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Schleswiger Nachrichten

02. Dezember 2016 | 19:17 Uhr

Ansgarweg : Schleswigs Notunterkünfte ausgebucht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Von 22 Obdachlosen-Wohnungen in Schleswig sind 21 belegt, Der Bedarf steigt seit 2013 rasant an.

Noch vor einigen Jahren gab es Fragen aus der Kommunalpolitik, ob man nicht die Häuser für die Obdachlosen-Unterkünfte am Ansgarweg verkaufen oder sogar abreißen sollte. Weil sie ja kaum genutzt würden und ohnehin leer stünden, hieß es.

Doch die Umstände haben sich geändert: Die Notunterkünfte im Ansgarweg sind jetzt nahezu ausgebucht. 21 der insgesamt 22 Schlichtwohnungen sind belegt.

Die Gründe, warum Menschen dort landen, sind vielfältig: Sie reichen von Zwangsräumungen über persönliche Schicksalsschläge bis hin zu Drogen- und Alkoholproblemen, die sie am unteren Lebens-Limit halten. Und trotzdem: „Obdachlosigkeit ist kein unentrinnbares Schicksal“, erklärte Bürgermeister Arthur Christiansen in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Denn für alle Bewohner der Obdachlosenunterkünfte gebe es Hilfsangebote – etwa bei der Beantragung von Hartz-IV-Unterstützung in den Sozialzentren oder auch bei der Suche nach Möbeln und Kleidung durch die Awo. Auch Mitarbeiter des Diakonischen Werks suchen regelmäßig die Obdachlosen auf, um mit ihnen gemeinsam einen neuen Weg zu finden. Eben weil es Alternativen zu Notunterkünften gebe, seien diese auch karg ausgestattet, sagte er. Dabei erfülle die Stadt alle gesetzlichen Vorgaben. Im laufenden Jahr gab sie 18  000 Euro aus für die Unterhaltung am Ansgarweg.

Die Anzahl der Zwangsräumungen und der damit verbundenen Auslastung der Notunterkünfte ist nach Angaben der Stadt deutlich angestiegen. Im Zeitraum 2014 waren es noch 16, aber 2015 bereits 34, und im laufenden Jahr waren es bislang 24 Zwangsräumungen. Parallel dazu stieg die Belegung am Ansgarweg an.

Das Leben in den Notunterkünften ist sicherlich kein Vergnügen. Obwohl die Rotklinker-Häuser am Ansgarweg 1-3 von außen relativ stabil aussehen, gibt es in den Wohnungen keine Heizung, kein Warmwasser, keine Duschen. Nur Gemeinschafts-Toiletten und kleine Öfen, für die die Bewohner irgendwo Brennholz auftreiben müssen, um es bei diesen Temperaturen einigermaßen warm zu bekommen.

Doch bei allem Mitleid mit den Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen in die Obdachlosigkeit geraten sind, gehört zu diesem Thema auch die Erfahrung der Helfer, die berichten, wie schwierig es oftmals sei, diesen Menschen auf die Beine zu helfen. Ihnen dabei behilflich zu sein, eine reguläre Wohnung zu finden und auch zu unterhalten.

Denn Lethargie und Antriebslosigkeit seien häufig festgestellte Eigenschaften der Betroffenen, die erst mühselig durchbrochen werden müssten, damit sie in die Lage versetzt werden, selbst etwas an ihrer Situation zu ändern. Wie mühselig diese Hilfe sein kann, hat auch Awo-Geschäftsführerin Maren Korban erfahren. Gegenüber den SN sagt sie: „Ich habe mich sehr oft eingesetzt für sie und bin dabei so manches Mal auf Abwehr gestoßen.“ Dennoch werde sie weiterhin ihr Möglichstes tun, um diesen Menschen aus der Notlage zu helfen.

Pastor Thomas Nolte, Leiter des Diakonischen Werks, bestätigt die zunehmende Zahl von Einquartierungen in Notunterkünfte. „Das liegt auch daran, dass uns immer mehr kleine bezahlbare Sozialwohnungen auf dem Markt fehlen.“ Nolte verweist auf die Arbeit seiner Mitarbeiterin Karola Bergk, die regelmäßig in die Notunterkünfte geht und Hilfswege aufzeigt.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 15:25 Uhr

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