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Schleswiger Nachrichten

28. August 2016 | 04:12 Uhr

Schuby : Neue Chance für Mega-Biogasanlage

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Biogas aus Zuckerrüben im großen Stil – dieses Konzept scheiterte in Schuby. Die Mega-Biogasanlage am Ortsrand drohte zur Industrieruine zu werden. Jetzt gibt es neue Hoffnung. Eine Firma aus Erlangen will die Anlage betreiben.

Seit Anfang 2013 war Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber im Einsatz, um eine Nachfolgeregelung für die Mega-Biogasanlage in Schuby zu finden und zu verhindern, dass das einstige Vorzeigeprojekt zur Industrieruine verkommt. Zahlreiche Interessenten hatten sich zwischenzeitlich gemeldet, aber auch schnell wieder das Weite gesucht. Jetzt scheint eine Lösung in greifbarer Nähe: In den kommenden Tagen soll ein Kaufvertrag unterschrieben werden. Eine Firma aus Erlangen will die Anlage übernehmen und weiter betreiben.

Die formalen Voraussetzungen für diesen Schritt wurden in den vergangenen Wochen zeitgleich in Kiel und Fürth geschaffen. Während Schmid-Sperber an der Förde einen Vertrag ausarbeitete, trieben die Betreiber in spe in Franken die Gründung einer neuen Gesellschaft voran. Seit Dienstag vergangener Woche um 2.16 Uhr ist diese unter dem Aktenzeichen HRB 15453 im Handelsregister eingetragen und somit handlungsfähig. Ihr Name „Bioenergie Schuby GmbH“ mit Sitz in Erlangen verrät den Betriebszweck. Fehlen nur noch die Unterschriften unter dem Vertrag.

Mit ihnen rechnet Schmid-Sperber in den kommenden Tagen. Und damit wäre das Verfahren genau so weit fortgeschritten wie schon zweimal zuvor. Beide Male hatten Interessenten bereits Verträge unterschrieben und beide Male traten sie später wieder von diesen zurück, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie die Anlage unter den gegebenen Auflagen der Behörden nicht wirtschaftlich betreiben könnten. Schmid-Sperber ist indes guten Mutes, dass die Abstimmung diesmal von Erfolg gekrönt sein wird. Auch Schubys Bürgermeister Helmut Ketelsen erwartet einen positiven Abschluss. Im Gemeinderat sagte er am Montag, Ende der letzten Woche sei „ein Signal gegeben worden, dass es zu 99 Prozent eingetütet ist“.

Hinter der „Bioenergie Schuby GmbH“ steht mit der „Niersberger Group“ aus Erlangen ein mittelständisches Unternehmen (Standorte in Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Italien, Rumänien, Polen und Russland), das sich unter anderem auf den verfahrenstechnischen Anlagenbau mit Schwerpunkt auf der Erzeugung regenerativer Energien spezialisiert hat. Bioenergie-Schuby-Geschäftsführer René Fabian erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass es nach wie vor Ziel sei, die Anlage mit dem Rohstoff Rübe zu betreiben. Er verweist auf die Erfahrungen der Ingenieure im Unternehmen, die die Schubyer Anlage als „technische Herausforderung“ sehen. „Wir sind sicher, die Probleme lösen und diese wirtschaftlich betreiben zu können “, so Fabian.

Um die Anlage an den Mann zu bringen, war unter anderem die Christian-Bahrs-Industrieberatung aus Hamburg eingeschaltet worden, die Gelände, Immobilien und Geräte zum Kauf anbot. Laut Prospekt lag der Verkaufspreis (Stand: 2. Dezember 2014) bei 2,6 Millionen Euro. Rund 14 Millionen Euro indes hatte die Biogas-Anlage (Leistung: 5 MW) seinerzeit gekostet, betrieben wurde sie von der Firma Beta-Biomethan Schuby, einer Tochter der Firma Hofkontor aus Büdelsdorf (ehemals Eggebek). Nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten war die Produktion von Biomethangas aus Rüben am 15. September 2011 gestartet. Was damals hoffnungsfroh stimmte, erwies sich aber als Strohfeuer. Denn über eine 40-prozentige Auslastung kam die Anlage aufgrund anhaltender technischer Schwierigkeiten nicht hinaus – viel zu wenig, um wirtschaftlich zu laufen. Nur ein Bruchteil der kalkulierten 100  000 Tonnen Zuckerrüben jährlich konnten so verarbeitet werden.

Was zunächst als Pilotprojekt und Beitrag gegen Maismonokultur in der Region gefeiert wurde, drohte zu scheitern. Den Todesstoß versetzten letztlich die Stadtwerke Flensburg, die ihren Anteil an dem Biogas-Projekt nach dem Einstieg 2010 zeitweise auf 75 Prozent gesteigert hatten, dann aber im November 2012 angesichts erheblicher Verluste die Reißleine zogen und aus der Beta-Biomethan GmbH ausstiegen. Hofkontor fehlte nun das Geld, so dass das Projekt Biogas aus Rübe letztlich scheiterte.

Hofkontor fehlten zudem die finanziellen Mittel, um seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, so dass das Unternehmen im Mai 2013 Insolvenz anmelden musste, ebenso die Tocher Beta-Biomethan. Seitdem sind die riesigen, 75  000 Tonnen Biomasse fassenden Gärtanks am Ortsrand von Schuby ungenutzt. Geht es nach Bioenergie-Schuby-Geschäftsführer Fabian soll das nicht mehr lange so bleiben. „Wir wollen den Kauf so schnell wie möglich anschließen“, sagt er mit Blick auf ein möglichst schnelles Anfahren der Biogasanlage und die mögliche Zusammenarbeit mit regionalen Landwirten. „Für die Ertüchtigung der Anlage zählt jetzt jeder Tag.“

 

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erstellt am 18.Feb.2016 | 07:45 Uhr

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