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Schleswiger Nachrichten

02. Dezember 2016 | 19:01 Uhr

Berender Redder : Schleswig: Wenn Hecken zu Geldfressern werden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt Schleswig zahlt jährlich bis zu 200.000 Euro dafür, die Hecken zwischen den Grundstücken am Berender Redder zu stutzen.

Schleswig | Sie sind unbestritten das optische Markenzeichen des Berender Redders: Wie kilometerlange grüne Schlangen ziehen sich unzählige Buchenhecken kreuz und quer durch das Neubaugebiet im Norden Schleswigs. Das Schöne daran ist für die Besitzer der 268 Grundstücke, die in den ersten beiden Bauabschnitten liegen, dass diese Hecken ausschließlich über Flächen verlaufen, die der Stadt gehören. Denn das bedeutet, dass die Stadt auch für die teils sehr umständliche Pflege zuständig ist. Das bindet Personal von den zuständigen Umweltdiensten – und kostet eine Menge Geld. So viel, dass bei der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag einige Politiker mit Blick auf die anstehende Erschließung des dritten Bauabschnittes ihrem Ärger darüber Luft machten.

Dabei ging es laut Vorlage der Stadt eigentlich um ein ganz anderes Problem. So sollten die Ausschussmitglieder über eine Änderung des Bebauungsplanes abstimmen, mit der künftig ausgeschlossen wird, dass auf einzelnen Grundstücken Häuser mit mehreren Mietwohnungen entstehen. Genau das war nämlich im ersten und zweiten Abschnitt passiert und sorgte für reichlich Ärger bei den Nachbarn. Diese „Fehlentwicklung“, wie es in der Vorlage heißt, sollte nun für den dritten Abschnitt durch eine Festsetzung auf höchstens zwei Wohneinheiten pro Grundstück verhindert werden. Ein Vorschlag, der schließlich einstimmig abgesegnet wurde.

Bei der Beurteilung einer anderen – aus Sicht vieler Ausschussmitglieder – Fehlentwicklung gab es weit mehr Redebedarf. „Wir geben Hunderttausende von Euro für die Pflege der Hecken am Berender Redder aus. Wie wir da Geld rausschmeißen, das ist unglaublich“, meinte Eckard Haeger (SPD) und hatte daraufhin gleich CDU-Vertreter Helge Lehmkuhl auf seiner Seite. Dass man die Grundstückseigentümer in den ersten beiden Bauabschnitten nicht verpflichtet hätte, die Hecken zu pflegen, sei ein Fehler gewesen, meinte er. Dies müsse sich in Abschnitt drei unbedingt ändern. „Denn diese Geldverschwendung ärgert mich maßlos. Zumal Schleswig keine reiche Stadt ist.“

Auch Grünen-Ratsherr Steffen Hempel übte Kritik an der Hecken-Regelung. Die Umweltdienste könnten an vielen Stellen keine Maschinen einsetzen, da es zu eng sei. Zudem hätten einige Anwohner ihre Grundstücke inzwischen eigenständig verlängert, in dem ihre Abstellflächen über ihre Grenze bis direkt an die Hecken reichten. Das gefiel zwar auch dem Ausschussvorsitzenden Klaus Bosholm (SPD) nicht. Er ärgerte sich aber mehr darüber, dass das Thema Hecken überhaupt diskutiert wurde. „Als wir uns damals für dieses Neubaugebiet ausgesprochen haben, war uns wichtig, dass es attraktiv gestaltet wird. Wir haben uns alle für das Anlegen der Hecken ausgesprochen. Da muss man sich jetzt im Nachhinein nicht beschweren“, meinte er. Dennoch stimmte Bosholm, wie alle anderen Ausschussmitglieder, dem Vorschlag zu, dass die Verwaltung für den dritten Bauabschnitt eine andere Lösung erarbeiten soll, bei der eventuell die Anwohner zur Pflege der Hecken verpflichtet werden.

Das würde sicher auch Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs befürworten. Zwar sagte er gestern auf Nachfrage der Schleswiger Nachrichten, dass die den Stadtwerken angegliederten Umweltdienste einen Auftrag zur Pflege der Hecken und Grünanlagen am Berender Redder hätten, den man regelmäßig erfülle. Dass diese Arbeit aber sehr viel Zeit und damit auch Personal beanspruche, betonte aber auch er. In den ersten zwei Bauabschnitten gibt es demnach ein etwa 8000 Meter langes Heckennetz, das zum Großteil per Hand geschnitten werden muss. Rechne man die Pflege der vielen Spielplätze und Rasenflächen sowie der Bäume dazu, komme man auf einen jährlichen Aufwand von rund 200.000 Euro. Dabei ist, wie Schoofs erklärte, der dritte Bauabschnitt, der im kommenden Jahr erschlossen wird, noch nicht mit eingerechnet.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 07:45 Uhr

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