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Schleswig : Plötzlich stolziert ein Pfau im Garten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf dem Grundstück der Familie Wessling in Schleswig hat es sich ein Pfau bequem gemacht. Wo er herkommt – dazu gibt es verschiedene Theorien.

Vor einer Woche war er plötzlich da. In aller Seelenruhe stolzierte er durch den Garten der Familie Wessling am Voßberg. Ein ausgewachsener Pfau mit prachtvollem Gefieder. Dem Vogel scheint es sehr gut zu gefallen bei den Wesslings. Jedenfalls macht er keine Anstalten, den Garten wieder zu verlassen. Eine Nachbarin war die erste, die das Tier bemerkte. „Ihr habt da einen Vogel“, rief sie den Wesslings zu.

Peter Wessling wusste sich im ersten Augenblick nicht anders zu helfen, als die Polizei zu rufen. Die Beamten aber erklärten sich für nicht zuständig. Als nächstes meldete er sich im Schleswiger Tierheim. Dort reagierte man keineswegs überrascht. Ein Pfau im Garten – so etwas komme in Schleswig und Umgebung schon hin und wieder vor, sagt die Tierschutzvereinsvorsitzende Yvonne Wiegers-von Wegner gegenüber den SN. Sie spricht von drei bis vier Fällen im Jahr. Woher die Tiere stammen, kann auch sie nicht sagen. Aber sie hat einen Verdacht: Die Tolk-Schau. In dem Freizeitpark lebt eine Population von rund 30 bis 40 Pfauen. Gut möglich, meint sie, dass von dort immer wieder mal ein Vogel ausbüxe.

Der Garten der Wesslings ist von der Tolk-Schau rund sieben Kilometer Luftlinie entfernt. Kann es sein, dass der Pfau diese Strecke zurückgelegt hat – um es sich dann auf dem kleinen Stadtgrundstück dauerhaft bequem zu machen? Bei der Tolk-Schau schließt man das kategorisch aus. „Unsere Pfauen haben 35 Hektar Auslauf und verlassen diesen Bereich nicht“, sagt ein Sprecher. Zwar falle der Verdacht immer wieder auf die Tolk-Schau, wenn irgendwo ein herrenloser Pfau gesichtet werde, „aber wir können diese fremden Tiere unmöglich aufnehmen, das würde zu Revierkämpfen unter den Hähnen führen.“ Bei der Tolk-Schau vermutet man, dass Privatleute, die sich unbedarft solche Vögel anschaffen, sie irgendwann einfach aussetzen, weil sie mit der Haltung überfordert sind.

Noch freuen sich die Wesslings über ihren neuen Mitbewohner. Sie beobachten, wie er jeden Abend aufs Dach flattert und dort sein Nachtquartier bezieht. Wie er mit seinem Gefieder ein Rad schlägt, haben sie allerdings bisher nur einmal auf ihrer Überwachungskamera beobachten können. Auf Dauer möchten die Wesslings ihren neuen Mitbewohner aber nicht behalten. „Als die Kinder klein waren, hatten wir Wellensittiche, und zuletzt hatten wir 13 Jahre einen Hund“, sagt Peter Wessling. „Aber jetzt wollten wir eigentlich keine Haustiere mehr, um endlich einmal Zeit für längere Reisen zu haben.“

Die Mitarbeiter des Schleswiger Tierheims sind grundsätzlich bereit, den Pfau einzufangen. Aber das ist nicht ganz so einfach, wie die Erfahrung mit all den anderen Pfauen, die in der Region aufgetaucht sind, gezeigt hat. Denn auch wenn die Vögel zutraulich wirken, solange sie ungestört durch die Rabatten spazieren können: Fangen lassen sie sich nicht so gerne. Yvonne Wiegers-von Wegner empfiehlt, den Pfau mit Hühnerfutter anzufüttern und in die Garage zu locken. Ist er erst einmal drinnen, könnten die Kollegen aus dem Tierheim in abholen – und ins Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld in Kappeln bringen. Dort ist man – anders als im Tierheim am Schleswiger Ratsteich – auf die Aufnahme eines solchen Exoten eingestellt.

Peter Wessling will die Sache mit dem Anlocken jetzt versuchen. „Noch geht es dem Pfau gut bei uns“, meint er. „Aber spätestens bis zum nächsten Winter muss ja irgendwas passieren.“ Wiegers-von Wegner indes bleibt da ganz gelassen: „So ein Pfau kann den milden Schleswiger Winter gut überstehen.“

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erstellt am 19.Apr.2017 | 07:54 Uhr

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