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Schleswiger Nachrichten

28. März 2017 | 04:27 Uhr

Neuanfang : Rieger räuchert wieder in Dannewerk

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sieben Monate nach dem Großbrand auf dem Produktionsgelände des Fischhändlers geht die Sanierung der Räume in die Endphase

Zu Silvester lag kubanische Languste auf den Tellern, an Weihnachten genossen Martin Rieger und seine Frau kanadischen Hummer. Trotz all der Sorgen und des Stresses der letzten Monate ist ihnen der Appetit – vornehmlich auf Fisch – noch nicht vergangen, auch wenn die Feiertage alles andere als entspannt waren. Denn auch sieben Monate nach dem großen Feuer auf dem Gelände der Dannewerker Produktionsstätte von „Fisch Rieger“ dreht sich immer noch alles um den Brand, der Anfang Juni vergangenen Jahres einen Großteil des Firmengebäudes zerstörte und damit auch die Produktion von heute auf morgen lahm legte. Aber „die Räume der Anlage in Dannewerk sind heute nahezu wieder hergestellt“, sagt Geschäftsführer Martin Rieger. Dach, Decken, Wände und Fußböden seien erneuert worden, nur die Elektronik fehle noch. Der Hausherr ist zuversichtlich, dass die Arbeiten am Gebäude bis Ende Februar abgeschlossen sein werden. Dann möchte er wieder zu 100 Prozent Räucherlachs, Marinaden, Salate und vieles mehr am Ochsenweg in Dannewerk produzieren.

Bei dem nächtlichen Großfeuer am Pfingstwochenende 2014 waren mehr als 70 Einsatzkräfte der umliegenden Feuerwehren im Einsatz. Büro- und Kühlräume, der Annahmebereich sowie die Räucherei und der Frostraum wurden damals stark beschädigt. Mehr als fünf Tonnen Fisch landeten auf dem Müll. Aufgrund der Flammen und des vielen Löschwassers waren auch die nicht gänzlich ausgebrannten Räume stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Martin Rieger schätzt den Gesamtschaden auf eine halbe Million Euro, die genaue Schadenshöhe ist jedoch noch nicht geklärt. Auch die Ursache für das Feuer, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, ist bis heute unklar. Vermutet wird ein technischer Defekt an einem Trockner.

Auf den ersten Schock folgte die schnelle Organisation eines Notbetriebs, parallel zu den Aufräumarbeiten am Brandort. Viele Unternehmen aus der Region haben ihre Hilfe angeboten, berichtet Martin Rieger, wollten Kühlboxen zur Verfügung stellen oder gar ganze Produktionsräume, doch immer blieb da ein produktionstechnischer Haken, so dass es letztlich keine Alternative zu der Neubelebung des seit 1974 betriebenen Dannewerker Standorts gab. Doch dort war in den verrußten Räumen zunächst nicht an ein Weiterarbeiten zu denken – auch wenn bereits zwei Tage nach dem Brand zwei aus Holland gemietete Kühlcontainer auf dem Hof standen und auch ein paar Wochen später bereits ein Anbau zum Räuchern.

Also wichen die 45 Mitarbeiter unter anderem in die Küche des benachbarten Gasthauses Rothenkrug aus. Frischfisch wurde weiterhin in Pattburg gekauft, aber Fisch, der zuvor in Dannewerk weiterverarbeitet worden war, musste nun woanders erworben werden. Der Firmenchef selbst fuhr die ersten vier Monate jeden Tag nach Hamburg, um dort Räucherfisch, Marinaden und Salate auf dem Fischmarkt einzukaufen. „Ich habe alles, wirklich alles probiert“, sagt Rieger, mit dem erfreulichen aber angesichts der Situation auch ernüchternden Ergebnis: Die eigenen Waren schmecken ihm am besten.

„Der Juni war der größte Verlustmonat, den wir jemals hatten. Die Stimmung war generell nicht goldig, aber die Mitarbeiter haben wunderbar mitgezogen und an der Kapazitätsgrenze gearbeitet“, sagt Rieger, der sich sogar ein kleines Zimmer in der Hansestadt mietete, um sich dort wenige Stunden aufs Ohr zu legen, bevor er in den ersten Morgenstunden den Fischmarkt aufsuchte und anschließend mit der eingekauften Ware in den Norden zurückkehrte. Nur so ließen sich seine elf Verkaufswagen, die rund 50 Standorte in Schleswig-Holstein anfahren, ausreichend bestücken. „Nur die ersten drei Tage nach dem Brand waren wir nicht präsent auf den Märkten.“ Darauf ist Martin Rieger stolz.

Seit drei Monaten muss er nur noch einmal die Woche zum Hamburger Fischmarkt fahren. In Dannewerk gehen die Sanierungsarbeiten zusehends voran. Auch den Rothenkrug haben die Mitarbeiter in der Woche vor Weihnachten geräumt, denn ein weiterer Produktionsraum nebenan kann jetzt wieder genutzt werden.

Der Blick richtet sich nun möglichst nicht mehr zurück, sondern gen Zukunft. So soll nicht nur saniert, sondern auch investiert werden, unter anderem in einen weiteren Verkaufswagen. Zudem steht fest, dass Fisch Rieger in Kürze auch am Sky-Markt am Schleswiger Stadtfeld seine Waren anbieten wird. „Außerdem glaube ich, dass wir in einer Phase des Umbruchs sind“, sagt Martin Rieger. Alle 20 Jahre habe es in der Historie des Unternehmens eine kleine Revolution gegeben, beispielsweise in den 70er Jahren der neuerliche Einsatz von rollenden Verkaufs-Lkw. Zurzeit frage er sich, was könnte es diesmal sein? Vielleicht sollte er die seiner Meinung nach unterschätzte Grönland-Krabbe, die neben der Nordsee- und der asiatischen Süßwasser-Krabbe hier ein Schattendasein führe, endlich groß rausbringen? Das ist aber nur eine von vielen Ideen, denn eine klare Antwort auf seine eigene Frage hat der Geschäftsführer von Fisch Rieger noch nicht gefunden.

 

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erstellt am 09.Jan.2015 | 13:00 Uhr

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