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Schleswiger Nachrichten

02. Oktober 2014 | 00:19 Uhr

„Oldesloer Kornnacht“ : Razzia: Reihenweise betrunkene Jugendliche im „Vineta“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ordnungsbehörden prüfen jetzt den Entzug der Konzession für den Betreiber der Busdorfer Discothek.

Sonnabendnacht gegen 1 Uhr war Schluss mit lustig – jedenfalls für 152 jugendliche Disco-Besucher, allesamt im Alter unter 18 Jahren. Mit einer umfangreichen Jugendschutz-Kontrolle in der Busdorfer Diskothek „Vineta“ deckten Polizei, Jugendamt und Ordnungsbehörde massive Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendschutz-Gesetzes auf.

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In der Vergangenheit lockte die „Oldesloer Kornnacht“ immer wieder zahlreiche Menschen, insbesondere Jugendliche, zum preisgünstigen Verzehr von hochprozentigen Alkoholgetränken. Das Motto des Abends ist Programm, wie die meisten der nun befragten Jugendlichen bereitwillig Auskunft gaben und dieses ebenso im Fragebogen der Polizei dokumentierten. „Wir waren überrascht, wie viele 16-Jährige wir dort weit nach Mitternacht antrafen. Einige davon im mehr oder weniger stark alkoholisierten Zustand“, bestätigte der federführende Polizeihauptkommissar Christian Struck, Leiter der Polizeistation in Busdorf.

Freiwillige Kontrollmessungen belegten dabei den Alkoholkonsum der Kinder. Mit 2,08 Promille Blutalkoholkonzentration hatte ein Jugendlicher des Jahrganges 1997 dank Cola-Korn-Mischungen den traurigen Rekord der nächtlichen Messungen erreicht.

Mit der Kontrolle ging die Polizei erneut zahlreichen Hinweisen nach, dass sich in der Disco immer wieder Jugendliche aus Altersgruppen aufgehalten hätten, die nach den gesetzlichen Bestimmungen längst hätten zu Hause sein müssen. Es war nicht die erste Überprüfung dieser Art. Im Jahr 2010 war der Disco-Betrieb bei einer umfangreicher Razzia negativ aufgefallen: Damals wurden 100 Jugendliche unter 18 Jahren registriert, viele davon in stark alkoholisierte m Zustand. Diese Maßnahme blieb für den Betreiber offenbar ohne größere Konsequenzen.

Nun schlugen die 18 Einsatzkräfte – darunter Polizeibeamte aus Busdorf, Flensburg und Schleswig – gemeinsam mit Kräften des Kreisjugendamtes sowie Haddebys Ordnungsamtsleiter Florian Kendler erneut im „Vineta“ auf. Bei dem Einsatz, der sich bis 4 Uhr am Morgen hinzog, trafen die Ermittler auf 152 Jugendliche unter 18 Jahren. Die Hälfte von ihnen war merklich alkoholisiert. Dies verbuchte die Polizei als gravierenden Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz, denn Jugendlichen unter 16 Jahren ist der Verkauf und Ausschank von Alkohol verboten. Die Jugendlichen gaben an, sie seien am Tresen nicht nach ihrem Alter gefragt worden, als ihnen Korn ausgeschenkt wurde. Eine Ausweiskontrolle gab es ebenfalls nicht, denn die Ausweise mussten sie bereits beim Eintritt an der Kasse abgeben. Damit hätte dem Betreiber klar sein müssen, dass sich zu vorgerückter Stunde Minderjährige in seinem Lokal aufhielten, so die Polizei. „Die Verantwortung gegenüber den Jugendlichen wird einfach nicht wahrgenommen“, sagte Polizeihauptkommissar Struck.

Im Zuge der Razzia mussten die Jugendlichen die Disco verlassen. Vor der Tür standen ein beheizter Reisebus und mehrere Großraum-Dienstfahrzeuge. Dort wurden die 152 jungen Disco-Gäste registriert, bevor sie ihren Eltern übergeben wurden. Einige Jugendliche versuchten zu fliehen, sie fürchteten offenbar die nächtliche Konfrontation mit ihren ahnungslosen Eltern. Mit rechtlichen Konsequenzen müssen die Minderjährigen nicht rechnen. „Der Diskothek-Betreiber jedoch schon“, sagte Struck. Ohne Begleitung einer „personenberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person“, so wie es im Jugendschutzgesetz heißt, dürfen sich Jugendliche unter 16 Jahren grundsätzlich nicht bei öffentlich zugänglichen Tanzveranstaltungen in Discos aufhalten. Ab 16 Jahren ist der Aufenthalt bis 24 Uhr erlaubt.

Für den Betreiber, der sich während des Razzia-Geschehens bedeckt im Hintergrund aufhielt, droht mit dem jüngsten Ermittlungs- und Bußgeldverfahren möglicherweise auch der Verlust der Konzession, und damit der Entzug der Betriebserlaubnis. „Wir sind erschrocken über die Leichtfertigkeit des Betreibers, der sich über die Jugendschutzbestimmungen hinweg setzt. Offensichtlich aus Profitgründen“, sagte Struck.

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erstellt am 07.Apr.2014 | 07:45 Uhr

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