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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 17:21 Uhr

Neubaugebiet in Glücksburg : Schwedenhaus und Toskana-Villa

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Burkhard Repenning kritisiert den Stilmix im Baugebiet „Kleiner Bremsberg“ und fordert klare Regelung für das Neubaugebiet „Großer Bremsberg“ .

Glücksburg | Als „Architektengulasch“ wird allgemein bezeichnet, was derzeit in vielen Einfamilienhaus-Wohngebieten entsteht: Bauhaus-Kuben neben Friesenstil, Holz-Bungalows neben sogenannten Toskana-Häusern. Und das alles dicht an dicht, denn an der Grundstücksgröße wird gerne gespart. Auch Glücksburg bietet dieses Bild. „Welch ein Mix aus Stilen und Materialien – ein abschreckendes Beispiel für modernen Städtebau“, beschwerte sich ein Glücksburger Bürger per Brief bei Stadtvertreter Burkhard Repenning (LWL) über das Baugebiet Klein Bremsberg. Der wollte das so nicht auf sich sitzen lassen und fand eine gute Gelegenheit sich zu revanchieren. Direkt gegenüber Klein Bremsberg befindet sich das nächste Baugebiet in der Planung: Groß Bremsberg mit 2,5 Hektar oder 27 Baugrundstücken à 500 bis 750 Quadratmeter Fläche (wir berichteten).

Repenning reichte eine Liste mit sechs Beschlussanträgen zum Baugebiet Groß Bremsberg ein, über die der Bauausschuss abstimmte. Einen bestimmten Baustil wollte Repenning nicht durchsetzen, aber Größenverhältnisse geregelt wissen. Der Bauausschuss ging auf eine Höhenbegrenzung ein: Bei zwei Vollgeschossen wurde die Dachhöhe auf 7,50 Meter festgelegt, bei einem Vollgeschoss mit freier Dachwahl auf 8 bis zu 8,50 Meter. Damit soll der Bau von zwei Geschossen mit einem zusätzlichen Staffelgeschoss verhindert werden. Das wirkt nämlich so hoch wie drei volle Geschosse. Hier ist man in Glücksburg gerade besonders sensibel, weil in Bockholm ein entsprechender Bauantrag für großen Wirbel sorgt. Festgelegt wurde außerdem, dass jedes Einzelhaus höchstens zwei Wohneinheiten, jedes Doppelhaus maximal vier Wohneinheiten enthalten darf. Auch musste Planer Frank Sass von der Treuhänderischen Erschließungsgesellschaft Nord mbH (TEG), die die Fläche ankaufte, entwickelt und verkauft, eine Schatten-Simulation liefern. Damit sollte die Stadt überzeugt werden, dass Solarzellen auf Dächern sinnvoll zu realisieren wären. Dies war ein ausdrücklicher Wunsch von Bauausschussmitglied und Artefact-Betreiber Werner Kiwitt (Bündnis 90/Grüne).

Ferner wurde für das gesamte Gebiet eine Verkehrsberuhigung mit entsprechender Beschilderung beschlossen – die erste in einem Glücksburger Neubaugebiet, wie Repenning betonte. Außerdem wird es eine 200 Quadratmeter große Freifläche für einen öffentlichen Nachbarschafts-Treff mit Spielplatz geben, den die Stadt zwar später pflegen muss, aber nicht bereitstellt. „Lange nicht mehr hat sich die Glücksburger Verwaltung so in ein Neubauprojekt eingebracht“, stellte Repenning zufrieden fest.

Planer Sass antwortete auf die Frage, ob er mit so vielen Nachbesserungen gerechnet hat: „Der Aufwand beim Bauen wird allgemein komplexer, zum einen durch die Gesetzgebung, zum anderen durch die städtischen Gemeinden. Wir stellen uns dem und sehen uns dem auch gewachsen.“ Auf der anderen Seite, der Seite der Vermarktung, habe er es mit lauter „Einzelkämpfern“ zu tun, so Sass. Jeder möchte das beste Haus für sich selbst. „Sie finden keinen Investor in einer Stadt wie Glücksburg, der eine Anlage überwiegend für Einfamilienhäuser in einem bestimmten Stil entwickeln möchte. Das rentiert sich nicht.“

In Glücksburg gab es so etwas in den 60er- Jahren beispielsweise am Thingplatz, erinnert sich Stadtschreiber Berthold Hamer. Der Kieler Immobilienentwickler Hans Kersig ließ dort eine Straße mit gleichartigen, weiß gestrichenen Steinhäusern bauen. Inzwischen ähnelt dort kaum noch ein Haus dem anderen. Individuelle Bedürfnisse führten zu verschiedenen Umbaumaßnahmen. Gegen manche Entwicklungen, so scheint es, kommt man stadtplanerisch nicht an.


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erstellt am 30.Jun.2016 | 12:00 Uhr

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