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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 00:55 Uhr

Jakobskreuzkraut : „Räuber“ und die giftige Blütenpracht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das schottische Hochland-Rind hat im Frühjahr auf der Weide in Oeversee Jakobskreuzkraut gefressen und leidet seitdem an Durchfall und Gewichtsverlust.

Oeversee | „Schöne Blumen haben wir da auf der Weide“, sagt Anke Behr. Sie lacht ironisch und zeigt auf den leuchtend gelben Teppich des Jakobskreuzkrauts. Denn die Blütenpracht hat einen bitteren Beigeschmack: Das Jakobskreuzkraut ist für Nutztiere wie Rinder und Pferde giftig. Wird es gefressen, kann es Leberschäden verursachen. Die gesundheitlichen Auswirkungen der Pflanze musste Behrs schottisches Hochland-Rind „Räuber“ am eigenen Leib erfahren. Der 14-jährige Bulle hatte das Kraut laut seiner Besitzerin im Frühjahr auf der Oeverseer Weide zermalmt und leidet noch heute unter den Nachwirkungen.

Wie alles anfing, als es „Räuber“ immer schlechter ging, daran erinnert sich Behr noch genau. „Er hat nichts mehr gefressen und ist abgemagert“, erzählt die 48-Jährige. Außerdem habe er Durchfall und struppiges Fell bekommen und sei teilnahmslos gewesen. Dies seien alles typische Symptome für eine Vergiftung durch die Pflanze. Behr rief den Tierarzt, der Blutproben entnahm und erhöhte Leberwerte feststellte. Sofort habe er den Verdacht gehabt, dass das Jakobskreuzkraut die Ursache für die Beschwerden sein könnte, sagt die Hobby-Landwirtin.

„Räuber“ hat in den vergangenen Monaten viele Medikamente, Mineralien und Heilpflanzen bekommen, außerdem hat Behr ihn entgiftet. Der Bulle ist von den Beschwerden gezeichnet, „er läuft wie ein 80-jähriger Mann“ und ist immer noch dünn. „Der Durchfall ist noch nicht weg, aber immerhin frisst er wie ein Scheunendrescher, vor allem Rote Beete“, erzählt Behr. Knapp 315 Euro Zusatzkosten für Futter und Futterzusätze zahlt die Zeitungsausträgerin pro Monat, um den Bullen wieder aufzupäppeln. Hinzu komme, so Behr, der Nutzungsausfall eines Teils ihrer 6500 Quadratmeter großen Fläche, denn „Räuber“ und die einjährige Galloway-Kuh „Ronja“ sind nun auf einer weniger belasteten Weide untergebracht.

Das schottische Hochland-Rind lebt seit vier Jahren auf dem Sandhof am Augaarder Weg. Das Jakobskreuzkraut habe vor zwei Jahren – nach dem Verkauf der Nachbarfläche an den Naturschutz – angefangen, sich rasant zu verbreiten. „In diesem Jahr haben wir schon 1400 Pflanzen aus dem Boden gerissen“, verdeutlicht die 48-Jährige das Ausmaß. Mähen, sagt sie, habe nichts gebracht.

Ein gelber Blütenteppich: Jakobskreuzkraut am Augaarder Weg.
Ein gelber Blütenteppich: Jakobskreuzkraut am Augaarder Weg. Foto: Ludwig
 

Der Naturschutzverein Obere Treenelandschaft, der das Land am Augaarder Weg betreut, versucht seit längerer Zeit, gegen das Kraut anzugehen. Britta Gottburg vom Verein versicherte, dass die Pflanzen auf der belasteten Weidefläche in den kommenden Tagen abgemäht und zerkleinert (gemulcht) werden sollen. Sie fügt hinzu, dass die Fläche nur gemäht worden sei, doch man könne der Ausbreitung der Pflanze nicht Herr werden. Auch die Raupe vom Blutbär, die sich mit Vorliebe von der Pflanze ernährt, kann die Verbreitung nicht stoppen. „Das Jakobskreuzkraut vermehrt sich rasant“, sagt Gottburg. Im Normalfall fressen es die Rinder nicht, da sie es riechen und entsprechend meiden, erklärt sie. Das sei auch bei ihren eigenen Tieren so.

Tierarzt Ove Schieferdecker, der in einer Praxis in Schafflund arbeitet, warnt davor, für die Symptome ausschließlich das Jakobskreuzkraut verantwortlich zu machen. „Ausschließen kann man aber nicht, dass ein Tier davon krank wird“, sagt er. Einige der Beschwerden, die oft auf die Giftpflanze zurückgeführt werden, können Schieferdecker zufolge auch andere Ursachen haben – Leberegel, zum Beispiel. Die Parasiten setzen sich in den Gallengängen der Leber fest. Folglich frisst das befallene Tier nicht mehr, magert ab, bekommt Durchfall oder struppiges Fell. Auch die Milchleistung bei Kühen kann beeinträchtigt werden. Dass „Räuber“ von Leberegeln befallen ist, schließt Behr aus. Er sei daraufhin untersucht worden, außerdem werde er alle drei bis vier Monate entwurmt, sagt sie.

Um gegen die Giftpflanze anzugehen, will sich die 48-Jährige an Umweltminister Robert Habeck wenden. Sie kann nicht nachvollziehen, warum die Pflanze immer noch geduldet wird, obwohl Tiere dadurch krank werden. „Was hat das mit Naturschutz zu tun? Und was ist das für ein Naturschutz, Gift auf das eigene Land zu spritzen, weil man sonst der Lage nicht mehr Herr wird?“

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erstellt am 29.Jul.2016 | 15:15 Uhr

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