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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 09:12 Uhr

Damaliges Landeskrankenhaus in Schleswig : NDR: Mehr Medikamenten-Tests mit Heimkindern als bislang bekannt

vom
Aus der Onlineredaktion

In knapp 1000 Fällen sollen Psychopharmaka verabreicht worden sein. Die Landesregierung kündigte eine Aufarbeitung an.

Schleswig | Im Ex-Landeskrankenhaus Schleswig hat es nach einem Medienbericht in den 50er- und 60er-Jahren offenbar deutlich mehr medizinische Versuchsreihen mit Kindern und Jugendlichen gegeben als bislang bekannt. Ihnen sollen in knapp 1000 Fällen Medikamente testweise verabreicht worden sein, wie NDR 1 Welle Nord und das „Schleswig-Holstein Magazin“ am Mittwoch berichteten. Unklar sei aber, ob einzelne Kinder dabei gleichzeitig Teil mehrerer Testreihen waren.

Bereits im Oktober war bekannt geworden, dass ein mittlerweile toter Arzt in der Schleswiger Jugendpsychiatrie des damaligen Landeskrankenhauses zwei Medikamente erprobte. Zusätzlich zu diesen Versuchsreihen gebe es in vier weiteren Fachaufsätzen des Mediziners eindeutige Hinweise auf Medikamentenversuche, berichtete der Sender. Dies hätten Recherchen in Bibliotheken ergeben.

Der besagte Arzt beschreibt in den Aufsätzen demnach, wie er Psychopharmaka, die für Erwachsene bereits auf dem Markt waren, an seinen minderjährigen Patienten getestet hat. Dabei handelt es sich vor allem um stark sedierende Neuroleptika, aber auch um Präparate, die die Hirntätigkeit der vermeintlich „Schwachsinnigen“ anregen sollten.

Die Landesregierung kündigte bereits eine Aufarbeitung der Schleswiger Fälle an. Wegen fehlender Akten ist die exakte Zahl der Betroffenen nach Angaben des Sozialministeriums unklar. Bis Ende 2018 wird mit ersten Ergebnissen gerechnet.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 19:25 Uhr

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