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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 15:26 Uhr

Schul-Arbeit endet nach 23 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Einrichtung musste wegen sinkender Teilnehmerzahlen und finanzieller Probleme schließen: Öko-Hof Norderlück in Steinberg steht zum Verkauf

Der Ökologische Schulbauernhof Norderlück besteht nicht mehr. Das idyllisch an der Ostsee gelegene Anwesen steht derzeit leer und zum Verkauf. Sinkende Teilnehmerzahlen und finanzielle Probleme haben nach einer 23 Jahre währenden erfolgreichen „Schul-Arbeit“ zu dieser Stilllegung geführt. Für die Gründerin Ingrid Ehlerding war es stets das erklärte Ziel, Stadtkindern aus sozial belastetem Umfeld die Möglichkeit zu bieten, Natur und Landwirtschaft hautnah zu erleben. Die letzten Schüler nahmen nun Abschied vom Hof und von den Tieren. Zur abschließenden Bilanz sagt Ingrid Ehlerding: „Seit 1993 waren bei uns über 18 000 Kinder zu Gast. Unsere Pädagogen haben zusammen mit ihnen Brot gebacken, Kartoffeln geerntet und Kühe gemolken, um nur einige der vielen Aktionen zu nennen.“ Diese Tätigkeit habe nicht nur Spaß gemacht, sondern sei auch ein wichtiger Beitrag gewesen, um den Lernenden Verantwortung für Natur und Umwelt zu vermitteln und deren eigene Selbstständigkeit zu stärken.

Die Ehlerding-Stiftung hat während des Bestehens des Norderlücker Bauernhofs weit über sieben Millionen Euro an Zuschüssen für den Aufenthalt der Kinder aufgewendet. Doch der Entschluss, den Hof zu schließen, sei den Entwicklungen der letzten Jahre geschuldet, bestätigte Silke Schwarz, Sprecherin der bisherigen Einrichtung.

Zuletzt blieben die Schulklassen in der Regel nur noch vier Nächte auf dem Hof. Den Verantwortlichen erschien es unmöglich, die Gesamtkonzeption so umzustellen, dass sie an die pädagogischen Erfolge der früheren zehntägigen Aufenthalte hätten anknüpfen können. Die dadurch bedingte geringe Auslastung war nur schwer auszugleichen, da der Bauernhof ganzjährig bewirtschaftet werden musste. Zudem erwies sich, dass das Konzept, einen Öko-Betrieb zu bewirtschaften und die Kinder in Kleinstgruppen in die Abläufe zu integrieren, besonders arbeitsintensiv und mit hohen Kosten verbunden war. Schwarz: „Am Ende stand der Stiftungszuschuss von jährlich rund 200  000 Euro nicht mehr im Verhältnis zu der Anzahl an Kindern, die davon profitierten.“ Hinzu kam ihren Worten nach, dass im Umland von Hamburg über die Jahre hinweg weitere Biohöfe entstanden sind, die ebenfalls Programme zur Natur- und Umweltbildung anbieten und von Schulen genutzt werden.

Die Stiftung hat sich indessen neue Ziele gesetzt: Sie will sich verstärkt der Arbeit in ihrem erlebnispädagogischen Schullandheim Barkhausen bei Osnabrück zuwenden und „Aktivpatenschaften“ ins Leben rufen. Dabei werden Kinder aus sozial schwachen Familien von Bezugspersonen betreut.



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erstellt am 20.Okt.2016 | 17:44 Uhr

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