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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 06:11 Uhr

Wohlde : Neun tote Kälber im Maisfeld

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Wohlder Nebenerwerbslandwirt wollte die verendeten Tiere bis zum Abtransport zwischenlagern – jetzt wird sein Bestand aufgelöst

Starker Verwesungsgeruch war wohl der Grund dafür, dass ein Wohlder verendete Kälber in einem Anhänger auf einem Maisfeld zwischenparkte. „Vergangenen Freitag kam die erste Anzeige“, sagt Kreisveterinär Volker Jaritz, der daraufhin nach Wohlde gerufen wurde. Im Anhänger fand er neun teils schon skelettierte Kälber vor.

Ein Anblick, über den der Veterinär nur den Kopf schütteln kann. „Es ist absolut nicht in Ordnung, Kadaver durch die Gegend zu fahren und sie irgendwo zu lagern“, stellt er klar. Die Tiere seien nicht, wie zuerst vermutet wurde, verhungert, sondern an einer Infektionskrankheit zugrunde gegangen. Der normale Ablauf sei dann die Tierkörperverwertungsanstalt zeitnah zu informieren. „Damit die toten Tiere fachgerecht entsorgt werden“, erklärt Jaritz.

Im Falle des Wohlder Nebenerwerbslandwirts kam die Meldung jedoch zu spät. „Er wollte die Tiere wohl am Montag abholen lassen, der Anhänger war nur als Zwischenlösung gedacht.“

Was in dem Stall des Landwirts passiert ist, kann Jaritz nur vermuten. „Wahrscheinlich hat er die Tiere schon krank gekauft und ist dem nicht Herr geworden.“ So etwas komme öfter vor und werde von der Behörde beobachtet. „Wir machen ein Monitoring bei der Tierkörperverwertung und schauen, wie hoch der Abgang ist.“

Auch für Bürgermeister Jochen Tüxsen ist der Nebenerwerbslandwirt kein Unbekannter. „Der macht das noch nicht so lange. Etwa ein bis zwei Jahre“, sagt er. Tüxsen hält selbst Kälber und weiß, wie kompliziert die Aufzucht der Tiere sein kann. „Landwirtschaft ist nicht einfach.“ Der Wohlder habe oft die kleinsten Kälber oder Zwillingspärchen gekauft, ab rund zehn Euro pro Tier seien die zu haben. „Die, die keiner haben wollte. Da ist die Gefahr groß, dass es auch Verluste gibt.“

Von Unregelmäßigkeiten auf dem Hof weiß er jedoch nichts. Die Tiere seien registriert und ein Tierarzt habe dort nach dem Rechten gesehen. Dass die toten Kälber nicht rechtzeitig der Tierkörperverwertungsanstalt übergeben wurden, findet Tüxsen nicht gut. „Man muss sofort handeln. Passiert so etwas jedoch am Wochenende kann es sein, dass die Kadaver erst am Montag abgeholt werden können. Bei uns kommen sie dann auf den Kadaverplatz, wo sie hingehören.“

Das Verstecken der Tierkörper bleibt für den Nebenerwerbslandwirt nicht ohne Konsequenzen. „Wir befinden uns zurzeit mitten in den Ermittlungen“, sagt Kreisveterinär Volker Jaritz. Noch hält der Bauer 25 gesunde Kälber, die er mästet und anschließend weiterverkauft. Dieser Bestand soll jetzt aufgelöst werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass eine artgerechte Tierhaltung gewährleistet wird. Das ist im Moment nicht der Fall.“

Zudem seien noch weitere Dinge im Argen, zu denen der Veterinär aber nichts sagen will. Nur so viel: „Die Tiere müssen regelmäßig versorgt werden.“ Die Auflösung des Bestandes sei im Moment im vollen Gang. Das Kreisveterinäramt sucht im Moment Käufer für die Tiere. Das geschieht auf dem freien Markt. „Das ist ein ganz normales Prozedere in so einem Fall.“ Umliegende Bauern müssten sich derweil keine Sorgen um ihre Tiere machen: „Für andere Tiere existiert aus diesem Bestand heraus keine gesundheitliche Gefährdung“, versichert der Kreisveterinär.

Ob der Wohlder Landwirt bald wieder Tiere halten darf, steht noch in den Sternen. „Wir werden ihm Auflagen erteilen und dann prüfen wir den Sachverhalt in ein paar Monaten noch einmal“, sagt Volker Jaritz.

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erstellt am 12.Aug.2016 | 07:52 Uhr

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