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Torsten Albig auf Schloss Gottorf : „Selbst ein Brot schmieren“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ministerpräsident Torsten Albig spricht im SPD-Wahlkampf auf Schloss Gottorf über Pflege und die Integration von Flüchtlingen.

Bei seiner Geburt habe nicht im Stammbuch gestanden, dass er einmal Ministerpräsident wird. Die etwa 100 Zuhörer im historischen Hirschsaal von Schloss Gottorf haben am Donnerstagabend nicht nur den Politiker, sondern auch ein bisschen den Menschen Torsten Albig kennengelernt. Und das nicht nur im Video, das am Anfang der SPD-Wahlkampf-Veranstaltung gezeigt wurde. Immer wieder präsentierte sich der 53-Jährige in Plauderlaune, warb natürlich auch für seine Wiederwahl – und ein „modernes und gerechtes Schleswig-Holstein“.

Dieses moderne Land brauche ein flächendeckendes Breitbandnetz. „Wir wollen bis 2020 alle Schulen und bis 2030 alle Haushalte ans Glasfasernetz anschließen“, gibt Albig die optimistische Richtung vor. „Wir haben schon 28 Prozent geschafft – sechs Mal mehr als Bayern.“ Ein Zuhörer möchte wissen, was die Digitalisierung für das Land bedeutet. Albigs Prognose: „Die neue Technik erlaubt es, dass sich die Art von Arbeit verändert.“ Dies könne man vor allem im medizinischen Bereich nutzen. Aber auch dem Fachkräftemangel und der Landflucht könne man so entgegenwirken. Dann würde, so Albig, auch die Mobilität auf dem Land besser. Und das komme dann vor allem den Senioren zugute.

Eine Dame aus dem Kreisgebiet möchte wissen, was die SPD denn für ältere Menschen macht. Sowohl für Albig als auch für die Schleswiger Landtagsabgeordnete Birte Pauls, die sich am Anfang der Wahlkampfrunde zu Wort gemeldet hat, steht das Thema Pflege ganz oben auf der Agenda. Die Sozialdemokraten wollen vor allem junge Leute für die Pflegeberufe begeistern und die medizinische Versorgung verbessern. Ob Mehrgenerationenhäuser eine Option seien, fragt jemand. Albig bejaht dies – weist aber auch darauf hin, dass man dafür junge Menschen finden müsse, die bereit sind, mit Senioren zusammenzuleben.

Hoffnung macht er dagegen einer anderen Zuhörerin, die sich um die Schließung der Geburtsstation in Eckernförde sorgt. Auch wenn das eine „Kreissache“ sei, arbeiteten alle daran, um die Geburtsklinik zu erhalten. Das quittieren die Zuhörer im Schloss mit tosendem Applaus.

Applaus gibt es auch für Albigs Einstellung zu Flüchtlingen – insbesondere zu deren Integration. Nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaft lobt der Ministerpräsident für ihr Engagement, um die Ankömmlinge in ihrer neuen Heimat aufzunehmen. „Es ist wundervoll, wie sich die Menschen eingesetzt haben“, sagt er. Bewegt erzählt er von seinen eigenen Begegnungen mit den Geflohenen, die ihm von den Bomben in Afghanistan und den dadurch getöteten Angehörigen berichtet hätten. „Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte“, betont er. Im gleichen Atemzug kritisiert er die Abschiebepolitik und die Vorgehensweise des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Die Mitarbeiter hätten, so Albig, einen Afghanen in eine vermeintlich „sichere Region“ Heimat zurückgeschickt – obwohl man dort eigentlich niemanden hinbringen könne. Stattdessen solle man den Flüchtlingen helfen, Deutsch zu lernen und ihnen einen Ausbildungsplatz zu geben. „Viele Firmen wollen sie behalten, weil sie gute Arbeit leisten“, erklärt Albig.

In Zukunft möchte Albig sein Land aber nicht nur moderner, sondern auch gerechter machen. „Wie gerecht geht es denn bei Ihnen zu Hause zu?“, fühlt die Moderatorin und freie Journalistin Susanne von Stosch dem Ministerpräsidenten auf den Zahn. Und der plaudert offen von der Trennung von seiner Frau Gabriele vor einem Jahr, die während der Ehe zu Hause blieb, während er viel unterwegs war. Das sei nicht gerecht gewesen, gibt er zu. In seiner neuen Beziehung mit der PR-Unternehmerin Bärbel Boy sei das anders. Da müsse er auch mal sein Butterbrot selbst schmieren.


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erstellt am 08.Apr.2017 | 07:26 Uhr

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