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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 03:17 Uhr

Wasserqualität : Schaalby als Vorreiter für eine saubere Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Gemeinde Schaalby kauft Uferstreifen an der Füsinger Au auf – um der Schlei zu helfen.

Wenn ein kriselnder Fußball-Bundesligist bei einer Pressekonferenz seinen neuen Trainer als Retter präsentiert, dann klingt der in der Regel ungefähr so wie Schaalbys Bürgermeister am Mittwochabend. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Nur in der Gemeinschaft kann das was werden. Dann werden sich auch Erfolge einstellen.“ So – oder so ähnlich – äußerte sich Karsten Stühmer gleich mehrfach. Nur, dass es in diesem Fall nicht um einen Fußballclub ging, sondern um die Schlei. Die hat nämlich auch eine echte Krise – und zwar, was ihre Wasserqualität angeht. Wie die in Zukunft wieder besser werden kann, darum ging es bei einer vom SSW initiierten Infoveranstaltung, an der gleich mehrere Schlei-Experten teilnahmen.

Bevor aber deren Diskussionsrunde im Clubhaus des dänischen Rudervereins an den Königswiesen losging, fand zunächst ein Außentermin statt. Man traf sich an der Füsinger Au, in der Nähe der Schleidörferstraße. Dort erklärte Stühmer den vielen interessierten Besuchern, wie seine Gemeinde bereits den ersten Schritt gegangen ist, um die Wasserqualität der Schlei wieder auf Vordermann zu bringen: Seit gut zwei Jahren kauft Schaalby in Kooperation mit der Stiftung Naturschutz und dem Kreis Schleswig-Flensburg den örtlichen Landwirten nach und nach Flächen ab, die an die Füsinger Au angrenzen. Diese werden im Anschluss wieder verpachtet, dürfen aber nur noch extensiv bewirtschaftet werden. „Das heißt: keine Gülle und kein Dünger mehr. Das alles funktioniert natürlich nur im Dialog mit den Bauern. Die müssen mitmachen wollen“, betonte Stühmer. Finanziert wird das Projekt durch Ersatzgelder, die der Kreis etwa beim Bau von Windkraftanlagen erhält.

Diese Hilfe kann die Füsinger Au tatsächlich gut gebrauchen. Denn sie ist, das wurde an diesem Abend mehrfach betont, für einen Großteil der Entwässerung der Landschaft Angeln zuständig. Über sie werden entsprechend viele Nährstoffe in die Schlei eingeleitet. Dies so weit wie möglich zu unterbinden, könnte ein Schlüssel sein, um die Schlei wieder sauber zu bekommen.

Für die Initiative der Gemeinde Schaalby gab es von den anderen Diskussionsteilnehmern deshalb großes Lob. „Auch wenn dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, wie Moderator Karl Walther (Schlei-Informations- und Erlebniszentrum) betonte. So wünschte sich nicht nur Fritz Laß von der BUND-Ortsgruppe, dass im Mündungsbereich der Au große sogenannte Retentionsflächen entstehen, die geflutet werden und dann als natürliche Filteranlagen dienen. Ein weiterer Vorschlag von Laß klang realistischer: So forderte er, dass die Bauern im Einzugsbereich der Au künftig eine kostenlose Düngeberatung durch die Landwirtschaftskammer erhalten. Das sei in anderen Regionen schon üblich und führe dazu, dass weniger, gezielter und dadurch auch kostendeckender gedüngt werde. Ein Vorschlag, den sowohl Michael Trepel vom Landwirtschaftsministerium als auch SSW-Landtagsabgeordneter Flemming Meyer mit nach Kiel nahmen.

Weiter nahmen an der Veranstaltung Holger Steen vom Kreis (Wasserwirtschaft) und der Böeler Landwirt Karsten Rothberg (Bauernverband) teil. Der Lehrer und Biologe Svend Duggen referierte zudem zum Thema Faulschlamm in der Schlei.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 07:34 Uhr

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