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Schleswiger Nachrichten

23. Juli 2016 | 18:55 Uhr

Ritterschlag für polnischen Forscher

vom

Als Humboldt-Stipendiat arbeitete Dr. Adam Cieslinski aus Polen zwei Jahre auf Gottorf

Schleswig | Ein Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung gilt in Forscherkreisen in zweifacher Hinsicht als Ritterschlag: für den Nachwuchs-Wissenschaftler, der an einem renommierten Institut seiner Wahl ohne finanzielle Sorgen forschen kann, aber ebenso für das Institut selbst, denn nur die besten Einrichtungen kommen als Gastgeber in Frage. Dr. Adam Cieslinski aus Polen hat sich vor zwei Jahren für das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie auf der Schlossinsel entschieden. Sein Stipendium endet an diesem Wochenende, nicht aber die Zusammenarbeit mit den Gottorfern. Mit ihnen zusammen will er von Warschau aus ein archäologisches Großprojekt vorantreiben, das die Wissenschaft seit langem beschäftigt.

Das Projekt ist spannend: Es geht um die Suche nach einem Siedlungszentrum, das im vierten und fünften Jahrhundert im heutigen nördlichen Polen eine ähnlich große Bedeutung hatte wie später Haithabu. "Wir haben Hinweise darauf, dass es dieses Siedlungszentrum gegeben haben muss, aber es fehlt noch der Beweis", sagt der 38-jährige Forscher. Die Erfahrungen während des Stipendiums in Schleswig könnten sich dabei als nützlich erweisen. "Ich habe auf Gottorf methodisch viel gelernt und mich mit neuen Arbeitsweisen vertraut machen können." Eine davon: die Verwendung geographischer Informationssysteme. Sie erleichtern die Suche nach potenziellen Fund- und Siedlungsstellen. Aber auch die originäre wissenschaftliche Arbeit kam nicht zu kurz: Der Gast aus Warschau erforschte die Begräbnisriten in den ersten Jahrhunderten nach Christus in Nord- und Ostpolen.

Dass sich Cieslinski vor zwei Jahren für das beschauliche Schleswig entschied, war kein Zufall. Denn er verfügte bereits über Kontakte zu den Forschern der Landesmuseen und zum Chef des Hauses, Professor Dr. Claus von Carnap-Bornheim. Ihn lernte Cieslinski während seines Studiums in Marburg kennen. Entsprechend herzlich war die Begrüßung: "Ich fühlte mich auf Gottorf vom ersten Tag an willkommen" - und das sowohl menschlich als auch fachlich: "Meine Schleswiger Kollegen sind sehr nett, und sie betreiben Forschung auf höchstem Niveau."

Zudem konnte Cieslinski seine Familie mitnehmen, das tröstete über den Abschied von Polen hinweg. Ohne seine Frau Agate und die Kinder Lena und Szymon, mittlerweile sechs und drei Jahre alt, hätte er seinen Job an der Warschauer Universität nicht für das Schleswiger Abenteuer eingetauscht. Lena erhielt schnell einen Kindergartenplatz: "Sie spricht hervorragend Deutsch, ganz ohne Akzent, Letzteres werde ich nie schaffen", sagt der Forscher und schmunzelt.

Als Humboldtianer, wie sich die Stipendiaten der bundeseigenen Stiftung selbst bezeichnen, stehen Cieslinski nahezu alle beruflichen Türen offen. Er kann auf ein über die ganze Welt gespanntes Netzwerk zurückgreifen, das bereits 49 Nobelpreisträger hervorgebracht hat. Hochkarätig besetzte Gesprächsrunden stehen ebenfalls auf der Tagesordnung. Darauf haben Cieslinski und seine Stipendiatskollegen bereits einen Vorgeschmack bekommen. Sie wurden von dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff empfangen.

Das nächste Karriereziel des polnischen Wissenschaftlers ist jetzt die Habilitation - Vorstufe für die Übernahme einer Professur.

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erstellt am 26.Apr.2013 | 03:59 Uhr

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