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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 21:39 Uhr

Schleswig : Neue Chance für den Supermarkt am Kreisel

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Ratsversammlung stimmt dem Grundsatzbeschluss zur Entwicklung eines Gewerbegebietes mit Busdorf zu.

War das ein Meilenstein in der zähen Diskussion über die Ansiedelung eines Supermarktes am Busdorfer Kreisel? Nach einer erneut emotional geführten Debatte hat sich die Ratsversammlung gestern zumindest dafür ausgesprochen, dass die Stadt Schleswig gemeinsam mit ihrer Nachbargemeinde Busdorf ein interkommunales Gewerbegebiet (IKG) auf dem Gelände des Baustoffhändlers Carl Söhrn entwickelt. Das Abstimmungsergebnis allerdings war alles andere als deutlich. Mit 15 zu 11 Stimmen konnten sich die Befürworter des Grundsatzbeschlusses am Ende durchsetzen. Besonders außergewöhnlich daran: Die Ratsfrauen und -herren mussten, auf Antrag der CDU, namentlich abstimmen – und wurden also nach und nach aufgerufen, um ihr Ja oder Nein zu der Beschlussvorlage zu geben.

Dass die Entscheidung keine leichte sein würde, war nach den jahrelangen Diskussionen im Vorfeld zu erwarten (wir berichteten). Und auch diejenigen, die schließlich zustimmten, taten dies nur mit „erheblichen Bauchschmerzen“, wie SSW-Fraktionschef Harry Heide betonte. Denn alle Mitglieder der Ratsversammlung waren sich darin einig, dass ein Supermarkt samt angegliedertem Fachmarktzentrum auf dem Grundstück, das zur Gemeinde Busdorf gehört, negative Auswirkungen sowohl auf das Einkaufszentrum im Friedrichsberg als auch auf die Ladenstraße haben könnte. Da jedoch der Kreis als zuständige Genehmigungsbehörde bereits vor Jahren grünes Licht für den Bauantrag gegeben hatte, geht es den Befürwortern nun darum, über den Weg eines gemeinsamen IGK zumindest Einfluss darauf zu haben, wer und was sich später dort ansiedelt. „Der Vorschlag, das Gelände dort zu entwickeln kommt aus Busdorf. Es geht nur darum, dass wir Schleswiger dabei auch mitbestimmen können“, betonte Heide.

Dieses Argument wollte Helge Lehmkuhl von der CDU nicht gelten lassen. Zwar erklärte er, dass seine Fraktion nicht ausdrücklich gegen die gewerbliche Nutzung des Geländes sei. „Auch haben wir keine Bedenken bei der Ansiedelung eines Lebensmittelmarktes. Aber eben nur in der für die wohnortnahe Versorgung der Gemeinde Busdorf notwendigen Größenordnung von etwa 800 Quadratmetern.“ Er sprach sich dennoch klar gegen ein neues Einkaufszentrum am Stadtrand aus und mahnte: „Wozu eine derartige Entwicklung führen kann, sieht man am Beispiel unserer Nachbarstadt Rendsburg. Deren Stadtrandlagen prosperieren, und die Innenstadt ist tot.“

Soweit wollten es auch die Befürworter der Pläne für den Busdorfer Kreisel nicht kommen lassen. Auch deswegen beharrte Klaus Bosholm von der SPD, dass ein der Beschlussvorlage beigefügter „Letter of Intent“ abgeändert wird. Darin erläutern Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen, sein Busdorfer Kollege Peter Seemann, Investor Lutz Schoppmeier-Söhrn und Hans-Wilhelm Fick, der mit seinem Edeka-Markt vom Busdorfer Ortszentrum an den Kreisel umziehen will, die Pläne, auf die man sich geeinigt hat. Und darin ist die Rede vom Bau eines Edeka-Marktes mit einer Verkaufsfläche von 1250 Quadratmetern – „zuzüglich weiterer Flächen für Shops in der Vorkassenzone (Back-Shop, Gastronomie, Toto-Lotto-Annahme, Blumenshop, Friseur, Geldautomat). Den Zusatz wollte Bosholm („Das wäre mir zu groß“) nun gestrichen wissen – und erntete dabei einstimmige Zustimmung unter seinen Ratskollegen. Am Ende stimmte er, wie alle Vertreter von SPD und SSW, dem Grundsatzbeschluss zu. Grüne und Wählergemeinschaften waren dagegen, während die CDU uneins war: Arne Hinrichsen und Momme Thiesen stimmten mit Ja, der Rest mit Nein. Jürgen Wenzel (FDP) nahm wegen Befangenheit nicht an der Abstimmung teil.

Die Vertreter aus Busdorf, die allesamt anwesend waren, nahmen die Entscheidung erleichtert zur Kenntnis. „Jetzt können wir zumindest wieder in die Gespräche gehen“, sagte Bürgermeister Seemann in einer Pause. Auch sein Schleswiger Kollege Christiansen zeigte sich zufrieden. Er betonte allerdings noch einmal, mit Blick auf all diejenigen, die eine Schwächung der Friedrichsberger Supermärkte befürchten: „Ich sehe diese eher gestärkt. Denn Edeka-Jensen wird im Zuge der Pläne die Friedrichstraße verlassen. Das bedeutet unter dem Strich im direkten Umfeld einen Konkurrenten weniger.“

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erstellt am 12.Jul.2016 | 07:45 Uhr

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