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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 21:29 Uhr

Oldtimer-Treffen in Kropp : Publikumspreis für einen Trecker

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In Kropp konnten noch so schöne Corvettes und Cadillacs dem polnischen Ursus -Traktor nicht das Wasser reichen.

Einst kurvte sie durch den Hamburger Kiez, gestern stand die Corvette von Manfred Losch auf der Kropper Waldkoppel. Der amerikanische Straßenkreuzer mit Baujahr 1978 gehörte zu den rund 250 Fahrzeugen, die Johannes Jürgen Schröder von den veranstaltenden Oldtimerfreunden Kropp auf ihrem elften Treffen zählte. Viele amerikanische Straßenkreuzer waren dabei, aber auch deutsche Oldies sowie Trecker oder Mopeds.

Manfred Losch aus Ostenfeld war schon einige Male mit einem seiner drei Oldtimer dabei. Die Corvette gehört ihm seit sechs Jahren, davor hatte der Oldtimer 20 Jahre lang in einer Garage gestanden. „Bremsen, Fahrgestell – alles war komplett zerlegt“, sagt er. Aber er setzte das Fahrzeug wieder zusammen, so dass man dem Auto, das 1978 nach Deutschland kam, seine bewegte Geschichte auf den ersten Blick nicht ansieht. Das ändert sich, wenn Losch die Motorhaube öffnet: Auf der Innenseite prangt eine nackte Frau. „Der Airbrush wurde gleich in den 70er Jahren in Hamburg gemacht“, erzählte er vom Überbleibsel aus Kiez-Zeiten.

Seit 1992 in Deutschland ist der 64er Cadillac von Edwin Kamieniak aus Geltorf. „Ich habe ihn seit zwei Monaten“, sagte er – Kropp ist erst seine zweite Ausfahrt. Zu dem Treffen kommt er „seit vielen Jahren“, hier sei es „wie zu Hause“. Er unterstütze gerne die Oldtimer-Freunde, die alles organisieren. „Gott sei Dank hat das Wetter mitgespielt“, ergänzte er, schließlich ist er mit einem Cabrio unterwegs.

Jan Detlefsen aus Sörupholz vermisste ein wenig richtig alte Autos auf der Waldkoppel. In der Tat wirkten die Fahrzeuge gegenüber seinem Dodge Brother TT aus dem Jahr 1928 wie Jungspunde. „Ich habe das Auto 1968 in Australien gekauft“, erzählte Detlefsen, der damals in „Down Under“ gearbeitet hat. 125 australische Dollar hat er bezahlt, umgerechnet keine 300 Euro. „Der war praktisch Schrott“, sagte er über den Viertürer, der von den Amerikanern extra für den australischen Markt entwickelt und dort zusammengebaut worden war. Nach erfolgreicher Restauration wanderte der Dodge 1970 aus, als es für Jan Detlefsen und seine Familie zurück nach Deutschland ging. Die vierwöchige Überfahrt mit dem Schiff von Melbourne bis Neapel ist bis dato die längste Reise des Dodge. Die letzten 2500 Kilometer ging es bei 70 Stundenkilometern über die Alpen bis nach Schleswig-Holstein. „Theoretisch kann das Auto 100 fahren, aber ich passe die Fahrweise dem Alter an“, erklärte er. Angesichts eines Spritverbrauchs von 30 Litern auf 100 Kilometer eine verständliche Entscheidung. So manche unkonventionelle Reparatur hat er schon vorgenommen: Als im Kühlsystem der Froststopfen fehlte, der verhindert, dass bei eisigen Temperaturen irgendwas platzt, „habe ich eine Münze genommen, bat meine Tochter um ihr Kaugummi und klebte sie ins Loch hinein“, erinnerte er sich. „Das hält seit 48 Jahren.“ Einen der vielen Pokale, die es für die Autobesitzer zu gewinnen gab, nahm er nicht mit nach Hause. „Ich habe schon so viele, die überlasse ich lieber anderen“, meinte er.

Über den ersten Platz als „Publikumsliebling“ freute sich Hans-Peter Burchert mit seinem polnischen Ursus-Trecker von 1948. „Wir haben Zettel an die Besucher verteilt und sie haben angekreuzt, welches Fahrzeug ihnen am besten gefallen hat“, so Johannes Schröder. Der wummernde Traktor sei mit Abstand vorne gewesen. Burcherts ganze Familie ist mit dem Treckervirus infiziert, er allein besitzt acht verschiedene. „Das langsame Fahren ist schön, da sieht man viel mehr als im Auto“, meinte er angesichts der Spitzengeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern. Allerdings muss eine Fahrt gut überlegt sein, denn er braucht eine halbe Stunde, um die Maschine zum Laufen zu bringen. Den Pokal überreichte ihm Johanna Hornemann, seit drei Jahren „Koppelfest-Königin“ in Kropp.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 13:39 Uhr

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