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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 12:51 Uhr

Schleswig : Pfandleihe-Prozess endet mit Haftstrafen und zwei Freisprüchen

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Männer überfielen unter anderem ein Pfandleih-Haus in Kiel, sie gingen äußerst brutal vor. Es ist einer der aufwendigsten Prozesse des Landes.

Schleswig/Kiel | Im Pfandleiheprozess sind neun Angeklagte zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Acht Männer wurden wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung oder der Verabredung zum schweren Raub schuldig gesprochen. Ein weiterer erhielt eine Haftstrafe von einem Jahr wegen Diebstahls. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen.

Der Prozess gehört zu den bisher aufwendigsten Verfahren in Schleswig-Holstein - durch die Vielzahl der Beteiligten, den Verhandlungsort und nicht zuletzt die hohen Kosten, die dadurch entstehen.

Die Männer waren angeklagt, in kleinen Gruppen und wechselnder Zusammensetzung 2014 am helllichten Tag unter anderem brutal ein Pfandleihhaus in Kiel und einen Juwelier in Düsseldorf überfallen und Schmuck und Bargeld im Wert von mehreren Hunderttausend Euro erbeutet haben. Der Düsseldorfer Ladenbesitzer wurde lebensgefährlich verletzt.

Die Staatsanwaltschaft hatte Haftstrafen zwischen drei Jahren und elf Jahren und elf Monaten gefordert. Die Verteidiger plädierten für sechs der Angeklagten auf Freispruch.

Verhandelt wird aus Platzmangel unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in Räumen des Oberverwaltungsgericht in Schleswig. Zuständig ist aber das Landgericht Kiel. Das Verfahren gegen einen zwölften Angeklagten wurde abgetrennt.

Seit dem 3. November verhandelte die siebte Große Strafkammer des Landgerichts gegen die Männer, die zwischen 22 und 40 Jahre alt sind. Auch in München wollten sie mutmaßlich zuschlagen, sie wurden jedoch kurz vorher festgenommen. Koordiniert und geplant wurden die Taten laut Anklage von Berlin aus. Auch hier gab es am selben Tag wie in München Festnahmen. Die Angeklagten sollen „fast industriell“ und mit „unglaublicher krimineller Energie“ vorgegangen sein, sagte Staatsanwalt Christopher Sievers.

Nicht immer lief der Prozess reibungslos ab. Er drohte beispielsweise Mitte Januar zu platzen, weil auf Antrag geklärt werden musste, ob die Öffentlichkeit überhaupt hergestellt war. Der Grund: Vor dem Saal im Landgerichtsgebäude, in dem die Kammer üblicherweise tagt, war eine Zeit lang kein Hinweiszettel auf den Verhandlungsort in Schleswig angebracht.

Die Kammer entschloss sich, weiter zu verhandeln und auch einzelne Verhandlungstage nicht zu wiederholen. Der Vorsitzende Richter Carsten Tepp sagte in seiner Begründung unter anderem, es sei nur in einem sehr eingeschränkten Umfang damit zu rechen gewesen, dass interessierte Menschen den Verhandlungsort nicht kannten. Auch weil bereits im Vorfeld der Hauptverhandlung gerade wegen der Verlegung nach Schleswig viel über den Prozess berichtet worden sei.

Die laufende Verhandlung ist übrigens bereits der zweite Anlauf. Der erste, der Anfang Oktober 2015 gestartet wurde, war nach zwei Sitzungstagen schon vorbei. Der Grund: Eine erfolgreiche Besetzungsrüge gegen das Gericht. Bei der Besetzung der Schöffen war ein Formfehler unterlaufen.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 11:00 Uhr

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