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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Schleswig : Nachhilfe für die Seeadler

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Weil der Horst der Greifvögel bereits zweimal abgestürzt ist, haben deren Betreuer ihnen jetzt eine Alternative geschaffen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Wenn es ums Thema Hausbau geht, haben die Schleswiger Seeadler ganz offensichtlich zwei linke Hände, oder besser gesagt Klauen. Bereits 2015 war ihr Horst, hoch oben in einer Pappel am westlichen Ufer des Burgsees gelegen, bei einem Sturm abgestürzt. In diesem Jahr bauten ihn die Greifvögel an gleicher Stelle wieder auf – und erneut machte das riesige Nest einen Abflug. Dafür brauchte es diesmal allerdings nicht einmal einen übermäßig starken Wind. Was also tun, fragten sich die ehrenamtlichen Adler-Betreuer und kamen schnell zu einer ganz logischen Antwort: Eine Nisthilfe musste her.

Gesagt, getan. Unter teils abenteuerlichen Bedingungen haben einige Helfer jetzt eine stabile Holzkonstruktion angebracht, die – so die Hoffnung – den nächsten Horst der Adler auch dauerhaft tragen soll. Das allerdings ging nicht, wie ursprünglich geplant, in der von dem Adlerpaar bevorzugten Pappel. „Die sieht inzwischen nicht mehr wirklich kräftig und stabil aus, trägt auch kaum noch Laub. Deswegen mussten wir einen anderen Baum nehmen“, erzählt Betreuer Andreas Rau. Die Wahl fiel deshalb auf eine Pappel, die etwa 70 Meter weiter Richtung Schlossinsel steht. Das Gelände dort – direkt am Ufer des Burgsees – ist so unwegsam, dass Rau und seine Kollegen schon Schwierigkeiten hatten, überhaupt dorthin zu gelangen. Ohne Wathosen ging da gar nichts. „An manchen Stellen mussten wir uns sogar mit Hilfe einer Alu-Leiter Brücken bauen“, erzählt Rau, der sich gemeinsam mit den Adler-Freunden Friedrich Neujahr, Thomas Grünkorn und Hanns Ley durchs Unterholz kämpfte. Endlich am Ziel angekommen, stieß auch Förster Claas Löhr-Dreier zu der kleinen Gruppe hinzu. Er hatte das Holz für die geplante Plattform zuvor im Idstedter Forst geschlagen und es nun mit nach Schleswig gebracht. Das war schon schwierig genug. Noch komplizierter war es jedoch, die Nisthilfe in etwa 25 Metern Höhe anzubringen. Die geübten Seilkletterer Thomas Grünkorn und Hanns Ley wagten sich schließlich in luftige Höhen, zimmerten dort die bis zu zwei Meter langen Holzlatten zusammen, die fertige Plattform befestigten sie sturmsicher am Baum. Und am Ende bauten sie auch noch etwas „Horst-ähnliches“ obendrauf. „Das ist ein Trick, der schon öfter geklappt hat, eine Art Denkanstoß für die Adler. Wir hoffen, dass sie die Nisthilfe bald entdecken und denken: ,Oh, da hat schon jemand angefangen. Dann bauen wir doch gleich mal weiter’“, erklärt Rau. Da die Adler sie bei den Arbeiten in der Baumkrone beobachtet hätten, stünden die Chancen darauf ganz gut.

Für den Bau der Nisthilfe war das Zeitfenster derweil recht klein. „Das musste genau jetzt passieren“, sagt Rau. Denn die beiden Jungvögel seien inzwischen groß genug und würden bald das Revier verlassen. Die Eltern hingegen beginnen bald wieder mit der Balz – und auch mit dem Horstbau. Ob sie dazu die Hilfe ihrer Betreuer in Anspruch nehmen, wird sich also schon in den nächsten Wochen zeigen.

Dass das Paar – trotz der beiden Nestabstürze – weiterhin seinem Revier am Burgsee treu bleibt, davon ist Andreas Rau überzeugt. „Es ist ein idealer Standort für Seeadler. Sie haben direkt vor der Haustür ein reichhaltiges Nahrungsangebot“, sagt er. Und auch für die vielen Schleswiger und Gäste, die sich für die seltenen Greifvögel interessieren, sei der Standort perfekt. Denn direkt von der Schlossinsel aus habe man einen unverbauten Blick auf die Bäume, in denen die Adler ihr Zuhause haben. „So etwas gibt es in Schleswig-Holstein kein zweites Mal. Wenn man sich eine Stunde hier am Schloss auf eine Bank setzt, hat man fast die Garantie, einen oder mehrere Adler zu sehen – mit Glück sogar bei der Jagd. Das ist einfach faszinierend.“

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erstellt am 28.Sep.2016 | 07:45 Uhr

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