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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Ehemaliges Martin-Luther-Krankenhaus : Schleswig: Schon elf Kaufinteressenten für alte Klinik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kreis will bis Dezember entscheiden, wer den Zuschlag für das ehemalige Krankenhaus erhält. Favorit ist die Gewoba.

Schleswig | Das ausgediente Martin-Luther-Krankenhaus steht da, als warte es auf einen Neuanfang. Vergangene Woche ist das komplette Gebäude offiziell und „besenrein“ vom Helios-Klinikum an den Kreis als Eigentümer übergeben worden. Jetzt will der Kreis bis Ende des Jahres entscheiden, wer den Zuschlag bekommt für das Gebäude mit den 24.380 Quadratmetern Nutzfläche.

Noch aber befindet man sich in der Phase der Sondierung: „Wir sind in Gesprächen mit einigen der Interessenten“, erklärt auf sh:z-Nachfrage Markus Winter, Finanzfachdienstleiter beim Kreis Schleswig-Flensburg. Insgesamt hätten sich bisher elf Bewerber gemeldet. In den Verhandlungen gehe es nicht nur um die finanzielle Seite, sondern ebenso um ein passendes Nachnutzungskonzept, das der Bewerber für das ehemalige Klinikgebäude, Baujahr 1962, mitten im Zentrum der Stadt aufweisen muss.

Als Hauptinteressent gilt nach wie vor die Gewoba Nord. Die Wohnungsbaugenossenschaft hat ihren Hauptsitz gleich nebenan, in der Moltkestraße 32. Nach sh:z-Informationen hatte die Gewoba bereits frühzeitig ihr Interesse an dem Objekt bekundet. Bereits seit Mitte 2015 wird hinter verschlossenen Türen beim Kreis darüber verhandelt. Die Genossenschaft würde das alte Krankenhaus im Erwerbsfall gern umbauen wollen, um darin Miet- und Seniorenwohnungen einzurichten. Auch Betreutes Wohnen ist angedacht sowie Angebote für Patienten aus dem nahen Helios-Klinikum, die nach ihrer Entlassung noch pflegerische Hilfeleistungen in Anspruch nehmen möchten.

„Die Grundsubstanz des Gebäudes ist solide, unsere Wohnungsbau-Genossenschaft würde etwas Gutes daraus machen können“, hatte die Gewoba gegenüber den Schleswiger Nachrichten kürzlich deutlich gemacht. Für 2,5 Millionen Euro wird das sechsstöckige Krankenhaus auf dem Immobilienmarkt bundesweit seit dem Frühsommer angeboten. Ein Kieler Büro ist mit der freien Vermarktung des Gebäudekomplexes beauftragt worden. „Großes Klinikanwesen mit Schleiblick zu verkaufen!“, heißt es in der Immobilien-Anzeige. 

Der Kreis sei gehalten, „einen marktgerechten Preis“ zu erzielen. Winter: „Natürlich werden wir auch darauf achten, einen Investor zu gewinnen, der die bestmögliche Nutzung im Interesse der Stadtentwicklung umsetzen  kann. Denn von dem Areal sollte künftig eine Belebung für die Innenstadt ausgehen.“ Wenn Ende des Jahres die Verhandlungen abgeschlossen sein werden, erhalten die Gremien des Kreises eine Empfehlung, so dass nach deren Abstimmung die Übergabe des Gebäudekomplexes an den neuen Besitzer im ersten Quartal 2017 stattfinden könne.

Was mögliche Altlasten im über 50 Jahre alten Krankenhaus-Gebäude angeht, so habe eine Voruntersuchung eher unauffällige Werte ergeben, erläutert Winter, doch weitere ergänzende Untersuchungen sollten in den nächsten Wochen folgen.

Vor der Schlüssel-Übergabe an den Kreis hatten Helios-Mitarbeiter noch alle Hände voll zu tun, um das Haus bis in den letzten Winkel leerzuräumen. Klinik-Sprecherin Andrea Schumann: „Am Schluss sind dann unser Geschäftsführer John Friedrich Näthke und weitere Mitarbeiter noch einmal Etage für Etage und Raum für Raum durchgegangen, ob auch wirklich alles weg ist.“

Denn nicht mehr verwendbare Klinik-Möbel waren zuvor ins ehemalige Foyer getragen worden, wo Mitarbeiter die Gegenstände mitnehmen konnten. Zwei Busse beförderten zudem auf Initiative eines Arztes alte OP-Tische sowie ein mobiles Röntgengerät nach Syrien. Nur ein Koloss steht noch immer in dem ansonsten leeren Gebäude und rührt sich nicht vom Fleck. Es ist das tonnenschwere Röntgengerät, das die Neuzeit nicht überlebt hat. Es soll noch extra fachgerecht entsorgt werden. (Fotos aus dem Innern des verlassenen Krankenhauses gibt es hier).

Obwohl das Krankenhaus leersteht, gibt es dennoch Leben in dem Gebäude. Denn der Wachdienst bleibt aktiv. So können Passanten abends sehen, dass hier und da Licht brennt.

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erstellt am 21.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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