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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:10 Uhr

Beobachtungen einer Leserin in Schleswig : „Mohammed! Wo waren wir gerade?“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wie manche Flüchtlingshelfer mit ihren Schützlingen umgehen, das findet Christine Meyer verstörend.

Zunächst möchte ich sagen, dass ich es großartig finde, wie sich Menschen für Flüchtlinge einsetzen und sich um diese kümmern. Allerdings habe ich in den letzten Monaten einige Erlebnisse gehabt, die für mich so gar nicht in Ordnung sind. Es geht hier sicher nicht um die größte Zahl der Flüchtlingshelfer, sondern nur um einige Ausnahmen.

Unsere Leserin Christine Meyer aus Schaalby schätzt die Aktivitäten der Helfer sehr. Einige Beobachtungen haben sie allerdings gestört. Sie hat diese Erlebnisse aufgeschrieben, um zum Nachdenken anzuregen. Es ist ein Plädoyer für ein würdevolles Miteinander.

 

Ein kleines Bekleidungsgeschäft in Schleswig: Eine junge Frau (langes Kleid, Kopftuch) steht an der Kasse, um zu zahlen. Daneben ihr Kind, ein Mädchen, etwa drei Jahre alt. Eine andere Kundin (etwa 60 Jahre alt) beobachtet die beiden kurz, stürzt sich dann mit „ei dei dei, bist du aber süß“ auf das Kind, und beginnt, es zu tätscheln. Resultat: Das Kind fängt an zu weinen und die ältere Dame erntet einen bösen Blick von der Mutter, die das Kind trösten muss. Die ältere Dame wendet sich an die Mutter: „Du heute Nachmittag auch Flüchtlingstreff?“ Die junge Frau guckt komisch. „Du musst Flüchtlingstreff! Du verstehen?“ Und dann, noch etwas lauter: „Du musst Flüchtlingstreff!!“

Darauf die junge Frau in perfektem Deutsch: Entschuldigen Sie, ich bin kein Flüchtling. Ich lebe seit zwanzig Jahren in Deutschland.“ Antwort: „Ach, Du nix Flüchtling?“ Die junge Frau hat offenbar keine Lust mehr auf weitere „Wadde hadde dudeda-Kommunikation und geht.

Die Dame aber hat weiteren Redebedarf und wendet sich an mich: „Wir haben nämlich einmal in der Woche einen Flüchtlingstreff.“ Ich antworte: „Finde ich gut, da dürfen dann bestimmt auch Deutsche kommen?“ Antwort: „Nein, natürlich nicht. Darauf ich: „Dann ist das ja keine Integration.“ Antwort: „Wir bereiten die ja auf die Integration vor.“ Mir rutscht das Wort „Blödsinn“ heraus und die ältere Dame rauscht beleidigt ab.

Ein paar Tage später beobachte ich in der Innenstadt eine Dame und einen jungen Flüchtling. Beide kommen gerade aus einer Apotheke. Die Dame rauscht mit Volldampf los, schaut sich kurz um: „Mohammed, wo waren wir gerade?“ Mohammed, bemüht mit der Frau Schritt zu halten, reagiert nicht. Die Dame, fast schreiend: „Mohammed! Wo waren wir gerade?“ Mohammed guckt eingeschüchtert. Die Frau: „Wir waren in der Apotheke.“ Mohammed: „Ja, Apotheke.“

„Mohammed, wir gehen jetzt zur Bank. Der junge Mann läuft mit gesenktem Kopf hinterher. „Mohammed, wir gehen zur Bank, hörst Du?“ Mohammed: „Ja, Bank.“

Ungefähr zwei Wochen später bin ich in einer kleinen Arztpraxis. Das Wartezimmer ist voll. Ich kenne niemanden, ansonsten scheint jeder jeden zu kennen. Alle reden durcheinander. Nach zehn Minuten öffnet sich die Tür und ein junges Paar (offenbar Flüchtlinge) betritt mit einem freundlichen „Moin“ das Wartezimmer. Die Gespräche verstummen schlagartig, das Paar wird misstrauisch beäugt. Verlegen greifen die beiden zu Zeitschriften und schauen sich die Bilder an. Nach kurzer Zeit wird mir die Situation zu blöd und ich spreche die beiden auf englisch an. Sie erzählen, sie seien irakische Christen, berichten von ihrer Flucht. Es kommt ein nettes Gespräch zustande – unter misstrauischer Beobachtung der anderen Patienten, bis ich mich verabschieden muss.

Liebe (einige wenige) Flüchtlingshelfer: Versucht doch bitte, in vernünftigem Deutsch mit den Flüchtlingen zu sprechen. Auf Augenhöhe eben. Und schreit die Menschen doch bitte nicht an und tut nicht so, als wäret ihr etwas Besseres. Hört auf mit dem Machtgehabe. Die meisten dieser Flüchtlinge haben alles verloren und auf der Flucht Schreckliches erlebt. Viele von ihnen haben einen hohen Bildungsstand, hatten super Berufe. Aber gleichgültig welche Bildung oder welcher Beruf – niemand hat es verdient missachtet, angeschrien oder herumkommandiert zu werden.

 

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erstellt am 05.Jul.2016 | 13:52 Uhr

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