden, wie es erforderlich ist“, betonte sie. Wenn wieder ausreichend Ärzte und Pflegekräfte und damit auch alle Betten zur Verfügung stehen, werde man den Dienstplan neu gestalten. „Dann werden nachts ein Anästhesist und ein Internist auf der Intensivstation sein“, kündigte Asmussen an.

Unterdessen sieht sich die Krankenhaus-Leitung mit neuen Vorwürfen aus den Reihen der Belegschaft konfrontiert. Der NDR berichtete, dass sich Pflegekräfte aus verschiedenen Bereichen per E-Mail über die Arbeitsbedingungen in der Schleswiger Helios-Klinik beklagt hätten. Die Rede ist von regelmäßigen Acht- bis Zehn-Stunden-Schichten ohne Pause. Eine Pflegekraft, die wie ihre Kollegen aus Angst vor Repressalien anonym bleiben wollte, berichtete von gesundheitlichen Problemen, die in Folge der Belastung aufträten. Die Motivation sei bei vielen Kollegen am Boden.

Auszubildende würden eingesetzt wie ausgelernte Vollzeitkräfte, die Ausbildung komme zu kurz, heißt es in dem NDR-Bericht weiter. Nicht zuletzt litten die Patienten unter den Zuständen. Ein Mitarbeiter schrieb besorgt: „Patienten werden nicht mehr adäquat versorgt.“ Demnach hätten sich auf den Stationen zum Teil zwei Pflegekräfte und ein Schüler um 40 Patienten zu kümmern.

Helios-Sprecherin Inke Asmussen bestätigte, dass derzeit sechs Pflegestellen unbesetzt seien. Dadurch ergäben sich Engpässe, die Folge sei Mehrarbeit für das vorhandene Personal. „Das bedauern wir“, betonte sie. „Wir wollen die offenen Stellen so schnell wie möglich besetzen.“ Allerdings sei es aktuell alles andere als einfach, Pflegekräfte auf dem Markt zu finden.

Asmussen zeigte sich verwundert darüber, dass die Beschwerden anonym erfolgt sind. „Wir verstehen nicht, dass sich die Betroffenen nicht direkt an uns gewandt haben.“ Niemand habe etwas zu befürchten, sagte die Sprecherin, die bei Helios zugleich als Pflegedirektorin in der Forensik tätig ist. „Dort kommen die Mitarbeiter zu mir, wenn sie nicht zufrieden sind. Für viele Probleme gibt es schließlich Lösungen.“

Eine spezielle Form der Wertschätzung erfuhren die Helios-Mitarbeiter am gestrigen „Internationalen Tag der Pflege“, der auf den Geburtstag der Begründerin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale (12. Mai 1820), zurückgeht. Die Klinikleitung lud die Belegschaft in der Mittagszeit zum Grillen ein, um sich bei den Pflegekräften für ihren Einsatz zu bedanken. Geschäftsführer John Friedrich Näthke und der Ärztliche Direktor Andreas Hohmann stellten sich dafür höchstselbst an den Grill.

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erstellt am 13.Mai.2016 | 07:23 Uhr

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