zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

29. August 2016 | 05:39 Uhr

Böklund : Plädoyer fürs Plattdeutsche

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Marlies Jensen-Leier las in Böklund aus ihrem Buch „Die Erbschaft aus Angeln“. Das Werk enthält drei Fassungen: in altem Platt, in heutigem Platt und in Hochdeutsch.

Die Premiere des Buches „Die Erbschaft aus Angeln“ war ein echter Publikumserfolg. Mehr als 70 Zuhörer kamen zur Lesung der Autorin Marlies Jensen-Leier in den Gemeindesaal von Böklund und brachten die Veranstalter in Platznot. Man kann davon ausgehen, dass fast alle Anwesenden das alte Platt verstanden, in dem Jensen-Leier die Erinnerungen an ihre Großeltern aus Böklund vortrug. Aber – das ist das Besondere dieses Buches – der Text ist ebenfalls in heutigem Platt und in Hochdeutsch abgedruckt. Ergänzt werden die Geschichten durch einen ebenfalls dreisprachigen Erklärungsteil.

„Ich denke nicht, dass früher alles besser war“, sagte die Autorin zu Beginn. Doch es ginge darum, den unwiederbringlichen Verlust jener Welt, ihrer Menschen, Traditionen und Atmosphären noch einmal spürbar werden zu lassen. Denn binnen zweier Generationen sei eine Kultur verloren gegangen, deren Ziel ein angemessenes, sinnvolles und nachhaltiges Tun gewesen sei. Das Buch solle ein Wegweiser sein zu einer veränderten Lebensweise, damit auch nachfolgende Generationen eine lebbare Zukunft hätten: „Es geht darum, uns die Quelle der Genüsse zu erhalten“, erklärte sie.

Sie wende sich gegen die Herabwürdigung der plattdeutschen Sprache, der man ernsthafte Literatur nicht zutraue. „Ich fühle mich stellvertretend für meine Vorfahren gekränkt“, sagte sie und las als Gegenbeispiel „Die Vertreibung aus dem Paradies“ von Franz Kafka vor, das sie ins Plattdeutsche übertragen hat.

Die Zuhörer quittierten mit Gemurmel Übereinstimmungen mit der eigenen Erinnerung. Ein Tierarzt wies auf das damalige Prinzip der Eigenversorgung hin, bei dem in jedem Haus Tiere anzutreffen waren. Und eine Zuhörerin erzählte vom ebenfalls erwähnten Birnbaum, der heute noch stehe und seine Früchte im Herbst verteile. Doch es gab auch Stimmen gegen die Verklärung der alten Zeit, in der die Menschen mit Plumpsklos auf dem Hof und Waschgelegenheiten im Stall mit rostigem Wasser aus der Pumpe auskommen musste. Auch in Hausherr Pastor Detlev Tauscher stiegen Erinnerungen auf. Und ein älterer Zuhörer stellte fest: „Meine Großmutter ist heute Abend wieder lebendig geworden.“

 

>Das Buch „Die Erbschaft aus Angeln“,128 Seiten mit zahlreichen Fotos im Festeinband, ist im ihleo Verlag, zum Preis von 14,95 Euro erschienen und kann bei der Autorin oder per E-Mail (bestellung@ihleo-verlag.de) bestellt werden.

 

zur Startseite

von
erstellt am 22.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen