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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 15:50 Uhr

Schleswig-Flensburg : Naturschutz-Beauftragter: „Der Mensch schützt nur, was er kennt“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach knapp 30 Jahren gibt Edmund Link das Amt des Kreisnaturschutzbeauftragten ab. Nachfolger ist sein bisheriger Stellvertreter Gerd Kämmer

Knapp 30 Jahre lang war Edmund Link aus Schafflund so etwas wie der gute Geist des Naturschutzes im Kreis. Jetzt hat er das Amt des Kreisnaturschutzbeauftragten abgegeben. Sein Nachfolger ist Links langjähriger Stellvertreter Gerd Kämmer aus Handewitt, Biologe und Geschäftsführer von „Bunde Wischen“.

Edmund Link erinnert sich noch gut an das beherrschende Thema bei seiner Amtsübernahme: „Damals ging es um die Standortsuche für eine Mülldeponie im Kreis.“ Seinerzeit habe es „Riesendemonstrationen“ gegeben – mit 100 bis 200 Leuten. „Das war viel für den Naturschutz“, sagt Link. Das Thema sei glücklicherweise längst vom Tisch. Weitere wichtige Themen in den drei Jahrzehnten seiner Amtszeit seien die Erhaltung von Knicks und Wasserrandstreifen sowie die Wasserbelastung gewesen. In den vergangenen Jahren sei es vermehrt um die Verwendung der Ausgleichsmittel für Eingriffe in die Natur etwa durch neue Baugebiete oder den Bau von Biogas- und Windkraftanlagen gegangen.

Ein Thema, das dem 66-jährigen ehemaligen Lehrer für Biologie und Deutsch ebenfalls bis heute sehr am Herzen liegt, ist die Anlage neuer Biotope. „Wir hatten viel Erfahrung im Ausräumen von Landschaften, aber wenig in ihrer Gestaltung. Da haben wir im Laufe der Jahre viel gelernt“, sagt Link.

Nun wurden die Aufgaben der Kreisnaturschutzbeiräte im neuen Landesnaturschutzgesetz von der Landesregierung neu definiert. Für Link genau der richtige Moment, um das Amt zu übergeben. „Das passt irgendwie nicht, wenn das jemand macht, der es bereits die letzen 28 Jahre gemacht hat“, sagt er.

Mit Gerd Kämmer übernimmt jemand, der bereits bestens in der Szene vernetzt ist. Seit 21 Jahren ist der heute 54-jährige Biologe selbst Mitglied des Kreisnaturschutzbeirates und seit gut zehn Jahren Links Stellvertreter. Kämmer ist in Jarplund aufgewachsen und lebt heute in Handewitt. Seit seinem Studium ist er ehrenamtlich tätig. „Ich habe immer den Bezug zur Region behalten“, sagt er.

Schon zu Studienzeiten begann er mit der naturnahen Beweidung im Naturschutzgebiet Fröruper Berge und gründete den Verein „Bunde Wischen“. Er entwickelte seit 1998 die Naturflächen am Schäferhaus für den Verein. Heute leben rund 800 Galloways und etwa 100 Schottische Hochlandrinder des Vereins in Herden auf insgesamt etwa 1500 Hektar Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, vor allem in den Kreisen Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde und der Stadt Flensburg.

Während des Studiums begann er, sich für die Renaturierung der Geltinger Birk einzusetzen. Vor zwei Jahren wurde nun endlich mit der kontrollierten Vernässung begonnen. „Manche Bretter sind im Naturschutz halt ziemlich dick“, sagt Kämmer. In der Zeit habe sich im Naturschutz einiges verändert. „Vor 30 Jahren konnten wir nur beschreiben, was eintreten wird. Heute können wir es zeigen.“ Etwa am Schäferhaus, wo aus einem Truppenübungsplatz ein Naturerlebnisraum mit zahllosen seltenen Pflanzen wurde oder am Winderatter See, wo Äcker in Biotope zurückverwandelt wurden, in denen sich der Laubfrosch wieder heimisch fühlt.

Als wichtiges Anliegen für die Zukunft nennt Kämmer die Themen Naturerleben und Umweltbildung. Die Naturschützerszene im Kreis sei stark überaltert, der Nachwuchs fehle. Deshalb sei es besonders wichtig, die Jüngsten für das Thema zu begeistern. Umweltpädagogen, die mit den Kindern in die Natur gehen, legten den Grundstein für späteres Handeln als Erwachsene. „Wir müssen, wo es vertretbar ist, Natur erlebbar machen. Der Mensch schützt nur, was er kennt“, sagt Kämmer.

Die Nitratbelastung von Böden und des Grundwassers sieht der neue Beauftragte als weiteres wichtiges Thema in seiner Amtszeit. „Alles guckt nach Niedersachsen“, sagt er. Doch was die miserablen Werte angehe, komme gleich danach die Geest im Kreisgebiet mit ihren enormen Viehbeständen, der hohen Zahl an Biogasanlagen und ihren sandigen Böden, die das Nitrat nahezu ungehindert ins Grundwasser passieren ließen. Mais für die Biogasanlagen und Futter für die Tiere werde importiert, die Gärreste und die Gülle, die den Boden unter anderem mit Nitrat belasten, blieben jedoch hier. Um die Grundwasserbelastung zu senken, sei im Gespräch, Gärreste und Gülle in weniger belastete, vieharme Regionen wie Ostholstein abzugeben. „Das sind Millionen Tonnen Gülle und Gärreste, die gefahren werden müssen. Nur Nachhaltigkeit kann hier die Lösung sein. Hier müssen wir etwas verändern.“

Trotz klarer Positionen in Naturschutzfragen sieht sich Kämmer als Mann der Kompromisse. „Es ist mein Ziel, konsensorientiert zu Lösungen zu kommen. Alles andere kann nicht funktionieren. Wir sind Vermittler“, sagt er.

Das neue Amt sieht er „als spannende Herausforderung. Es werden sicherlich einige Überraschungen auf mich warten. Ich freue mich auf die Aufgabe“. Kreisnaturschutzbeauftragter ist aber nicht die einzige neue Aufgabe, die Kämmer übernommen hat. Üblicherweise sind die Kreisbeauftragten auch Mitglied im Landesnaturschutzbeirat – und in den wurde Kämmer mittlerweile auch berufen.


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erstellt am 17.Nov.2016 | 12:25 Uhr

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