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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 09:14 Uhr

Schleswig : Probeleser gesucht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Projekt „Capito“ übersetzt für die Stadtwerke Schreiben in einfache Sprache. Kunden sollen die Umsetzung bewerten.

Eigentlich klingt es ganz logisch, wenn Jan-Henrik Schmidt sagt: „Sprache bedeutet Teilhabe. Und zwar am Leben und an der Gesellschaft“. Wenn der Geschäftsführer der Schleswiger Werkstätten dann aber anfügt, dass alleine in Deutschland rund 21 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren das Lesen und Verstehen offizieller Schreiben von Unternehmen und Behörden schwer fällt, kommt man aber doch ganz schnell ins Grübeln. Das zu ändern, hat sich das Projekt „Capito“ auf die Fahnen geschrieben. Anfang des Jahres wurde unter dessen Dach im Lollfuß 85 das erste „Büro für barrierefreie Informationen“ in ganz Schleswig-Holstein eröffnet (wir berichteten). „Dabei geht es darum, schwierige Texte in eine einfache Sprache zu übersetzen und somit Menschen Informationen zu erschließen, an die sie sonst nicht kommen“, erklärt Schmidt, der gleichzeitig „Capito“-Geschäftsführer ist. Ein Ansatz, mit dem er bei Wolfgang Schoofs offene Türen eintritt. „Denn“, so der Chef der Schleswiger Stadtwerke, „kaum jemand in der Region schickt so viele Schreiben raus wie wir.“

Deshalb haben die Stadtwerke jetzt „Capito“ damit beauftragt, zunächst einmal drei Kundenschreiben in leicht verständliche Sprache zu übersetzten. „Es ist zunächst ein Test, von dem wir uns aber viel versprechen“, sagt Schoofs. Denn das Unternehmen bediene Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten. „Und sie alle möchten wir möglichst gut ansprechen. Deshalb wollen wir schauen, wo und wie wir wichtige Schreiben vereinfachen und dadurch plausibler machen können.“

Ob das Experiment, das sich die Stadtwerke rund 20  000 Euro kosten lassen, gelingt, sollen die Kunden selbst entscheiden. Dazu werden nun 250 Versuchskaninchen gesucht, die am 12. Juli bereit stehen und die drei überarbeiteten Schreiben lesen und dazu Fragen beantworten (siehe Infokasten). Am Ende werden die Ergebnisse in einer Studie der Universität Hamburg, die das Projekt wissenschaftlich begleitet, ausgewertet und zusammengefasst. „Es ist ein groß angelegter Versuch. Mit dem Ziel, das Leben einfacher zu machen – und zwar für uns alle“, sagt Jan-Henrik Schmidt, der gleichzeitig betont: „Wer von uns hat denn nicht Probleme, wenn ein Behördenschreiben ins Haus flattert, das von Juristen verfasst wurde?“ Inhalte verständlich auf den Punkt zu bringen – allein darum gehe es.

Nachdem „Capito“ inzwischen Schreiben und Verträge der Schleswiger Werkstätten, des Kreises Schleswig-Flensburg und des Landtages in Kiel übersetzt hat, nimmt das Büro, das sich als Verkäufer von Dienstleistungen versteht, immer mehr Aufträge entgegen. Hinzu kommen Schulungen und Workshops für Mitarbeiter, die in Unternehmen oder Behörden regelmäßig Schreiben verfassen.

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erstellt am 01.Jun.2016 | 07:31 Uhr

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