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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 15:02 Uhr

Gildefrühstück auf dem Schützenfest : „Schleswig ist nicht schläfrig“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Gastbeitrag in den SN ist Thema beim Gildefrühstück der Altstädter St. Knudsgilde. Am Dienstag fällt der Königsschuss.

„Mutlos, kraftlos, ideenresistent“ – der Neu-Schleswiger Hartmut Volz hatte vor einigen Wochen in einem Gastbeitrag in den SN ein äußerst kritisches Bild von seiner Wahlheimat und deren Verantwortlichen gezeichnet. Seine Worte haben für reichlich Diskussionsstoff in der Stadt gesorgt und hallten auch gestern beim traditionellen Gildefrühstück der Altstädter St. Knudsgilde auf dem Netzetrockenplatz nach. „Meine Reaktion war ein Mix aus Unverständnis, Kopfschütteln und Verärgerung“, sagte der 1. Schaffer der Gilde, Holger Funk, in seiner Festrede. Volz’ „oft oberlehrerhafte Ausführungen“ halte er für anmaßend. Sein eigenes Schleswig-Bild sei ein ganz anderes, betonte Funk, eine wie in dem Beitrag skizzierte resignative Stimmungslage in der Stadt habe er nicht erkennen können. Statt schläfrig sei Schleswig in Wirklichkeit quicklebendig. „Ich bin stolz und dankbar, Bürger dieser Stadt zu sein“, sagte Funk und erntete viel Beifall von seinen Schützenbrüdern.

Bürgermeister Arthur Christiansen griff den Faden in seinem Grußwort auf. Auch er sei anfangs sauer gewesen, als er den Volz-Beitrag gelesen habe. Doch gebe es einige Punkte, über die es sich nachzudenken lohne. Auch er habe bei seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren einige Dinge registriert, die sich mit Volz’ Beobachtungen deckten, so Christiansen. Doch seitdem sei viel passiert unter seiner Regie. Der Bürgermeister nannte als Beispiele den Kauf des Hertie-Hauses, die Entwicklung des Baugebietes Berender Redder („Läuft wie geschnitten Brot“) oder die Entwicklung auf den Königswiesen, wo zehn Jahre nichts passiert sei, jetzt aber gebaut werde. „So schlecht ist das nicht. Es läuft.“

Der Bürgermeister räumte ein, dass die Schleswiger an ihrem Selbstverständnis arbeiten müssten. „Wir sehen unsere eigenen guten Wäschestücke manchmal gar nicht.“ Zugleich kündigte er an, dass er sich an diesem Montag mit Volz zu einem von den SN begleiteten Streitgespräch treffen werde.

Auf die Kritik des 1. Ältermannes Tjark-Guido Behrendt an den seiner Meinung nach zu langen Entscheidungsprozessen in der Stadt hatte der mit Selbstlob nicht geizende Christiansen ebenfalls eine Antwort parat: „Ich muss die Politik in Schutz nehmen. Es ist nicht so einfach, die Taktzahl dieses Bürgermeisters mitzugehen.“

Behrendt hatte davon gesprochen, dass Schleswig seinen Einwohnern zwar eine „beachtliche Lebensqualität“ biete. Doch schöpfe die Stadt ihr Entwicklungspotenzial nicht aus. Klamme Kassen sollten kein Grund für Stillstand, sondern für Ansporn sein, sagte Behrendt, der vor allem mehr Verlässlichkeit für potenzielle Investoren einforderte. „Wankelmütigkeit aus persönlichem Profilstreben oder aus parteipolitischem Kalkül ist unserer Stadt und unserem Land nicht zuträglich.“

Während die gestrige Veranstaltung einmal mehr der Beleg dafür war, dass sich die Gilden um das Gemeinwohl und die Entwicklung ihrer Stadt Gedanken machen, läuft das diesjährige Schützenfest auf seinen Höhepunkt zu. Morgen Abend wird auf dem Netzetrockenplatz der Nachfolger von Majestät „Torsten der Starke“ gesucht. Vor drei Jahren hatte Torsten Winkelmann den Vogel abgeschossen.

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erstellt am 04.Jul.2016 | 07:55 Uhr

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