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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 01:10 Uhr

Von Haithabu nach Brodersby : Schwelgen in Goggo-Nostalgie

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die „Nordlichter“ luden zum Anglasen ein – und 20 Autoenthusiasten machten sich im Goggomobil auf den Weg.

Zum zehnten Mal hatte der Glas- und Goggo-Stammtisch „Nordlichter“ zum „Anglasen“ eingeladen. In diesem Jahr starteten die Oldtimer-Fahrer am Wikingermuseum Haithabu. Sie machten Mittagspause an der Brauerei in Schleswig und besichtigten das Feuerwehrmuseum in Nübel sowie die Wassermühle in Schaalby. Die Ausfahrt der Teilnehmer aus ganz Schleswig endete am Kuchenhaus Brodersby.

Alle 20 Fahrzeuge hatten mehr als ein halbes Jahrhundert Laufzeit auf den Achsen und kamen ohne Panne ins Ziel. Nur in Nübel gab es Unsicherheiten, da das Feuerwehrmuseum inzwischen ins Dörfergemeinschaftshaus umgezogen ist, aber im Internet noch unter der alten Adresse steht. Doch die Qualität der Besichtigung machte das entstehende Durcheinander wieder wett.

An den Haltepunkten, die sofort mit dem Geruch von Zweitaktgemisch parfümiert wurden, praktizierten Fahrer und Beifahrer Geselligkeit. Mehr als zwei Insassen fand man in den „Rollermobilen“ praktisch nie. Denn obwohl das „Goggo“ – so genannt nach dem Enkel des Erbauers Hans Glas – als Viersitzer gebaut ist, sind die Rücksitze nur Spartanern zuzumuten.

Die Gespräche der Teilnehmer drehten sich um Ersatzteile, Fahrverhalten, Reparaturen und den Verkauf von Fahrzeugen, die heute je nach Zustand um ein Vielfaches teurer sind als bei ihrer Erstzulassung. „Das Goggomobil war das erste vollständige Auto für den kleinen Mann“, verriet Anglasen-Organisator Lars-Peter Lund. Es habe rundherum Einzelradaufhängung gehabt und sogar eine Zwölf-Volt-Anlage. Was er verschweigt, ist, dass das etwa 4000 D-Mark teure Fahrzeug erst nach mehreren Jahren einen zweiten Scheibenwischer und Kurbelfenster bekam. Auch entschied sich der Hersteller erst kurz vor Baubeginn gegen eine Fronttür, wie sie ihr Mitbewerber „Isetta“ hatte. Das „Goggo“ wurde zwischen 1955 und 1969 etwa 285  000 Mal gebaut und sogar in die USA exportiert. Der besondere Clou war, dass man es mit dem damaligen Motorradführerschein fahren konnte, da es einen Hubraum unter 250 Kubikzentimeter hat. „Solche alten Fahrzeuge mit einer einfachen, aber praktikablen Technik müssen einfach erhalten werden“, erklärte Lund. Und damit man dieses Gefühl auch selber habe und es außerdem auch noch allen anderen vorführen könne, werde es auch im nächsten Jahr wieder im Frühling ein „Anglasen“ geben.

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