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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 20:30 Uhr

Neues Zuhause für alte Maschinen gesucht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Reinhard Rehder löst seine Lindewitter Sammlung mit landwirtschaftlichen Geräten auf / 80 Prozent der Exponate sind schon untergebracht

Mit einem alten Pflug fing 1994 alles an. Reinhard Rehder und sein Vater wollten ihn vor der Verschrottung bewahren. So begann für den Landwirt aus Kleinwiehe die Leidenschaft, historische landwirtschaftliche Geräte und Maschinen zu sammeln und für die Nachwelt zu erhalten. Hinzu kamen im Laufe der Zeit verschiedene handwerkliche Maschinen. Insgesamt füllten bis vor Kurzem ungefähr 300 Exponate die Hallen und Schuppen des Hofes, der seit einigen Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird.

Nun soll das Anwesen als Resthof verkauft werden. Was kann mit einer solchen Sammlung geschehen? Um sie einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen, bedarf es einer Ausstellungsfläche von deutlich mehr als 500 Quadratmetern. Dies kann eine private Hand kaum stemmen. Die Idee: Die Gemeinde Großenwiehe besaß aus einer Schenkung ebenfalls eine größere Sammlung. Gemeinsam hätte man ein Heimatmuseum aufbauen können. Aber auch die Gemeinde sah sich nicht in der Lage, diese Idee umzusetzen und versteigerte ihre Sammlerstücke auf der letzten Veranstaltung des Handels- und Gewerbevereins.

Andere Heimatmuseen im Kreis winkten ebenfalls ab, weil sie keinen Platz zur Aufnahme der Exponate haben. Vier alte Deutz-Trecker fanden eine neue Heimat beim Oldiclub Quern und bei den Treckerfreunden Bredstedt-Land. Aber all die übrigen Geräte und Maschinen? „Ich bin der letzte meiner Sippe und kann jetzt noch selbst bestimmen, wohin die Dinge gehen. Später verfügen es andere“, sagt Rehder. In mühevoller Kleinarbeit ist es ihm bisher gelungen, 80 Prozent der umfangreichen Sammlung bei Gleichgesinnten unterzubringen. „Es tat schon weh, wenn wieder eine Maschine auf einem Trailer den Hof verließ. Vor allem dann, wenn ich eine Maschine dann doch an einen Schrotthändler verkaufen musste“, räumte Rehder ein. „Sammlerkollegen sind für den Moment eine gute Lösung. Aber auch sie stehen über kurz oder lang vor dem gleichen Problem.“

Eine Lösung für die nachhaltige Pflege solcher Sammlungen im heimatlichen Umfeld ist die Organisation in einem Verein oder an der Hand der entsprechenden Gemeinde. Gefährdet seien solche Museen und Sammlungen dort, wo es einzig am Engagement eines Einzelnen hängt und ein Nachfolger nicht gefunden werden kann, lautet die Einschätzung von Heike Jessen, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft „Kiek an!“, die die Kooperation zwischen den verschiedenen Einrichtungen volkskundlicher Sammlungen im Kreis Schleswig-Flensburg unterstützt.

Auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen, der sein Heimatmuseum in Bönstrup vor einiger Zeit ebenfalls aufgelöst hat, schätzt die Sachlage so ein. Seine Exponate werden der Öffentlichkeit inzwischen über andere Sammlungen zugänglich gemacht. Börnsen weist darauf hin, dass das Landschaftsmuseum in Unewatt historische Geräte und Maschinen in einem Magazin sammelt, bevor diese herrenlos werden. Er appelliert ebenfalls an Ämter und Gemeinden, diese Dinge vor einem möglichen Verlust zumindest erst einmal zu sichern.

Reinhard Rehder hat trotz des über die Jahre investierten Herzblutes mit dem Verlust seiner Sammlung inzwischen innerlich abgeschlossen. Aber die Heimatgeschichte hat ihn weiterhin im Griff: Inzwischen sind acht Ordner für eine Chronik über die Menschen in Kleinwiehe ab 1728 gefüllt. Rehder sucht nun vor allem nach Ahnendaten derer, die von Kleinwiehe in die „Welt“ gezogen sind.

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erstellt am 11.Aug.2016 | 17:19 Uhr

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