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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Schleswig : Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Achtspeichiges Hakenkreuz auf einem Schild bei den Kampf-Vorführungen sorgt für Wirbel / Veranstalter sprechen von „unglücklicher Motivwahl“

Im Getümmel bei den Kampf-Vorführungen auf den Wikingertagen fiel es den meisten Besuchern gar nicht weiter auf: Einer der Schaukämpfer trug einen Schild, dessen Bemalung zumindest für Missverständnisse sorgen kann. Es zeigt ein slawisches Sonnensymbol – ein achtspeichiges Hakenkreuz, das so oder ähnlich auch von Angehörigen der Neonazi-Szene verwendet wird. Wikingertage-Veranstalter Stephan Vollbehr erhielt deshalb gestern bereits Anfragen von überregionalen Medien.

Wikinger und Neonazis – das ist ein sensibles Thema. Schließlich instrumentalisierte schon das NS-Regime die Wikinger und die Geschichte Haithabus unter dem Stichwort „Ahnenerbe“ im Sinne ihrer Rassen-Ideologie. Vor rund 15 Jahren versuchten Neonazis mehrmals, mit massiver Präsenz auf den Wikingertagen das Volksfest für sich zu vereinnahmen. „Dagegen sind wir konsequent vorgegangen“, sagt Vollbehr. Es wurden Platzverweise verhängt. Teilweise fing die Polizei die Rechtsradikalen direkt am Bahnhof ab.

Nicht erst seit diesen Vorfällen sind Vollbehr und sein Geschäftspartner Kaj-Uwe Dammann wachsam. „Wir distanzieren uns extrem von allem, was rechtsradikal angehaucht ist“, betonen sie. Im Nachhinein gibt Vollbehr jedoch zu, dass die Motiv-Wahl auf dem umstrittenen Schild „unglücklich“ gewesen sei – auch weil die Farbwahl Schwarz-Weiß-Rot die Wirkung noch verstärkt habe. Schließlich sind dies nicht nur die Farben des Deutschen Reiches, sondern auch die Farben, in denen die Nazis ihre Hakenkreuze zeigten.

Einer der ersten, denen dies auffiel, war der Holmer Fischer Jörg Nadler. Auch er macht auf die Farben des Deutschen Reiches aufmerksam. „Die bloße Verwendung dieses Symbols würde ich ohne die Farbwahl vielleicht noch als instinktlos und dumm bezeichnen“, meint er. Nadler, der sich intensiv mit historischer Fischerei beschäftigt und sich in der Wikingerszene auskennt, sagt, er habe dieses Symbol in den vergangenen Jahren immer wieder auf wikingerzeitlichen Veranstaltungen und im „rechtsextremen Teil der neuheidnischen Szene“ beobachtet.

Darauf angesprochen, begann Vollbehr zu recherchieren. Er stieß auf eine Internet-Seite slava-slavia.de, die sich mit slawischer Kultur befasst. Dort wird das „Kolovrat“, wie das achtspeichige Hakenkreuz auch heißt, als Zeichen für Stärke und Macht vorgestellt – versehen mit dem Hinweis: „Leider wird dieses Symbol von einigen Rassisten für ihre ideologischen Zwecke missbraucht.“

Wer ist der Mann, der mit diesem Symbol in die Kampfarena der Wikingertage spazierte? Während der Vorführungen trug er einen Helm, der sein Gesicht verdeckte. Weder Henry Gau, der Leiter der Kampfspiele, noch Stefan Lösch, der Moderator und Chef des Wikingerdorfes, können ihn identifizieren.

„Ich kenne nicht jeden der Schaukämpfer persönlich. Ich weiß nicht, wer diesen Schild getragen hat“, sagt Lösch, deshalb könne er nicht für alle seine Hand ins Feuer legen. Das slawische Sonnenrad habe er bislang nicht gekannt. Er wirbt dafür, das Symbol auf harmlose Weise zu interpretieren. „Die Wikinger waren keine Rasse, sondern eine Kulturgemeinschaft. Auch Slawen konnten sich ihnen anschließen, und sie konnten ihre eigenen Schilde mitbringen.“ Die Darsteller auf den Wikingertagen, die er persönlich kenne, seien „sehr weltoffen und politisch eher grün und naturverbunden“, betont er.

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erstellt am 09.Aug.2016 | 08:51 Uhr

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