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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 23:31 Uhr

Schleswig : Sanierungs-Plan für Haithabu steht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ab 10. Oktober ist das Wikngermuseum für eineinhalb Jahre geschlossen.

Sommertouren von Politikern wirken oft etwas gequält und uninspiriert. Nach dem Motto: Irgendetwas muss man der Öffentlichkeit ja in der sitzungsfreien Zeit präsentieren. Ein Vorwurf, dem sich Finanzministerin Monika Heinold (Die Grünen) offenbar nicht ausgesetzt fühlen möchte. Deshalb besucht sie zurzeit mehrere Orte und Institutionen im Land, die stark von EU-Fördermitteln profitieren. Denn: „In letzter Zeit schimpfen ja immer mehr Leute auf die EU. Als überzeugte Europäerin möchte ich aber zeigen, dass aus Brüssel auch viele gute Dinge kommen und auch die Menschen hier vor Ort etwas davon haben“, sagte sie gestern bei ihrem Besuch im Wikinger-Museum Haithabu. Das wird nämlich von Herbst 2016 bis Frühjahr 2018 für stolze 3,6 Millionen Euro saniert und modernisiert. Mehr als die Hälfte dieser Summe stellt die EU zur Verfügung.

„Als kleines, hoch verschuldetes Land, wie Schleswig-Holstein es ja leider ist, nehmen wir diese Hilfen natürlich gerne an. Denn ohne solche Förderungen würden viele Projekte gar nicht realisiert werden können“, erklärte Heinold. Aber sie wolle auch sehen, was mit dem Geld tatsächlich gemacht wird – und ließ sich deshalb detailliert die geplanten Sanierungsmaßnahmen von Claus von Carnap-Bornheim, dem Leitenden Direktor der Landesmuseen, dem kaufmännischen Geschäftsführer Guido Wendt sowie der Leiterin des Wikinger-Museums, Ute Drews, erklären. „Schon vor 1000 Jahren haben die Händler, die hier in Haithabu lebten, europäisch gedacht“, nahm von Carnap-Bornheim Bezug auf den Grund für den Besuch der Ministerin. Gleichzeitig betonte er, wie notwendig die Sanierung des rund 30 Jahre alten Museumsbaus sei.

Wie bereits berichtet, sind zahlreiche tragende Elemente des Gebäudekomplexes marode. Durch eindringende Feuchtigkeit und einem daraus resultierenden Schimmelbefall sind diese Holzbalken inzwischen so marode, dass die Statik in Gefahr ist. Die betroffenen Stützen müssen also komplett ausgetauscht werden. Eine Schließung des Museums für rund eineinhalb Jahre ist deshalb unumgänglich.

Am 10. Oktober schließen nun die Tore der Ausstellungsräume. Ein Teil der Exponate wird dann an ein Museum in Dänemark (in Vordingborg auf der Insel Seeland) ausgeliehen. „Das ist eine super Geschichte für uns, denn dadurch bekommen wir dort große Aufmerksamkeit“, sagt Ute Drews. Andererseits sollen aber auch die Besucher vor Ort auf ihre Kosten kommen. Deswegen werden neben den Wikingerhäusern, die weiterhin geöffnet bleiben, Container aufgestellt, in denen das Café und der Museums-Shop vorübergehend einziehen. Entscheidender dafür, dass die Saison 2017 nicht völlig ins Wasser fällt, wird aber sein, dass das Archäologische Landesamt Grabungen plant, die offen sind für die Besucher. Westlich der kleinen Siedlung soll zwischen Frühjahr und Herbst ein Teil eines großen Gräberfeldes geöffnet werden. Zuletzt hatte hier 1939 ein finnisches Archäologen-Team gearbeitet. „Das wird höchst spannend. Denn der Boden innerhalb des Halbkreiswalles ist ein echter archäologischer Hotspot. Hier gibt es kaum einen Quadratmeter, auf dem man nichts findet“, erklärte von Carnap-Bornheim. Die Besucher können den Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, dazu werden auch Führungen angeboten. Das alles ist wetterunabhängig. Denn eigens für die Grabungsarbeiten wird ein 15 mal 30 Meter großes Zelt aufgebaut.

Das Museum wird parallel dazu komplett saniert. Dabei könne man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wie Guido Wendt sagte. Denn im Zuge der Arbeiten würden alle Gebäude energetisch saniert, inklusive Dächer und Fenster. „Wir erhoffen uns dadurch eine Energie-Einsparung von über 40 Prozent“, so Wendt. Bei jährlichen Kosten von rund 160  000 Euro eine lohnende Investition, wie auch Monika Heinold betonte. Zudem unterstrich sie die Bedeutung Haithabus sowohl für die Landesgeschichte als auch die Museumslandschaft in Schleswig-Holstein. 120  000 bis 150  000 Besucher im Jahr aus dem In- und Ausland, „das ist schon eine Hausnummer“. Entsprechend gut angelegt seien die Millionen.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 07:17 Uhr

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