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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 02:13 Uhr

Serie: „Was schwimmt denn da?“ : Mit den Füßen voran durch die Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schwimmen hält jung: Bestes Beispiel dafür ist Reimer Pohl (84) – er zieht vom Netzetrockenplatz aus seit gut 50 Jahren fast täglich seine Bahnen.

Schleswig und der Kreis sind von Wasser geprägt. Schlei, Ostsee, Flensburger Förde, Flüsse und Seen sind besonders im Sommer Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische. In einer Serie stellen wir vor, was im und am Wasser so alles passiert. Heute geht es um Reimer Pohl, der zwischen Mai und Oktober täglich seine Bahnen in der Schlei zieht – und zwar seit fast 50 Jahren.

Am liebsten legt er sich einfach mit dem Bauch nach oben ins Wasser und lässt sich treiben. Nur sein braun gebranntes Gesicht und die schütteren, weißen Haare und die Zehenspitzen gucken dann noch heraus, und hin und wieder sieht man leichte Handbewegungen. So treibt Reimer Pohl ganz gemütlich und wie von Geisterhand gesteuert durch das fast schwarze Schleiwasser. „Da habe ich mir im Laufe der Jahre eine ganz eigene Technik angeeignet. Das kann nicht jeder. Ich habe versucht, es meinen Enkeln beizubringen, aber die haben das nicht hinbekommen“, sagt er.

Im Laufe der Jahre – das klingt unspektakulärer, als es tatsächlich ist. Denn der 84-Jährige ist schon fast sein ganzes Leben lang begeisterter Schwimmer. Eine Leidenschaft, die er seit Jahrzehnten am liebsten in der Schlei ausübt. 1969 fing es hier an. Seitdem geht Reimer Pohl zwischen Anfang Mai und Mitte Oktober in seinem Heimatgewässer täglich schwimmen. „Es sei denn, wir sind unterwegs oder es schüttet wie aus Eimern.“ Ansonsten aber setzt sich der ehemalige Domschullehrer, der bis heute in vielen Schleswiger Vereinen aktiver Ehrenamtler ist, zuhause in der Klosterhofer Straße auf sein Fahrrad und fährt runter zum Netzetrockenplatz. Auf dem Gepäckträger klemmt dann ein Handtuch, die Badehose hat er schon drunter. Ansonsten hat er nur ein Wasserthermometer dabei. „Ich möchte immer gerne wissen, wie warm oder kalt die Schlei ist“, sagt er. Gestern waren es 19 Grad, als er seine diesjährige Schwimmsaison am 9. Mai eröffnete, hingegen nur 14 Grad. „Das war schon grenzwertig“, erzählt Pohl. Aber abschrecken lässt er sich weder von Kälte noch von Algen oder Hindernissen im Wasser. „Leider ist die Schlei ja nicht so schön anzusehen und das Wasser ziemlich trüb. Aber das stört mich nicht.“ Inzwischen weiß er ja auch ganz genau, an welchen Stellen Bauschutt oder Steine auf dem Grund liegen. Oft genug hat er sich die Füße daran wundgetreten.

Dass er eine Wasserratte ist, wie er selber sagt, hat sich bereits in frühester Kindheit herausgestellt. Gemeinsam mit seinen Eltern und den beiden Brüdern verbrachte Reimer Pohl jeden Kindheitssommer in einer kleinen Hütte am Ostseestrand in der Nähe von Hadersleben, die der Familie gehörte. „Es war ein einfaches Haus ohne Strom und fließend Wasser. Aber es war für uns das Paradies“, erzählt er. Sein Vater Erich, der später von 1959 bis 1964 Direktor an der Domschule war, brachte dem fünfjährigen Reimer damals das Schwimmen bei. Seitdem hat es ihn nicht mehr losgelassen. Zur Verwunderung seiner Frau Reinhild. „Sie hält mich schon ein wenig für verrückt, weil ich das jeden Tag mache. Sie bleibt dann lieber zu Hause“, sagt Pohl und lächelt.

Seine drei Töchter allerdings seien früher oft mitgekommen, und hin und wieder traut sich heute auch mal eines der Enkelkinder mit ihm in die Schlei. Meistens aber zieht er alleine seine Bahnen vom Netzetrockenplatz aus. Dann begleiten ihn höchstens ein paar neugierigen Enten, wenn er von der östlichen Mole aus losschwimmt Richtung Stadthafen. Bis hin zu einer Stelle, „von der aus ich alle vier Türme des Domes aus sehen kann“. Dann geht es langsam zurück. Am liebsten die Füße voran und den Blick nach vorne.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 17:00 Uhr

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