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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 16:33 Uhr

Schleswig : Neues Auto, alte Probleme

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Schleswiger Tierheim hat ein neues Transportfahrzeug bekommen. Es werden aber weitere Spenden und Mitarbeiter gesucht.

Die lachende Katze auf der Seite macht die Zugehörigkeit deutlich: Das Tierheim in Schleswig hat ein neues Fahrzeug. Der Opel Combo war dringend nötig, da sein Vorgänger deutlich in die Jahre gekommen war. „Da gibt es zu viel dran zu machen. Der bekommt keinen Tüv mehr“, sagt Kassenwartin Nicole Schmonsees. In dieser Woche holte sie das neue Auto persönlich aus Paderborn ab und überführte es nach Schleswig. Hier dient der Zweisitzer mit großem Laderaum künftig als Transporter für alle möglichen Fahrten, egal ob zum Tierarzt, bei Notfällen oder größeren Beschlagnahmungen.

Den nagelneuen Opel verdankt das finanziell klamme Tierheim dem Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes, der einspringt, wenn Tierheime eine Notsituation haben. 5000 Euro gab es. Ein zinsloser Kredit über 8000 Euro von einem Vereinsmitglied sicherte die Anschaffung. „Wir wollen den Kredit mit Spendengeldern abbezahlen“, so Schmonsees.

Seit 1972 gibt es das Schleswiger Tierheim. Der Tierschutzverein Schleswig selbst, ist jedoch schon 155 Jahre alt. „Irgendwann in den 1950er Jahren wurde das erste Auto für den Verein angeschafft, lange bevor es das Tierheim gab“, sagt Schmonsees mit Blick auf ein altes Foto (siehe oben). Mehr als 60 Jahre später hat der Verein nun knapp 300 Mitglieder, sammelt fleißig Spenden und beschäftigt elf Mitarbeiter im Tierheim. 365 Tage im Jahr wird dort gearbeitet. „Es gibt immer zu wenig Personal“, sagt Schmonsees, die händeringend nach ehrenamtlichen Helfern sucht. Auch finanziell sehe es mau aus. Zwar gebe es mittlerweile eine kostendeckende Fundtierkostenerstattung durch die Stadt und die umliegenden Ämter – eine kommunale Pflichtaufgabe –, aber der steigende Mindestlohn und schwindende Rücklagen bereiten dem Verein Sorgen. „Die Personalkosten sind immens. Der Mindestlohn ist eine gute Sache, aber er tut auch weh“, sagt die Kassenwartin. Jedes Jahr fehlten im laufenden Betrieb bis zu 50  000 Euro – eine Summe, die mächtig am Finanzpolster nagt. „Wir sind auf Spenden angewiesen und verkaufen auch wieder den Tierheimkalender.“ Für fünf Euro kann man damit das Tierheim Schleswig unterstützen, in dem momentan 30 Hunde und knapp 100 Katzen untergebracht sind. Früher seien es weit mehr Tiere gewesen, sagt Friedhelm Latsch, Schriftführer im Verein. Hätten Menschen früher ihre Tiere in der Urlaubszeit ausgesetzt, spielten heute finanzielle Gründe oder das Alter eine größere Rolle. „Manche können sich den Tierarzt nicht mehr leisten, andere gehen ins Altersheim oder sterben. Wieder andere ziehen um und können dann ihr Tier in der neuen Wohnung nicht behalten“, sagt Latsch. „Es gibt auch Fälle, wo sich jemand unüberlegt einen Hund kauft und damit dann nicht klar kommt“, fügt Schmonsees an. Auch sogenannte „Tiermessis“ sorgten immer wieder für ein volles Haus am Ratsteich 25.

Bis zu 1000 Tiere vermittelt das Tierheim jährlich. „Katzen sind in der Regel innerhalb von vier Wochen in einem neuen Zuhause“, sagt Schmonsees. Das Tierheim überprüft dabei jeden Interessenten auf Tauglichkeit. „Es wird vorab die Wohnsituation begutachtet und auch im Nachhinein einmal kontrolliert, ob es dem Tier gut geht.“

Nach dem neuen Auto steht nun das nächste Projekt an. Ein neues Kleintierhaus muss her. Auch dieses soll durch Spenden finanziert werden. Dafür veranstaltet das Tierheim am 4. Dezember einen Weihnachtsmarkt.

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erstellt am 29.Okt.2016 | 07:25 Uhr

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