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Schleswiger Nachrichten

19. April 2014 | 14:09 Uhr

- Parlamentarier und Präsident

vom

Schleswiger Jurist setzte sich für die Einheit Schleswig-Holsteins ein / Chef der Provisorischen Regierung

SCHLESWIG | "Er hat - wie wir alle wissen - seiner Heimath, den Herzogthümern und dem Gesammtvaterlande in mannigfachen, zum Theil überaus schwierigen Stellungen in- und außerhalb Deutschlands nach seinen besten Kräften gedient." Dieses Lob aus dem Munde des Präsidenten des Reichstages des Norddeutschen Bundes, Eduard von Simson, galt dem Juristen, Regierungsbeamten und Parlamentarier Karl Philipp Francke aus Schleswig. Für sein langjähriges öffentliches Engagement ist er vielfach ausgezeichnet worden, so mit dem Danebrog-Orden, dem Roten Adlerorden, dem Oldenburgischen Haus- und Verdienstorden, dem Großkreuz des österreichischen Franz-Joseph-Ordens und dem Großkreuz des Sächsischen Ernestinischen Hausordens.

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Karl Philipp Francke entstammte einer gutsituierten, gebildeten und politisch interessierten Familie, deren Linien sich bis ins späte Mittelalter zurückreichen. Er wurde am 17. Januar 1805 als Sohn eines Obergerichts- und Etatsrats in Schleswig geboren und absolvierte mit Glanz die Domschule. Erst 18 Jahre alt, begann er im Wintersemester 1823/24 in Göttingen das Studium der Rechtswissenschaften. Nach der Beteiligung an einem Duell musste er die Universität verlassen. Er wechselte zunächst auf die Heidelberger Uni, schloss sein Studium aber in Kiel ab. 1827 legte er am Obergericht auf Gottorf "mit sehr rühmlicher Auszeichnung" das juristische Amtsexamen ab.

Seinen beruflichen Weg begann er als Beamter in dänischen Diensten. Er bekleidete etwa zwei Jahrzehnte lang in Kopenhagen verschiedene hochrangige Ämter. Als Sektionschef im Finanzministerium aber lehnte er das ihm 1848 angebotene Ministerium für Holstein-Lauenburg ab, weil er nicht der Trennung Schleswigs von Holstein zustimmen könne. Daraufhin verließ Francke Kopenhagen und schloss sich der schleswig-holsteinischen Bewegung an. Die Provisorische Regierung ernannte ihn in einer feierlichen Zeremonie auf Schloss Gottorf zu ihrem Präsidenten.

Doch schon im Mai 1848 zog er als Abgeordneter des Wahlkreises 3 (Flensburg) in die Frankfurter Nationalversammlung ein. In diesem ersten freigewählten gesamtdeutschen Parlament, das in der Frankfurter Paulskirche tagte, setzte er sich vor allem für die rasche staatliche Einigung Deutschlands unter einer kraftvollen Zentralgewalt ein. Ein weiterer thematischer Schwerpunkt seiner Arbeit im Parlament und den Fachausschüssen war die Wirtschaftspolitik. Zugleich fungierte er als Bevollmächtigter der Provisorischen Regierung von Schleswig-Holstein in Frankfurt.

Im Sommer 1849 übernahm er, nach dem Scheitern der Nationalversammlung wieder zurück in der Heimat, in der schleswig-holsteinischen Statthalterschaft Kiel die Verwaltung der Finanzabteilung und im folgenden Jahr zusätzlich die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten. 1851 von der dänischen Amnestie ausgeschlossen, musste er Schleswig-Holstein verlassen. Er emigrierte in das kleine Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, wo ihm von Herzog Ernst II. hohe Ämter angeboten wurden, unter anderem das des Präsidenten der Landesregierung und das des Staatsministers für alle Coburger Regierungsangelegenheiten.

Francke kümmerte sich im Auftrage des Herzogs um die Reorganisation der Verwaltung und die Verbesserung der Infrastruktur, behielt aber die politische Entwicklung in Schleswig-Holstein weiterhin im Blick. Als nach dem Tode König Friedrichs VII. der Erbfolgestreit in Dänemark und Schleswig-Holstein entbrannt war, stellte er sich an die Seite des Prinzen Friedrich von Augustenburg, der seinerseits Ansprüche auf die Herzogtümer Schleswig und Holstein anmeldete. Erbprinz Friedrich bildete in Gotha eine Exilregierung, in der Francke als Staatsminister das Finanz- und das Innenressort übernahm. Doch blieb dem Prinzen die nötige Unterstützung und Anerkennung vor allem durch Preußen und Österreich versagt. 1863 kehrte Friedrich zusammen mit Francke nach Kiel zurück.

1867 setzte Karl Philipp Francke seine parlamentarische Tätigkeit fort, indem er Mandate sowohl im Reichstag als auch im preußischen Abgeordnetenhaus wahrnahm. Seit 1868 bezog er eine preußische Pension, verbunden mit der Bereitschaft, erneut öffentliche Aufgaben zu übernehmen. Doch bevor es zur geplanten Berufung zum Regierungspräsidenten in Trier kam, starb er am 23. Februar 1870 in Kiel.

von Bernd Philipsen
erstellt am 13.Jun.2012 | 03:59 Uhr

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