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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 10:38 Uhr

Kropp : Selbst zur Fastenzeit ging’s ins Freibad

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wasserfreunde und DLRG organisieren Schwimmkurse für Flüchtlingskinder.

„Ich überhole dich“, ruft die zehnjährige Amina ausgelassen ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Eva zu, ehe sie nach einigen kräftigen Schwimmzügen erst aufschließt und dann tatsächlich an ihr vorbeizieht. Doch Eva nimmt es gelassen und lacht nur. Schließlich ist es kein sportlicher Wettstreit, den die Mädchen im tiefen Becken des Kropper Freibads austragen. Vielmehr lernen sie hier unter der Anleitung von Daniel Benker und Amelie Glaser schwimmen. Die syrischen Schwestern leben seit zweieinhalb Jahren in Deutschland und gehören zu einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die an einem Anfängerschwimmkurs speziell für Flüchtlinge teilnehmen. Das Angebot haben die Kropper Wasserfreunde und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ins Leben gerufen.

„Die Idee kam von Seiten der Flüchtlingspaten“, berichtet Schwimmlehrer Daniel Benker von der DLRG. „Sie meinten, ihre Schützlinge wollen schwimmen lernen.“ Viele von ihnen könnten sich mal gerade so über Wasser halten, sagt er. Wozu das führen kann, haben Anfang Juni zwei tragische Vorfälle in Hamburg-Allermöhe gezeigt: Innerhalb weniger Tage ertranken dort zwei 17-jährige Flüchtlinge in einem Badesee. Sie gehören zu den bisher 25 Flüchtlingen, die dieses Jahr in deutschen Seen und Flüssen ihr Leben verloren haben. Damit ist die Zahl von vergangenem Jahr – 2015 waren unter den 488 Badetoten 27 Asylbewerber – fast schon erreicht.

Damit es gar nicht erst zu Badeunfällen kommt, läuft in Kropp seit Ende Mai der Schwimmkurs. Die Wasserfreunde sowie Kropper Bürger übernehmen dabei die Kosten und oft auch den Transport der Flüchtlinge zum Freibad. „Einer kommt sogar aus Friedrichstadt mit seinem Paten angefahren“, sagt Benker. Der Unterricht findet jeden Freitag statt. Es sei denn, das Wetter ist zu schlecht – was nur bei Gewitter der Fall ist. Aber wenn es wie jetzt kühl ist und regnet, „halten viele nicht so lange durch“, sagt Daniel Benker und schmunzelt.

Nicht so Basir Rasoli. Der 17-Jährige stammt aus Afghanistan und lebt heute in Wohlde. In seiner alten Heimat habe er nie die Möglichkeit gehabt, schwimmen zu lernen, sagt er. Hier in Deutschland packte ihn dann der Ehrgeiz. Inzwischen ist er schon sieben Wochen dabei und hat sein Jugendschwimmabzeichen Bronze bereits absolviert. Dafür musste er vom Beckenrand springen und 200 Meter in höchstens 15 Minuten schwimmen, einen Gegenstand aus zwei Metern Tiefe heraufholen, vom Ein-Meter-Brett springen sowie die Baderegeln kennen.

Jetzt möchte er auch noch Silber schaffen, meint Basir. Und: „Schwimmen lernen ist nicht schwierig.“ Nur das Rückenschwimmen, das müsse er noch mehr üben, sagt der junge Mann und lächelt schüchtern. Doch er beweist Durchhaltevermögen: Trotz Fastens ist er sogar während des Ramadans (6. Juni bis 4. Juli) zum Schwimmunterricht gekommen. „Dadurch fehlte ihm manchmal die nötige Kraft“, erinnert sich Daniel Benker.

Er interessiert sich über den Unterricht hinaus für das Schicksal seiner Schüler und stellt ihnen auch Fragen über ihr Leben. Dadurch, dass alle bereits gut Deutsch sprechen, sei die Verständigung kein Problem, sagt er. Zur Not würde es aber auch ohne Sprache gehen: „Beim Schwimmen kann man viel vormachen.“ Bei seinen jungen Kursteilnehmern stellt er fest, dass sie „relativ ehrgeizig“ seien.

Amina hat schon das Seepferdchen gemacht und springt voller Freude vom Ein-Meter-Brett. „Das macht Spaß“, sagt sie und strahlt. Als nächstes möchte sie das Bronzeabzeichen bekommen. So weit ist die neunjährige Eva noch nicht, aber auch sie ist eine richtige Wasserratte und schwimmt neben ihrer „Paten-Oma“ Barbara Doose. Der Schwimmkurs sei ein „super Angebot“, meint Doose, die die Patenschaft für die zwei Schwestern übernommen hat. „Ich finde es wichtig, dass gerade Mädchen stark werden“, betont sie.




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erstellt am 13.Jul.2016 | 07:31 Uhr

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