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Schleswiger Nachrichten

26. März 2017 | 19:13 Uhr

Streit über Sanierung : Schleswiger Bahnhof: Stadt versiegelt Bahnhofs-Baustelle

vom

Schleswig verhängte einen Baustopp, doch der Investor will sich nicht daran halten. Der Streit eskaliert.

Schleswig | Erst vor einer Woche gaben sie sich vor laufender Fernsehkamera symbolträchtig die Hand und sprachen davon, den Reset-Knopf drücken zu wollen – doch jetzt scheint das Tischtuch zwischen Bürgermeister Arthur Christiansen und dem Bahnhofs-Investor aus Süddeutschland endgültig zerschnitten zu sein. Im monatelangen Streit um das Baugenehmigungsverfahren hat die Stadtverwaltung gestern mehrere Räume in dem historischen Bahnhofsgebäude versiegelt. „Anscheinend begreift der Investor momentan nur die rechtsstaatliche Regelung“, teilte Christiansen in einer Pressemitteilung mit.

Der Schleswiger Bahnhof ist in die Jahre gekommen. Seine letzte kleine Schönheitskur erlebte er, als Bundeskanzler Gerhard Schröder sich auf Schloss Gottorf mit Russlands Präsident Wladimir Putin traf. Das ist zwölf Jahre her. Die frische Farbe von damals ist längst verwittert.

Anders als vereinbart sei der verhängte Baustopp vom Investor weiter ignoriert worden, argumentiert der Rathaus-Chef. Zudem macht sich das Bauamt Sorgen um die Statik des Gebäudes. So habe der Bauherr in einem unterkellerten Bereich der Eingangshalle ein Stahlbetonpodest errichtet und im obersten Geschoss auf eine Holzbalkenlage eine Stahlbetondecke eingebaut. Dies alles sei ohne einen statischen Nachweis erfolgt, heißt es in der Mitteilung weiter.

Der Investor, der weiter namentlich nicht genannt werden möchte, reagierte mit Empörung auf die Maßnahme der Stadt. Er fühle sich als Bauernopfer, sagte er im Gespräch mit den Schleswiger Nachrichten. „Das Bauamt will damit doch nur ablenken vom Skandal um den Leiter der Bauaufsicht.“ Der Handschlag mit dem Bürgermeister sei „einen Scheiß wert gewesen. Sie können mich ruhig so zitieren“, betonte der Investor. Statt einen Termin für ein klärendes Gespräch zu vereinbaren, hätten bereits wenige Tage danach wieder Kontrollen auf der Baustelle stattgefunden. Dabei hätten sich Bauamtsleiterin Manja Havenstein und der Leiter der Bauaufsicht widerrechtlich Zutritt verschafft. „Ich werde Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstatten“, kündigte der Bahnhofseigentümer an. Auch werde er mit seinem Anwalt eine Schadensersatzklage gegen die Stadt vorbereiten.

Der Unternehmensberater aus Freiburg hatte den 1914 gebauten Bahnhof im April 2013 bei einer Auktion in Berlin für 182.000 Euro ersteigert. Er will das Gebäude zu einem „Event-Tempel“ umbauen – unter anderem mit Kleinkunstbühne, Restaurant und Sports-Bar. Bei der Realisierung seiner Pläne vertritt er jedoch eine grundlegend andere Rechtsauffassung als die Stadt. Während die Verwaltung darauf verweist, dass bislang keine Baugenehmigung für die Umbauarbeiten vorliegt, argumentiert der Eigentümer, dass für große Bereiche des Bahnhofs nur das Eisenbahnbundesamt, nicht aber die örtlichen Behörden zuständig seien. Mithin gebe es auch keinen rechtsgültigen Baustopp. Ebenso gebe es keine statischen Probleme bei den Umbauten, versicherte er. Es sei alles von Fachleuten berechnet worden.

Dass es jetzt noch zu dem ursprünglich erhofften Friedensgipfel kommt, ist unwahrscheinlich. „Ich bedauere diese Entwicklung sehr, hatte ich doch ein gutes Gefühl, dass der Investor sich zu einem finalen Neubeginn bereit erklären würde“, sagte Bürgermeister Christiansen zwar. Doch er erwarte, „dass wir uns jetzt erst einmal auf der Ebene eines Rechtsstreitverfahrens bewegen werden“. Der Investor drückt es noch deutlicher aus: „Es wird keine Gesprächsrunde geben. Jetzt kommen die Juristen aufs Trapez.“

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erstellt am 02.Mär.2017 | 18:36 Uhr

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