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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 21:39 Uhr

Anonyme Anruferin : Prostituierte im Flüchtlingsheim? Bürgermeister in Kropp kämpft gegen Gerüchte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In Kropp machen derzeit die wildesten Spekulationen die Runde. Eine anonyme Anruferin löste die

Kropp | Das Gerücht klang unglaublich: Die Gemeinde Kropp, so berichtete eine anonyme Anruferin, bezahlt Prostituierte für die Asylbewerber, die dort in zwei Häusern untergebracht sind, um auf ihren Bescheid zu warten. Die Frau machte am Telefon einen durchaus seriösen Eindruck und berief sich auf zuverlässige Quellen. Bürgermeister Stefan Ploogs Reaktion war zunächst lautes Gelächter. „Da ist absolut nichts dran“, versicherte er, „so weit kommt es noch. So etwas gibt es hier natürlich nicht.“

Das Gerücht stimme nicht, machte der Verwaltungs-Chef deutlich – es enthalte aber zumindest einen Funken Wahrheit, wie Ploog erklärte. „Wir hatten in der Vergangenheit Ärger mit drei Männern aus dem Kosovo, die häufig Frauenbesuch in ihrer Unterkunft in der Diakonie erhielten.“ Dabei soll es sich nach Angaben des Bürgermeisters um Prostituierte gehandelt haben, aber auch um Mädchen aus der Region, die sich in einen der Männer „verguckt“ haben sollen.

Inzwischen, so Ploog habe sich das Problem erledigt. Zwei der Männer sollen die Unterkunft mit unbekannten Ziel verlassen haben, der dritte sei mit einer Frau aus der Region in den Kosovo zurückgekehrt.

Dass von Abschiebung bedrohte Menschen wie Kosovaren aus der Unterkunft verschwinden, sei nicht ungewöhnlich, erläuterte Ploog. Die Gemeinde habe keine Handhabe, die bringe die zugewiesenen Asylbewerber lediglich unter, um die Obdachlosigkeit zu vermeiden. „Das ist unser Auftrag. Wir haben nicht einmal die Pflicht, sie zu betreuen. Dass sich unsere Lotsen mit viel Aufwand kümmern, ist eine freiwillige Leistung der Ehrenamtler.“

In Kropp sind zurzeit rund 150 Männer untergebracht – im ehemaligen Feierabendhaus in der Ortsmitte meist junge Männer aus Eritrea, alle anderen in der Diakonie. „Dass so viele alleinstehende Männer in Kropp wohnen, liegt an den vorhandenen Räumlichkeiten mit relativ vielen Einzelzimmern“, erklärt Ploog. Die Männer werden dem Amt zugewiesen – und vornehmlich in Kropp einquartiert.

Die Männer müssen sich einer Hausordnung unterwerfen. Ab 22 Uhr hat Ruhe zu herrschen, Damenbesuch und Übernachtungsgäste in den Zimmern sind verboten. Tagsüber gibt es eine Betreuung durch die Lotsen, nachts schaut ein Sicherheitsdienst mehrfach vorbei. Dass es dennoch gelegentlich zu Spannungen kommt, räumt der Bürgermeister ein. Vor allem, wenn Alkohol im Spiel ist. Noch sei es aber nicht zu gravierenden Vorfällen gekommen.

Ploog hält Streit und auch gelegentliche Handgreiflichkeiten für unvermeidlich. „Das kommt auch auf fast jedem Zeltfest vor“, sagt er, betonte aber auch, dass er die Situation nicht verniedlichen wolle. Dass die Flüchtlinge ein Thema in Kropp sind, dass es Ängste und Vorbehalte gibt, ist ihm sehr wohl bewusst. Deshalb beobachte die Gemeinde die Situation sehr genau. „Es gibt regelmäßige Treffen mit allen Beteiligten, wie den Lotsen, um Schwierigkeiten rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, sagt der Bürgermeister.

Dass sich die Stimmung in Kropp verändert hat, merkt Stefan Ploog, wenn er auf die Straße geht und mit den Bürgern spricht: „Ich bin ständig dabei, gegen immer neue Gerüchte anzukämpfen. Ganz normale Begebenheiten werden plötzlich zu Skandalen, die es in Wahrheit gar nicht gibt.“

 

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erstellt am 29.Jan.2016 | 11:40 Uhr

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