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Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 15:36 Uhr

Lufthansa-Auktion in Schleswig : Neue Besitzer für verlorene Koffer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Lufthansa lässt herrenlose Gepäckstücke samt Inhalt versteigern – und löst im Real-Warenhaus einen Riesen-Ansturm aus.

351 herrenlose Koffer mit unbekanntem Inhalt sorgten am Sonnabend im Real-Warenhaus für Nervenkitzel. Die Lufthansa ließ Gepäckstücke versteigern, die Reisende an Flughäfen auf der ganzen Welt nicht abgeholt hatten. Drei Monate lang bewahrt die Fluggesellschaft solche Koffer auf – dann gehen sie an das Auktionshaus Clesle, das Versteigerungen in ganz Deutschland organisiert. Zu dem sechsstündigen Event reiste der öffentlich bestellte und vereidigte Versteigerer Martin Clesle mit seinem elfköpfigen Team aus der Nähe von Freiburg an die Schlei.

„Unsere nördlichste Auktion bisher war in Potsdam“, sagte er. „Ich werde mich bemühen, schön hochdeutsch zu reden, damit mich alle gut verstehen.“ Der Dialekt war dann tatsächlich kein Problem. Nur die unerwartet hohe Besucherzahl sorgte dafür, dass einige Interessierte die Exponate gar nicht sichten konnten. Zeitweise befanden sich über 2500 Menschen im Geschäft. An den Kassen war es dennoch ungewöhnlich ruhig für einen Sonnabend, denn fast alles hatte sich im hinteren Teil des Warenhauses versammelt.

Emmi und Manfred Kirstein aus Friedrichsau gehörten zu den ersten, die ein Gepäckstück abstaubten. Für rund 80 Euro ersteigerten sie einen Koffer der Marke Eminet. Dem Inhalt nach gehörte er einmal einem Fluggast, der aus Mexiko zurückkehrte. Neben getragener Kleidung fanden die Kirsteins neuwertige Sombreros in den mexikanischen Nationalfarben.

Petra Rauhut aus Klensby hatte zwar keine Neuware im Koffer, sondern nur Kindersachen und ein großes Paar Schuhe, aber auch sie bereute die investierten 70 Euro nicht. Frank Reestorff aus Eggebek ergatterte für 130 Euro eine Ferrari-Sporttasche. „Jetzt fehlt mir nur noch das passende Auto“, war sein Kommentar. Statt Schlüssel und Fahrzeugpapieren fand er jedoch lediglich eine Jacke und diversen Kleinigkeiten sowie ein paar Schuhe – immerhin in der passenden Größe. Mehr als zufrieden war Claus Friese aus Jübek. Er ersteigerte ein Paket mit mehreren Fotorollen zu einem Preis von rund 60 Euro. Er ist Auktions-erfahren. „Vor einigen Jahren habe ich mal ein Ölgemälde ersteigert, dass 1000 Euro Wert war“, sagte er, öffnete die Rollen und fand – wieder ein Ölgemälde. Ob es auch diesmal so wertvoll ist, konnt er jedoch noch nicht sagen.

Neben Gepäckstücken wurden separat auch Handys und Laptops verkauft, von denen zuvor alle persönlichen Daten entfernt wurden. Den höchsten Preis erzielte ein Netbook mit 1000 Euro. Für fünf Euro hingegen fand ein Schlafsack einen neuen Besitzer.

Unheimlich flott sammelte Auktionator Clesle die einzelnen Gebote ein und wechselte dann zum nächsten Produkt. Dank seiner 20-jährigen Erfahrung behielt er bis zum Schluss den Überblick und führte Bieternummer, Exponatnummer und Preis immer fehlerfrei zusammen.

Aber warum gibt es so viele Flugreisende, die ihre Koffer nicht abholen? Clesle vermutet, dass die meisten Gepäckstücke Vielfliegern gehörten, die irgendwann gar nicht mehr genau wissen, auf welcher Reise mit welcher Fluggesellschaft ihr Koffer verloren gegangen ist. So wird der Auktionator wohl auch in Zukunft noch viel zu tun haben. „Das hier in Schleswig war eine schöne Veranstaltung“, sagte Clesle abschließend und plante bereits den weiteren Tag. „Mein Team und ich waren schon am Hafen und am Dom. Heute Abend haben wir in einem Restaurant im Holm reserviert und werden hoffentlich guten Fisch essen, wie es sich gehört, wenn man schon mal im Norden ist.“ Gestern traten sie dann mit leichtem Gepäck ihre Heimreise an.

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