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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 21:34 Uhr

CDU-Empfang zum Tag der Deutschen Einheit : „Mitmenschlichkeit muss wichtiger sein als Reichtum“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Beim Empfang der CDU Schleswig-Flensburg berichtete Mecklenburg-Vorpommerns Ex-Landtagspräsident Rainer Prachtl von seinen Erfahrungen in der DDR.

Der Tag der Deutschen Einheit ist für die CDU im Kreis und in der Stadt Flensburg seit jeher ein Grund zum Feiern. Und so kamen auch gestern wieder rund 100 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach Schleswig, um beim traditionellen Empfang im Hirschsaal von Schloss Gottorf an das historische Ereignis vor nunmehr 26 Jahren zu erinnern.

„Es ist ein Tag der Freude, aber auch ein Tag der Mahnung“, betonte der CDU-Kreisvorsitzende Johannes Callsen. Er erinnerte an die großen Herausforderungen, vor denen Europa eine Generation nach dem Mauerfall stehe und nannte als Beispiele den britischen EU-Austritt, die Flüchtlingswelle und „einzelne osteuropäische Länder, die sich der Solidarität verweigern“. Dabei gelte es, die Werte der Einheit wie Demokratie, Solidarität und Hilfsbereitschaft immer wieder mit Leben zu erfüllen, so Callsen.

Einer, der die Wiedervereinigung persönlich mitgestaltet hat, ist Rainer Prachtl. Der heute 66 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler und CDU-Politiker aus Neubrandenburg war von 1990 bis 1998 Präsident des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. Er gehöre zu den vielen Menschen, die in der DDR unter der sozialistischen Herrschaft gelitten haben. „Ich bin selber einer, der Westpakete bekommen hat“, erzählte Prachtl und meinte: „Eigentlich müsste ich mich vor Ihnen verneigen.“ Er berichtete, wie er als 13-Jähriger die Jugendweihe abgelehnt habe, dass er nachweislich von mindestens acht informellen Stasi-Mitarbeitern bespitzelt worden sei und wie man es ihm und seiner Frau verwehrt habe, ein Kind zu adoptieren.

In seinem Festvortrag zeigte Prachtl die unterschiedlichen Gegebenheiten zwischen Ost und West auf, die es im Einigungsprozess zu berücksichtigen gelte. Als Beispiel nannte er die in der DDR stark zurückgedrängte Kirche. So seien heute in Mecklenburg-Vorpommern nur noch etwa 20 Prozent der Bevölkerung Mitglied in der evangelischen oder katholischen Kirche. Damit seien auch Einrichtungen wie Diakonien vielfach verschwunden. Zudem wies Prachtl auf die schlechten Parteienstrukturen in seinem Bundesland hin, wo etwa die CDU nur noch etwas mehr als 5000 Mitglieder zähle.

Vor allem aber ging der Festredner der Frage nach, wie weit sich die Bürger im geeinten Deutschland einbringen, und zitierte Ernst Blochs „Kältestrom“, gegen den man etwas tun solle – gerade auch vor dem Hintergrund der Flüchtlinge. Für Prachtl, der sich in seiner Heimat unter anderem in der Hospizarbeit engagiert, steht fest: „Mitmenschlichkeit muss wichtiger sein als Reichtum, Freundschaft wichtiger als Prestige.“

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erstellt am 04.Okt.2016 | 15:12 Uhr

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