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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 05:30 Uhr

Kommentar : „Mord verjährt nicht“: Erfolgreiche Ermittler im Fall Erna Ganz

vom

Der Mordfall Erna Ganz zeigt: Kein Täter kann sich in Sicherheit wiegen. Ein Kommentar von sh:z-Redakteur Alf Clasen.

Wie kann man 34 Jahre lang mit dem Wissen leben, einen Menschen kaltblütig umgebracht und sexuell missbraucht zu haben? Wie schafft man es dennoch, ein vermeintlich normales Leben mit Familie und Beruf zu führen? Wie gelingt es, seine dunkle Vergangenheit über einen so langen Zeitraum zu verheimlichen, ohne sich nicht doch einmal zu verraten? Diese Fragen im Mordfall Erna Ganz kann letztlich nur der Täter selbst beantworten. Und es ist zu hoffen, dass sie ihn in all der Zeit wenigstens immer wieder gequält haben.

Nun hat die Polizei den Mörder der Rentnerin aus Schleswig dank neuer Ermittlungstechniken doch noch gefasst. Dabei war die vor drei Jahren von der Staatsanwaltschaft angeordnete DNA-Reihenuntersuchung mit mehr als 1000 Teilnehmern keineswegs unumstritten. Kritiker bemängelten den großen Aufwand, den der Massentest und die nachfolgenden Ermittlungen mit sich bringen würde. Doch jetzt hat sich die akribische Arbeit der Kriminalisten ausgezahlt. Das ist ein großartiger Erfolg. Die Erleichterung und der Stolz, den die Ermittler bei ihrer Pressekonferenz offen zur Schau stellten – sie sind nur allzu verständlich.

Mit DNA-Profilen und anderen modernen kriminaltechnischen Untersuchungsmethoden werden sich in Zukunft noch weitere Kapitalverbrecher überführen lassen, deren Taten länger zurückliegen. Nicht von ungefähr wurde im vergangenen Jahr beim Landeskriminalamt in Kiel eigens eine „Cold Case Unit“, also eine Spezialeinheit für ungelöste Fälle, eingerichtet.

Das Wissen darum wird potenzielle Mörder nicht unbedingt davon abhalten, andere Menschen umzubringen. Schließlich geschehen viele Tötungsdelikte im Affekt. Aber auf Sicht dürften immer weniger schwere Verbrechen ungesühnt bleiben. Das stärkt das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat und verhilft den Angehörigen der Opfer zu (später) Genugtuung. Der Satz „Mord verjährt nicht“ bekommt neues Gewicht. Die Botschaft im Fall Erna Ganz lautet: Kein Täter kann sich in Sicherheit wiegen.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 06:30 Uhr

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