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Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 09:48 Uhr

Sanierung kostet 100 000 Euro : Rettungseinsatz für einen Kulturschatz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswig: Der denkmalgeschützte Glockenturm am Stadtfeld wird in den kommenden Wochen rundum erneuert.

Er ist eines der vielen architektonischen Schmuckstücke Schleswigs. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung fristet er nur ein Schattendasein: der hölzerne Glockenturm auf dem – ebenfalls kaum bekannten – Stadtfelder Friedhof. Dabei ist der im Jahr 1621 fast ausschließlich aus Eichenholz erbaute Turm ein echter Kulturschatz. Er gehört zu einer Reihe von 17 ähnlichen Bauwerken, die es insbesondere in der Landschaft Angeln gibt und sich von Schleswig über Nübel (Baujahr 1767), Moldenit (1767) oder Böklund (1595) bis nach Gelting (1729) verteilen. Sie alle haben ein gemeinsames Problem: Als reine Holzbauten werden sie durch Wind, Wetter, Pilze und Insekten immer wieder stark angegriffen. So auch der Schleswiger Turm. Er soll in den kommenden Wochen deshalb grundlegend saniert werden.

Rund 100  000 Euro lässt sich die Stadt die Rundum-Erneuerung des denkmalgeschützten Gebäudes kosten. „Eine Untersuchung hat Mängel am Fundament und an der Konstruktion ergeben. Eine Sanierung ist deshalb auch aus statischen gründen erforderlich“, erklärt Rathaussprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage. In der vergangenen Woche hat es nun eine letzte Baubesprechung vor Ort gegeben. In den kommenden Tagen prüft ein Biologe, ob in dem Turm – aus dem die Glocken schon vor Jahrzehnten ausgebaut wurden – eventuell Fledermäuse oder andere seltene Tierarten leben und eventuell umgesiedelt werden müssen. Danach müssen die Kronen der Bäume, die direkt neben dem Bauwerk stehen, geschnitten werden, damit schließlich die Handwerker anrücken können. „Ich denke, dass wir in etwa vier Wochen loslegen können und dann etwa ein Vierteljahr damit beschäftigt sind“, sagt Dirk Clasen von der Idstedter Firma Gebrüder Clasen, die auf die Sanierung von Kirchenbauten spezialisiert ist und die Ausschreibung gewonnen hat.

Das Hauptproblem sei die fehlende Standsicherheit des Turmes, erklärt Clasen. Dieser ruht auf einem Sockel aus zum Teil losen Feldsteinen, die nun neu ausgerichtet werden müssen. Aber nicht nur deshalb wird der Glockenturm in den kommenden Wochen komplett niedergelegt. Denn insbesondere dessen Fußschwellen sind morsch und müssen ausgetauscht werden. Gleiches gilt für große Teile der tragenden Hölzer und der Verschalung. „Da wo es nötig ist, wechseln wir die Eichenhölzer komplett aus. Wichtig ist, dass wir am Ende wieder den Originalzustand erreichen“, sagt Clasen, der zudem anfügt: „Ich weiß, dass selbst viele Schleswiger diesen Turm kaum oder gar nicht kennen. Aber er ist ein tolles Bauwerk und gleichzeitig eine Besonderheit dieser Region. Er steht nicht umsonst unter Denkmalschutz.“

Der Stadtfelder Friedhof, auf dem der Glockenturm steht, wurde – so ist auf einer kleinen Tafel am Eingang zu lesen – Anfang des 17. Jahrhunderts zunächst nur für „Arme, Ortsfremde, Selbstmörder und Hingerichtete“ angelegt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden hier dann zunehmend wohlhabende Schleswiger beigesetzt, unter anderem Carl Ferdinand Suadicani, der Gründer der „Schleswiger Irrenanstalt“, sowie die Bürgermeister Bruyn und Dumreicher. Seit einigen Jahrzehnten wird der Friedhof nicht mehr belegt. Er steht als Ensemble unter Denkmalschutz.

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erstellt am 20.Jun.2016 | 07:18 Uhr

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