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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 03:31 Uhr

Nospa, Stadtwerke etc. : Scharfe Kritik an Manager-Gehältern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Luxus-Pensionen für Sparkassen-Chefs“: Kieler Piraten-Fraktion fordert Systemwechsel. Auch andere öffentliche Unternehmen veröffentlichen Bezüge.

Jahresgehälter für Sparkassenchefs von zum Teil mehr als einer halben Million Euro haben die Politik auf den Plan gerufen. Solche Bezüge seien „absoluter Wahnsinn und gegenüber Kleinsparern schwer vermittelbar“, findet der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, der Flensburger Rasmus Andresen. Alle öffentlichen Unternehmen seien nun gefordert, ihre Gehaltspolitik nicht nur transparent darzulegen, sondern auch zu erläutern. „Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht zu erfahren, wieso Steuermittel für Jahresgehälter ausgegeben werden, die mehr als dem 15-fachen des durchschnittlichen Brutto-Jahreslohns entsprechen“, so Andresen weiter.

Hintergrund ist, dass das Kieler Finanzministerium vor wenigen Tagen auf Grundlage des Vergütungsoffenlegungsgesetzes die Einkünfte von Spitzenmanagern mehrerer öffentlicher Unternehmen auf einer Internetseite publik gemacht hat. Darunter finden sich auch einige Unternehmen aus Flensburg und dem Kreisgebiet. Spitzenreiter beim Gehalt ist hier Nospa-Vorstandschef Thomas Menke, der auf ein Jahreseinkommen von 517  000 Euro kommt. Sein Vorstandskollege Enno Körtke bringt es immerhin noch auf knapp über 400  000 Euro. Doch damit nicht genug. Die Vorstände profitieren auch von den üppigen Pensionsrückstellungen, die für sie in der Nord-Ostsee-Sparkasse gebildet werden.

Nutznießer ist auch Michael Hinz, der Ende Juni aus dem Nospa-Vorstand ausgeschieden ist. Er bezieht jetzt eine jährliche Pension von 218  600 Euro.

Für Patrick Breyer, Fraktionsvorsitzender der Piraten, sind das „unanständige Luxuspensionen“. Die Öffentlichkeit habe dafür kein Verständnis, „zumal wenn die Sparkassen gleichzeitig Personal abbauen, Filialen schließen und die Trägerkommunen hochverschuldet sind“. Breyer fordert einen Systemwechsel: „Sparkassenmanager sollten selbst für ihre Altersversorgung einzahlen müssen.“

Die Nospa wollte die Äußerungen gestern nicht kommentieren und verwies auf den Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein. Dessen Sprecher Reinhardt Hassenstein, teilte auf Anfrage mit, dass es Sache der Verwaltungsräte sei, die Altersvergütung mit den Vorständen auszuhandeln. Einige Sparkassenvorstände im Land sorgten mittlerweile bereits selbst vor für ihren Ruhestand.

Thomas Menke
Thomas Menke
 

Vergleichsweise bescheiden fällt das Gehalt für den Geschäftsführer der Tourismusagentur Flensburger Förde, Gorm Casper, aus. Er bekommt 60  000 Euro im Jahr, plus erfolgsabhängige Zulagen in Höhe von 10  000 Euro.

Der Schleswiger Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs ist nicht zur Veröffentlichung seines Gehalts verpflichtet. Er kann sich darauf berufen, dass das Transparenzgesetz nicht bei bestehenden Altverträgen greift. Dennoch macht er aus seinem Verdienst nur bedingt ein Geheimnis. 2010 seien seine Einkünfte auf 245  000 Euro festgelegt worden. „Im vergangenen Jahr ist das Gehalt leicht angepasst worden“, sagt er. Damit liegt Schoofs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Gehaltsstufe, die ebenfalls rund 250  000 Euro im Jahr überwiesen bekommt. Diesen Vergleich findet der Stadtwerke-Geschäftsführer jedoch unpassend. „Die Kanzlerin“, sagt er, „müsste meines Erachtens viel mehr verdienen.“

Weniger auskunftsfreudig ist Flensburgs Stadtwerke-Chef Maik Render. „Weder der Gesellschaftsvertrag der Stadtwerke Flensburg GmbH noch der Anstellungsvertrag von Herrn Render lassen eine Veröffentlichung seiner in 2015 erzielten Bezüge zu“, teilte der Energieversorger gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit. Beide Regelwerke würden aber zeitnah angepasst.

Die im Internet aufgelisteten Unternehmen haben auch die Vergütungen ihrer Aufsichts- beziehungsweise Verwaltungsräte veröffentlicht. Auch hier wird bei der Nospa am meisten verdient. Wolfgang Buschmann bekam als Verwaltungsratsvorsitzender 12  530 Euro. Seine Stellvertreter Simon Faber und Dieter Harrsen (Landrat in Nordfriesland) erhielten mit 12  600 beziehungsweise 12  900 Euro für ihre Kontrolltätigkeit sogar noch geringfügig mehr. Kreispräsident Ulrich Brüggemeier und Jörg-Friedrich von Sobbe (stellvertretender Landrat in Nordfriesland) werden als Mitglieder des Risikoausschusses des Verwaltungsrates mit jeweils 10  800 Euro vergütet. Die übrigen 16 Verwaltungsräte bekommen jeweils 7200 Euro. „Die müssen aber voll versteuert werden“, betont der SPD-Politiker Stephan Dose, der für die Stadt Schleswig in dem Gremium sitzt.

Bei der ASF erhalten die Aufsichtsräte eine Aufwandsentschädigung von 800 Euro im Jahr, der Vorsitzende Momme Thiesen bezieht das Doppelte.


> Gehaltsübersicht im Internet

Name Funktion Brutto-Jahresbezüge Pensionszusage
Thomas Menke Nospa-Vorstandsvorsitzender 517.000 Euro 203.000 Euro
Wolfgang Schoofs Geschäfstführer Stadtwerke SL ca. 250.000 Euro unbekannt
Lutz Döring Geschäftsführer ASF 92.000 Euro  
Wolfgang Buschmann Landrad Schleswig-Flensburg 127.520 Euro  
Arthur Christiansen Bürgermeister Schleswig 88.921 Euro  

 

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erstellt am 04.Aug.2016 | 12:30 Uhr

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