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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 07:08 Uhr

Ole Riebesell aus Schleswig : Musikunterricht zwischen Kaffeefeldern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach dem Abitur an der Lornsenschule zieht es Ole Riebesell (18) zu einem ungewöhnlichen Hilfsprojekt nach Ecuador.

Was auf ihn zukommt – so genau weiß Ole Riebesell (18) das nicht. Im Sommer hat er an der Lornsenschule sein Abitur abgelegt. In ein paar Wochen setzt er sich in einen Flieger nach Guayaquil in Ecuador. Von der Millionenstadt aus geht es weiter in ein 1000-Seelen-Dorf namens Luz y Guía. Im Gepäck hat er dann seine Gitarre – und nicht viel mehr. Drei Monate lang will er dort den Dorfbewohnern – Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – Musikunterricht geben.

Organisiert wird das Ganze von „Musiker ohne Grenzen“, einem Verein aus Hamburg. Auf ihrer Internetseite schreiben die Gründer: „Mithilfe der Musik verbessern wir die Lebenswirklichkeit in sozialen Brennpunkten und durch die musikalische Arbeit bieten wir Alternativen zu einer kriminellen Karriere und dem sozialen Abseits.“ Auf diese Sätze stieß Ole Riebesell, als er die Begriffe „Musik“ und „Entwicklungshilfe“ googelte. Da war er auf der Suche nach einer sinnvollen und erfüllenden Beschäftigung für die Monate nach der Schulzeit. Er beschäftigte sich näher mit den Projekten des Vereins und war schnell angetan. Er begriff aber auch: „Musiker ohne Grenzen“ ist ein kleiner Verein, die Strukturen sind eher lose, um viele Dinge muss er sich selbst kümmern, wenn er nach Südamerika reist.

Das geht los mit der Finanzierung. Der Verein selbst hat nicht viel Geld und ist auf Spenden angewiesen. Den Flug hat Ole Riebesell auf eigene Kosten bereits gebucht. Im Moment jobbt er als Barkeeper im „Luzifer“, um sich seinen Aufenthalt zu finanzieren. „Das Gute ist, dass die Lebenshaltungskosten in Ecuador niedrig sind“, sagt er. „Wenn man sparsam ist, kann man mit 100 Dollar im Monat auskommen.“ Vielleicht, so hofft er, finde sich ja in Schleswig oder dem Umland ein Sponsor.

Luz y Guía liegt inmitten von Kakao- und Bananenplantagen. Dort haben schon andere junge Deutsche vor ihm Musikunterricht gegeben. Insbesondere die Kinder, das haben die Vereinsvorständler ihm berichtet, nehmen das Angebot gerne an. Richtig etabliert ist der Musikunterricht dort aber noch nicht. Der junge Schleswiger wird entweder in einer Wohngemeinschaft mit anderen Musikern leben oder in einer Gastfamilie.

Immerhin: Ole Riebesell hat an der Lornsenschule fünf Jahre Spanischunterricht gehabt. „Zum Schluss mit eher wenig Motivation, aber jetzt habe ich meine Lehrbücher wieder herausgeholt.“ Wie auch immer es ihm während der Monate in Luz y Guía ergehen wird – „ein Traum wäre, wenn ich danach perfekt Spanisch spreche“, meint er. Ein einziges Mal war er schon in Lateinamerika – mit einer Gruppe um Pastor Matthias Hertel in El Salvador, wo die Schleswiger evangelische Kirche eine Partnergemeinde hat.

Aber was qualifiziert den Abiturienten überhaupt für die Arbeit als Musiklehrer? Er ist ein guter Gitarrenspieler, singt seit der fünften Klasse im Chor und war auch schon Frontmann einer Rockband. Mehr wird bei „Musiker ohne Grenzen“nicht verlangt. „Das ist natürlich eine einmalige Chance, dass ich ohne musikpädagogische Ausbildung so etwas machen kann.“ Diese Ausbildung, die kommt dann vielleicht, wenn Ole Riebesell zurück ist aus Ecuador. Lange Zeit hatte er zwar damit geliebäugelt, sich an Schauspielschulen zu bewerben – er war eine tragende Stütze der Theater-AG der Lornsenschule. „Aber inzwischen stört mich an dem Beruf, dass man sich meistens in irgendeiner Form einem Casting stellen muss.“

> Informationen über den Verein und seine Projekte unter www.musikerohnegrenzen.de

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erstellt am 27.Sep.2016 | 09:45 Uhr

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