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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 12:48 Uhr

Schleswig : Plötzlich kommt der Abrissbagger

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf der Freiheit verschwindet das Gebäude-Ensemble, in dem bis vor wenigen Wochen das Kulturzentrum FKKZ zu Hause war.

Auf der Freiheit fällt in diesen Tagen ein markantes Gebäude. Dort, wo bis vor wenigen Wochen noch das Freie Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) seine Heimstatt hatte, frisst sich jetzt der Abrissbagger durchs Mauerwerk. In Kürze wird der Block 35 im östlichen Bereich des ehemaligen Kasernengeländes Geschichte sein. Das FKKZ hatte die Immobilie erst im Juni verlassen. Der Vereinsvorsitzende Arne Jöhnk reagierte geschockt auf die Nachricht, dass es jetzt dem Erdboden gleich gemacht wird. „Wir haben es besenrein übergeben, es war in einem Tip-Top-Zustand“, sagte er.

Volker Schlüschen, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi, wollte gestern gegenüber den SN noch nicht verraten, was er an dieser Stelle plant und wann auch die nebenstehenden Gebäude abgerissen werden. Über seinen Sprecher Michael Radtke ließ er lediglich mitteilen: „Entsprechend dem Kaufvertrag zwischen Team Vivendi und der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 2005 ist Team Vivendi als Käufer verpflichtet, die ehemaligen Kasernengebäude niederzulegen. Deswegen wird das Gebäude 35 in diesen Tagen abgerissen.“ Bei den weiteren Kasernengebäuden würden „vor Abriss noch technische Belange abgeklärt“.

Radtke wies zudem darauf hin, dass das gesamte Ensemble im östlichen Teil der Freiheit nicht unter Denkmalschutz stehe. Kritiker befürchten indes, dass Team Vivendi mit dem zügigen Abriss des Blocks 35 Fakten schaffen will. Schließlich hatte es Überlegungen gegeben, die Gebäude ins Denkmalbuch des Landes aufzunehmen. Gespräche in diese Richtung haben bereits seit Jahren stattgefunden, bestätigte Landeskonservator Michael Paarmann auf SN-Nachfrage. Allerdings habe es noch keine konkreten Pläne gegeben, das ehemalige FKKZ unter Schutz zu stellen. Paarmann ließ durchblicken, dass er nicht glücklich damit ist, dass sich das Thema nun ohnehin erledigt hat. „Da waren wir zu langsam, das muss ich auch auf meine Kappe nehmen.“ Schützenswert wäre aus seiner Sicht höchstens das Ensemble als Ganzes mit seinem Innenhof gewesen. „Dadurch, dass der Block 35 jetzt abgerissen wird, ergibt es wenig Sinn, die verbleibenden Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen“, sagte Paarmann. Landesweit gebe es unzählige ähnliche Kasernenbauten. Als die Bundeswehr die Freiheit vor zwölf Jahren verlassen hatte, gab es bereits Überlegungen, die gesamte Kasernenanlage unter Denkmalschutz zu stellen. Damals entschied man sich dafür, nur einzelne Gebäude zu schützen. Dazu zählt das ehemalige Offizierskasino im vorderen Teil des Konversionsgeländes. Auch dort wird aktuell gearbeitet. Handwerker sind dabei, das Gebäude am Schleiufer zu entkernen. Die Investorin Susanne Schöning, die das Kasino im vergangenen Jahr gekauft hatte, will dort einen Restaurationsbetrieb errichten. Näher wollte sich die Unternehmerin („Zwergenwiese“) auf SN-Nachfrage gestern nicht äußern. Bereits im Jahr 2012 diente das Kasino eine Zeit lang als Restaurant. Der Musiker Kai Wingenfelder („Fury in the Slaughterhouse“) und seine Frau Claude hatten ihr Projekt jedoch bereits nach wenigen Monaten wieder beendet.

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