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Schleswiger Nachrichten

24. Juli 2016 | 14:48 Uhr

Schleswig : Paket-Zusteller unter Druck: Eine Polizei-Kontrolle wirft Fragen auf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wirbel um Polizei-Kontrolle: Das Schleswiger Subunternehmen von Hermes fällt wegen technischer Mängel bei Lieferwagen auf.

Özkan Kerdige ist aus Solingen angereist. Der 42 Jahre alte Bevollmächtigte der KDG Transporte GmbH hat in diesen Tagen einiges zu regeln in Schleswig, denn die KDG-Niederlassung in der Werner-von-Siemens-Straße ist in Verruf geraten. Ende der vergangenen Woche hatte die Polizei bei einer umfangreichen Kontrolle auf dem Firmengelände mehrere Fahrzeuge des Subunternehmers der Firma Hermes stillgelegt. Den Polizeiangaben zufolge hatten 18 von 38 kontrollierten Paket-Transportern keinen Versicherungsschutz. Zudem seien in einigen Fällen fehlender Tüv und technische Mängel wie abgefahrene Reifen hinzugekommen.

„Das stimmt so nicht“, sagt Kerdige nun und zeigt den Schleswiger Nachrichten den entsprechenden Bericht der Polizei. „Es waren nur zehn Autos.“ Auch habe man für diese bereits am Montag die Papiere samt Kennzeichen zurückbekommen, erklärt Kerdige. Es habe zum Zeitpunkt der Kontrolle am 18. März sehr wohl Versicherungsschutz bestanden, alle Fahrzeuge seien wieder im Einsatz. Die beiden Autos, die ohne Nummernschilder auf dem Hof standen, seien schon seit Monaten abgemeldet. Insgesamt verfüge die Flotte am Standort Schleswig über 45 Autos. Kreis-Sprecherin Martina Stekkelies bestätigt, dass die eingezogenen Kennzeichen in Absprache mit der Zulassungsstelle in Solingen zurückgegeben worden seien.

Doch der Fall ist dubios, es bleiben Fragen offen. Der Reihe nach: Ausgangspunkt waren Zufallskontrollen der Polizei, bei denen zwei Wagen aufgefallen waren. Sie wiesen diverse technische Mängel auf und waren ohne Versicherungsschutz unterwegs. „Das waren Mietfahrzeuge“, sagt Kerdige. Wie aber ist es möglich, dass Mietfahrzeuge nicht versichert sind? Kerdige zuckt mit den Schultern, sagt nur: „Der Autovermieter ist keiner von den großen.“ Auch werde er wohl mit seinem Subunternehmer darüber sprechen müssen, was an den Vorwürfen dran ist, räumt der KDG-Mann ein. Dafür, dass die Schleswiger Betriebsstätte unter der im Internet angegebenen Telefonnummer nicht erreichbar ist, hat Kerdige auch eine Erklärung parat. Die Leitung im Gewerbegebiet St. Jürgen reiche für Internet und Telefon nicht aus. Aber das solle ja bald besser werden, wenn leistungsfähigere Kabel verlegt werden.

Die ganze Geschichte wirft ein Licht darauf, wie es in der Branche zugeht. So ist die KDG Transporte GmbH mit Sitz im rheinländischen Solingen als Generalunternehmer für den Paket-Riesen Hermes tätig, seit Februar 2015 auch mit der Dependance an der Schlei. KDG wiederum beschäftigt seinerseits einen Subunternehmer aus dem Schleswiger Raum für das Verteilen der Pakete. Die nötigen Fahrzeuge übernimmt dieser von KDG – daher hat der Schleswiger Fuhrpark Solinger Kennzeichen. Die Verantwortung wird von einem zum anderen weitergereicht.

Und was sagt Hermes? „Wir sind mit unserem Vertragspartner in Gesprächen und prüfen, ob wir Konsequenzen ziehen müssen“, erklärt Unternehmenssprecher Martin Frommhold auf Anfrage der Schleswiger Nachrichten. Es gelte zu ermitteln, warum die Missstände nicht schon zuvor bei den regelmäßigen Kontrollen aufgefallen sind. Nach Frommholds Worten lässt Hermes seine Vertragspartner alle 24 Monate von einem Zertifizierungsunternehmen unter die Lupe nehmen. Dabei werde geprüft, ob die Arbeitszeiten stimmen und der Mindestlohn gezahlt wird, aber eben auch, wie es um den Zustand der Fahrzeuge bestellt ist. Die rechtliche Verantwortung, das machte Frommhold klar, liege bei den Subunternehmern.

Dass Hermes in dieser Woche eine Zeitungsanzeige für die Suche nach einem Generalunternehmer sowie Subunternehmern geschaltet hat, sei Zufall und habe mit dem Fall KDG nichts zu tun, versicherte Frommhold. Stattdessen betreffe die Annonce die Niederlassung Rendsburg.

Die Kunden sind laut Frommhold von den ganzen Vorgängen rund um die Schleswiger Transporter bislang nicht betroffen gewesen. „Mich haben noch keine Beschwerden erreicht.“

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erstellt am 26.Mär.2016 | 07:24 Uhr

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