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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 01:32 Uhr

Gottorfer Anbau-Pläne : Schlossherren werben für ihr Projekt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der geplante Anbau an Schloss Gottorf stößt in Teilen der Bevölkerung auf scharfe Kritik. Der Denkmalschutz steht hinter dem Vorhaben.

Claus von Carnap-Bornheim hat mit Kritik gerechnet. „So ein Eingriff provoziert immer eine kulturpolitische Debatte“, sagt der leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Mit „Eingriff“ ist der geplante moderne Anbau an Schloss Gottorf gemeint. Ein Konstrukt aus viel Glas, das auf die historische Fassade des Ostflügels treffen soll. Nachdem unsere Zeitung eine Animation des Bauvorhabens veröffentlicht hat, sieht sich der Museumschef mit Protesten konfrontiert, die ihn in dieser Heftigkeit dann aber doch überrascht haben dürften. In Leserbriefen sprechen Kritiker sogar von einem Sakrileg.

Die Vorbereitungen für den „Masterplan 2025“, mit dem die Landesmuseen in Schleswig fit für die Zukunft gemacht werden sollen, begannen auf Gottorf bereits vor dreieinhalb Jahren. Grundlage war eine wissenschaftlich begleitete Besucherbefragung. Nun werden die Initiatoren von den Ereignissen förmlich überholt, wie Guido Wendt, kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung, gestern in einem Pressegespräch einräumte. Denn nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages vor einer Woche 15,6 Millionen Euro für den Masterplan bewilligt hat (wir berichteten), kann nun mit der Realisierung zwei bis drei Jahre früher als gedacht begonnen werden. Die zweite Hälfte des 31,2-Millionen-Euro-Projektes steuert das Land bei. Als Baubeginn ist 2018 angepeilt.

Doch während sich die Schlossherren über die parteiübergreifende Unterstützung der Politik freuen (Wendt: „31,2 Millionen Euro sind ein gewaltiges kulturpolitisches Signal“), kommen aus der Bevölkerung eben auch gegensätzliche Reaktionen. Entsprechend gehen die Verantwortlichen nun in die Offensive, um die Skeptiker mit möglichst viel Transparenz von ihrem Projekt zu überzeugen. Am Mittwochabend etwa waren rund 25 Schleswiger „Multiplikatoren“ auf die Schlossinsel geladen, um sich die Pläne im Detail erläutern zu lassen. Zwar habe es auch kritische Stimmen gegeben, die Mehrheit habe sich jedoch begeistert gezeigt, heißt es aus Teilnehmerkreisen.

„Der Anbau“, sagt Claus von Carnap-Bornheim, „vollendet eine 300 Jahre alte Idee.“ Bereits Friedrich IV. habe die Lücke am Ostflügel mit einer Erweiterung samt zusätzlichem Innenhof schließen wollen. Doch weil der Herzog 1702 in der Schlacht bei Klissow fiel, habe er seine Baupläne nicht verwirklichen können.

Das geschieht nun auf eine dem 21.  Jahrhundert angepasste Weise. Der Denkmalschutz sei von Anfang an in die Planungen eingebunden gewesen, betont Carnap-Bornheim. Es sei sogar dessen Vorgabe gewesen, dass sich der Anbau architektonisch deutlich von der historischen Fassade abgrenzen müsse. Philip Norman Peterson, Geschäftsführer des in Berlin und Zürich ansässigen Architekturbüros Holzer/Kobler, wies gestern darauf hin, dass der Abschluss der Nordfassade von dem teuren Erweiterungskomplex unberührt bleibe. Und vor allem werde die geradezu „ikonenhafte“ Südfassade so erhalten bleiben, wie sie der Besucher kennt, wenn er auf die Schlossinsel fährt.

Der neun Millionen Euro teure Anbau soll das neue Zentrum der Schlossinsel bilden – dort, wo jetzt noch Autos parken, werden in Zukunft das Foyer mit Ticketverkauf, ein klimatisierter Ausstellungsraum, ein überdachter Innenhof und ein Restaurant untergebracht. Und von dort sollen über eine große Treppe die Rundgänge durch die Museumsausstellungen starten.

Was die inhaltliche Gestaltung angeht, steht ein Paradigmenwechsel im Schloss an, wie Carnap-Bornheim sagt. Ziel sei es, ein zeitgemäßes Museum zu entwickeln – mit völlig neu inszenierten Ausstellungen, die den Ansprüchen heutiger Besucher entsprechen. Viele der Exponate aus den derzeit überfrachteten Räumen werden dann ins Magazin auf dem Schleswiger Hesterberg wandern. Um den Gästen endlich einen Rundgang durchs Museum zu ermöglichen, werden auch Wände eingerissen. Und das Schloss wird endlich barrierefrei. Künftig führen drei Fahrstühle ins Obergeschoss. Aktuell gibt es nur einen Aufzug in dem riesigen Schloss.

All das kostet viel Geld, noch viel Detailplanung – und eben auch viel Überzeugungsarbeit. „Wir müssen den Leuten erklären, warum das der richtige Weg ist“, sagt Carnap-Bornheim. „Das Globushaus hat damals auch zu Unruhen geführt.“ Gut elf Jahre später stoße das moderne Bauwerk im Barockgarten, das ein Modell des historischen Gottorfer Riesenglobus beherbergt, durchweg auf Akzeptanz.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 09:00 Uhr

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