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Schleswiger Nachrichten

27. Mai 2016 | 12:18 Uhr

Schleswig : Neuer Verein ganz ohne Ausgrenzung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Inklusive Sportclub Schleswig für Menschen mit und ohne Behinderung wurde gegründet. Der Trainingsbetrieb startet im Frühjahr.

„Endlich ist geschafft, was wir schon so lange geplant haben: die Gründung des Inklusiven Sportclubs Schleswig.“ Jan-Henrik Schmidt ist die Erleichterung anzusehen. Denn seit wenigen Tagen gibt es den ISC nun ganz offiziell – und damit einen Sportverein für Menschen mit und ohne Behinderung. Für Schleswig und das Umland ist der Verein ein Novum und darüber hinaus ein großer Gewinn für alle, die trotz Behinderung aktiv sein wollen, wie Schmidt betont. Denn: Natürlich gebe es viele Sportvereine in der Regionen, bei denen die Türen auch für Menschen mit Behinderung offen stehen würden. „Aber meist geht es doch darum, Leistung zu bringen. Oft sitzen die Sportler mit Handicap dann doch auf der Bank“, weiß Jan-Henrik Schmidt.

Als Einrichtungsleiter bei den Schleswiger Werkstätten unterstützt er bereits seit langem das sportliche Angebot innerhalb der Werkstätten. Intensiviert wurde es durch die Anstellung von Katja Herber, die als Koordinatorin für sportliche Aktivität sorgt (wir berichteten). Beide wissen, wie wichtig Sport für Menschen mit Behinderung ist. „Er fördert die Koordination, das Bewusstsein für den eigenen Körper, er baut Ängste ab, steigert das Selbstvertrauen und sorgt dafür, dass die Menschen nicht über ihre Behinderung wahrgenommen werden, sondern über den Sport“, weiß Katja Herber.

Im inklusiven Verein treiben Menschen mit und ohne Handicap nun gemeinsam Sport. Auf diese Weise sollen auch Berührungsängste, die es auf beiden Seiten gibt, durch gemeinsame Aktivitäten im Verein abgebaut werden. Im Team Spaß und Freude an der Bewegung zu haben, das ist das Ziel, das sich die Gründer des ISC auf die Fahne geschrieben haben. Im Verein sollen die Sportler in vertrauter Gemeinschaft nicht nur die Hallen in der Stadt, sondern auch fremde Sportler kennen lernen. Ausgebildete Trainer und Übungsleiter passen die Übungen den Bedürfnissen an – um niemanden zu überfordern. „Der Spaß steht im Vordergrund. Wenn die Sportler aber irgendwann Lust haben, sich auf einem Turnier zu messen, dann machen wir das – aber das sollen sie dann selbst bestimmen“, sagt Jan-Henrik Schmidt.

Während der Gründungsveranstaltung ging es nicht nur darum, die Satzung zu verabschieden, sondern es wurde auch abgeklopft, welche Sportarten sich die Mitglieder wünschen: „Wir möchten mit Ballspielen anfangen, mit Fußball, Handball, Tischtennis, Basketball und Floorball“, fasst Katja Herber zusammen. Auf Floorball freuen sich nun besonders Monika Dohmen und Sandra Kunze, die beide schon dieses dem Hockey ähnlichen Mannschaftsspiel gespielt haben: „Das schockt total“, ist ihre einhellige Meinung. Auch von den Krankenkassen verordnete Rehabilitationskurse und Gymnastik sind geplant und sollen im neu entstehenden Reha-Zentrum an der Schubystraße angeboten werden. Für die Bellmann-Halle liegen bereits feste Hallenzeiten vor. Der ISC soll seinen Mitgliedern (es sind bereits 35) den Einstieg in den Sport leicht machen. Die Trainingszeiten sind auf die Nachmittags- und Abendstunden gelegt und ragen so ganz bewusste aus dem Werkstattalltag heraus.

Der ISC ist ein von den Werkstätten völlig losgelöster Verein, auch wenn an seiner Spitze Jan-Henrik Schmidt und Katja Herber als Vorsitzende stehen. Stefan Jähde, der seit Jahren die Mannschaften der Werkstätten unterstützt, hat den Posten des Schatzmeisters übernommen. Felix Olejnick ist Schriftführer und kümmert sich um die Internetpräsenz: Die Homepage geht in Kürze online, bei Facebook ist der ISC bereits zu finden. Stefan Günther vertritt den fünfköpfigen Beirat, der die Sportler mit Handicap und ihre Anliegen repräsentiert.

Alle gemeinsam können es kaum noch abwarten, bis es im Frühjahr richtig losgeht. Bis dahin wird der Vorstand das sportliche Angebot zusammenstellen. „Wir sind ganz offen für Anregungen. Auch Trainer sind herzlich willkommen“, sagt Katja Herber. Ebenso würden noch Sponsoren gesucht. Die Schleswiger Volksbank ist bereits mit im Boot.



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